Flughäfen leiden mit der Lufthansa

Von Christian Ebner, dpa
Der Pilotenstreik trifft keineswegs nur die Lufthansa. Auch die Flughäfen leiden. Ihr Verband fürchtet negative Langzeitfolgen des Dauer-Arbeitskampfes.

Frankfurt/Main (dpa) – Der Dauerstreik der Piloten zieht auch andere Wirtschaftsunternehmen in Mitleidenschaft. Ganz unmittelbar getroffen sind die Flughäfen, die von den Entgelten der Airlines und vom Konsum der Passagiere am Boden leben. Die Branche beklagt Millionenschäden. Allein in Frankfurt fehlten im vergangenen Jahr streikbedingt nicht nur zwischen 50 000 und 60 000 Passagiere, sondern auch mehr als 10 Millionen Euro operativer Gewinn, wie Fraport-Chef Stefan Schulte am Donnerstag berichtete.

«Pro Passagier verdient ein Flughafen etwa 20 Euro», sagt Ralph Beisel, Hauptgeschäftsführer des Flughafenverbandes ADV in Berlin. Bei knapp einer Million betroffener Fluggäste bei den seit knapp einem Jahr laufenden Pilotenstreiks ergebe sich so eine Gesamtschadenssumme von grob 20 Millionen Euro. Dies müsse noch auf die rund 220 Millionen Schaden bei der Lufthansa draufgerechnet werden.

Die Einnahmen der Flughäfen stammen unter anderem aus den Start- und Lande-Entgelten, deren Löwenanteil pro Passagier abgerechnet wird. An den größeren Flughäfen kommen zudem erhebliche Erlöse aus dem Einzelhandel in den Terminals dazu.

Die Geschäftsmodelle sind dabei unterschiedlich: Die Betreibergesellschaft in München managt die Geschäfte selbst. Dagegen tritt der Frankfurter Flughafen lediglich als Vermieter auf, der aber einen Teil der Miete vom Umsatz des vermieteten Geschäfts abhängig macht. 3,43 Euro netto blieben so im vergangenen Jahr pro Passagier bei der Fraport hängen, die Tendenz vor allem wegen des schwachen russischen Rubels leicht fallend.

Nicht ganz unberechtigt kann man einen modernen Flughafen auch als «Shopping-Mall mit Landebahn und Parkhaus» bezeichnen. In der aktuellen Fraport-Bilanz hat das Geschäft mit Einzelhandel und Parkgebühren allein am Heimat-Standort 275 Millionen Euro zum Ergebnis vor Zinsen und Steuern (EBIT) beigetragen. Der Gesamtkonzern samt seiner vielen ausländischen Töchter kam im vergangenen Jahr auf ein EBIT von 483 Millionen Euro.

Doch auch bei den kaum noch profitablen Bodenverkehrsdiensten und dem eigentlichen Fluggeschäft brechen bei Streiks Einnahmen weg, ohne dass im gleichen Maße Kosten sinken würden. Der übrige Betrieb am Flughafen und damit die Fix-Kosten laufen weiter, auch wenn Lufthansa in Frankfurt zwei Drittel aller Flugbewegungen besorgt.

Man kann nicht ganze Belegschaften beispielsweise bei der Gepäckabfertigung auf die Schnelle zu unbezahlter Freizeit nach Hause schicken. «Wir setzen da allein auf Freiwilligkeit», sagt ein Unternehmenssprecher. Ähnlich sieht es bei Putzkolonnen oder Sicherheitskräften aus.

Den Dauerstreik bei seinem wichtigsten Kunden Lufthansa sieht Fraport-Chef Schulte daher mit anhaltender Sorge. Dass die Airline aus Wettbewerbsgründen ihre Kosten drücken muss, steht für ihn nicht im Zweifel. Vielmehr müssten sich die Piloten fragen, ob es wirklich in ihrem Interesse liege, mit jedem Streiktag die Lufthansa ein weiteres Stück zu schwächen. «Der Dauerstreik schadet direkt dem Renommee der Lufthansa.»

Noch weitergehende Folgen fürchtet ADV-Manager Beisel. «Das Vertrauen in das Verkehrsmittel Flugzeug geht verloren», glaubt er. Der nervige Dauerstreik könne bei der zahlenden Kundschaft zu einem Umdenken führen. «Von Düsseldorf nach Hamburg, eine unserer typischen Rennstrecken, könnte mancher dauerhaft auf die Bahn umsteigen.» Doch auch auf der Schiene ist man vor Streiks nicht sicher.

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