Kann man sich in Paraguay überhaupt gesund ernähren?

Kolonie Independencia: Eine ausgewogene Ernährung ist fundamental für ein gesundes Leben. Nicht nur die Vielfalt ist wichtig sondern auch die Qualität der Produkte ist von großer Bedeutung. Ist es überhaupt möglich in Paraguay auf beides zu achten?

Bei den Paraguayern sind Probleme mit der Bauchspeicheldrüse, dem Magen, den Blutfetten usw. heutzutage keine Seltenheit, sondern sind tatsächlich weit verbreitet. Wenn man beobachtet, von was sich die hiesige Bevölkerung ernährt, muss man kein Arzt oder Ernährungsspezialist sein um zu erkennen, dass das nicht gesund sein kann.

In der Stadt isst ein Großteil der Bevölkerung täglich vor Fett triefendes Fastfood, wie Empanadas oder Schnitzel. Auf dem Land sind es Tortillas in minderwertigem Öl frittiert und Eintopf, fast ohne Gemüse, dafür mit günstigen Nudeln und Knochenfleisch, die jeden Tag auf den Teller kommen.

Das war allerdings nicht schon immer so. Noch vor wenigen Jahrzehnten sah die Ernährung hier ganz anders aus und war mit Sicherheit mit unter dafür Verantwortlich, dass Paraguay noch bis vor kurzem einen großen Anteil von über Hundertjährigen hatte. Früher hatte jede Familie auf dem Land die traditionellen Feldfrüchte wie Maniok, Mais, verschiedene Bohnen, Erdnüsse und Zuckerrohr auf dem Acker. Diese wurden gelagert und gehörten zu ihrem täglich Brot. Überschüsse wurden an Hühner und Schweine verfüttert. Fleisch wurde in etwa einmal in der Woche gegessen, da es ja keine Kühlschränke gab, konnte man zu Hause keine Vorräte davon lagern. Wurde ein größeres Tier geschlachtet, wurde es in der Nachbarschaft aufgeteilt. Wildtiere standen auch noch auf dem Speiseplan.Gesüßt wurde mit Zuckerrohrmelasse, und anstatt Bonbons lutschten die Kinder oft die Früchte des Ingas oder die, anderer einheimischer Obstbäumen. Die harte Feldarbeit und das Wäschewaschen am Bach und Wasser holen an der Quelle sorgten für ausreichend Bewegung. So waren die Menschen früher in jedem Fall gesünder.

Wer bescheiden und fleißig genug ist, kann auch heute noch so leben, doch gerade für unsere verwöhnten europäischen Gaumen ist das oft noch zu einseitig und fad.

Die paraguayischen Märkte haben zwar an Produktvielfalt gewonnen, wenn man vergleicht was vor 15 Jahren geboten wurde, doch die Früchte und das Gemüse die dort zu erwerben sind, sind voller Spritzmittel und so wahrscheinlich nicht besonders gesund und weil das Meiste auch noch importiert wird, aufgrund der weiten Transportwege auch nicht gerade ökologisch.

Und doch ist es auch hier möglich, eine ausgewogene Ernährung, mit gesunden Nahrungsmitteln umzusetzen.

Immer mehr Menschen bilden in den sozialen Netzwerken Gruppen, in denen sie selbst angebautes Gemüse und Obst tauschen und auch hoch qualitative Lebensmittel, die oft in Handarbeit entstanden sind, zum Verkauf anbieten. Es gibt auch Gruppen, die ihre Erfahrungen im Gartenbau teilen und sich gegenseitig mit Tipps und Infos zur Seite stehen.

Viele Einwanderer träumen davon, Selbstversorger zu sein. In der Praxis merkt man dann schnell das man alleine oder als kleine Familie einfach nicht alles, was man benötigt, selbst herstellen kann. Nicht einmal die Ernährung schafft man in den meisten Fällen abzudecken. Deshalb ist die Vernetzung von Gleichgesinnten, gerade im Bezug auf Nahrungsmittelherstellung, ein guter Weg. Nur so wird man auch auf die schon vorhandene Vielfalt aufmerksam und stellt auch Lücken fest, die noch zu füllen sind.

Nicht nur im Internet verbinden sich die menschen. Auch auf lokaler Ebene bilden sich Märkte und Treffpunkte zum produktiven Austausch über Landwirtschaft, Ernährung und Gesundheit. Auch alternative Energie, Umgang mit Müll und alternative Bauweisen sind Themen die von interessierten Bürgern,Deutsche wie auch Paraguayer, diskutiert werden.

Wer zum Beispiel noch hochwertiges Öl in seinem Kühlschrank vermisst, sollte den Weihnachtsmarkt am 22.12. im Cafè Minigolf in der Kolonie Independencia nicht verpassen, denn dort bietet der Sohn des Veranstalters, Ferdinand Bauer, sein kaltgepresstes Leinöl an. Beim Café Minigolf sind alle jeder Zeit willkommen, die an einem Stand ihre selbst produzierten Nahrungsmittel, Werkstücke oder Kunstgegenstände anbieten wollen.

Es tut sich also was zu diesem wichtigen Thema, auch in Paraguay. Und das schöne ist, wirklich jeder kann einen Beitrag leisten und wenn es nur der Kauf eines Naturprodukts ist, wodurch der Produzent gestärkt und zum weitermachen animiert wird.

Wochenblatt

Der Zweck dieses Dienstes ist die Wertsteigerung der Nachrichten und um einen flüssigeren Kontakt zu den Lesern zu etablieren. Kommentare sollten an das Thema des Artikels angepasst werden. Die Kommentatoren sind ausschließlich für den Inhalt verantwortlich, der sachlich und klar sein sollte. Schimpfwörter und persönliche Beleidigungen sowie Rassismus werden nicht geduldet.

9 Kommentare zu “Kann man sich in Paraguay überhaupt gesund ernähren?

  1. vorallem muss man sich in Paraguay das Kochen angewöhnen. oder man probiert`s mit 100 Lokalen. vlt ist eines dabei, dass die Milanesa nicht in kaltes Fett fritiert. Oder noch besser: das Fett/ Öl würde jeden 2. Tag gewechselt….ein Traum!

  2. Vom Einkommen her ist der Großteil der Bevölkerung auf den ungesunden Fraß angewiesen. Kaltgepresstes Leinöl wird sich diese Schicht kaum leisten können (den Preis für das angebotene Leinöl hat man auch dezent verschwiegen). Zudem ist der Geschmack von Leinöl gewöhnungsbedürftig und dürfte beim Latino kaum Anklang finden. Wer über das nötige „Kleingeld“ verfügt und selbst kocht, kann sich jedoch durchaus vernünftig ernähren und auf die Spezialitäten der paraguayischen Küche gern verzichten.

  3. Also ich habe es schon satt von zu viel Brot, Brotschnitte und belegtes Brötchen
    Und ich habe schon schlechtes Gewissen von Gemüse anderer Länder (Perú, Ecuator, u.a.)

    1. @Kururu
      Egal was sie Essen,alles was sie Kaufen ist belastet mit Schadstoffen.Selbst die Wurst hat genug Zusatzstoffe die nicht rein gehören.Nur das was sie Kontrolliert in eigenen Garten anbauen, ist halbwegs normal.Dann darf aber keine Monokultur neben an sein!

  4. Das Problem hier ist, daß die wenigsten Paraguayer kochen und backen können.
    Zum einen fehlt es, vor allem auf dem Land, an den Gegebenheiten wie Gas- oder Elektroherd und -ofen, zum anderen natürlich an den Kenntnissen.
    Morgens gehen sie nüchtern aus dem Haus, haben vielleicht einen Cocido oder Mate getrunken.
    Unterwegs zur Arbeit wird schnell eine Empanada oder eine Milanesa gekauft und gegessen.
    Das Mittagessen wird in einer der kleinen Copetines eingenommen und auf dem Nachhauseweg kauft man dann noch das Abendessen ein.
    Da bleibt vom Verdienst am Ende des Monats auch nur wenig Geld übrig.
    Das Mitnehmen einer Mahlzeit zum Arbeitsplatz, wie z.B. in Deutschland ist hier völlig unbekannt.
    Auch das gemeinsame Essen ist nicht sonderlich beliebt.
    Wenn überhaupt zuhause gekocht wird, dann ißt jeder, wann es ihm grade paßt.
    Der eine hockt sich mit dem Essen an den Tisch, der andere sucht sich einen Stuhl unterm Mangobaum, die dritte ißt schnell im Stehen einen Teller Puchero……………

    @Anton
    Leinöl halte ich persönlich auch nicht für den Verzehr geeignet, ebenso wenig wie Rapsöl.
    Aber heutzutage laufen die sogenannten Ökos ja jeder Neuheit hinterher,
    Man muß ihnen nur suggerieren, wie gesund das sei.

    @Kururu
    egal, woher das Gemüse stammt, es ist mit Pestiziden jeglicher Art behandelt.
    Nicht nur in Paraguay, sondern in ganz Latinoamerica, und im Rest der Welt sieht es nicht besser aus.
    Wer sicher sein möchte, daß es bei seinen Lebensmitteln anders aussieht, muß sie selber anbauen.
    Wobei ich aus Erfahrung sagen kann, daß einem die Insekten nichts übriglassen, wenn man nicht spritzt.

  5. „daß einem die Insekten nichts übriglassen, wenn man nicht spritzt.“ ist wohl richtig. Ich weiß aber wie und wieviel ich spritzen muss und kann auch die Karenzzeiten ausrechenen. Das ist schon ein gewaltiger Vorteil gegenüber dem nach Gift riechenden Gemüse aus dem Supermarkt.

  6. Johan Moritz van Nassau-Siegen

    Antworten

    Was wir neuerdings tun ist Gemuese anpflanzen, das Unkraut mechanisch jaeten und ueberhaupt nicht spritzen. Wir lassen es ganz oekologisch. Was waechst, das waechst und wenns nichts gibt dann gibts halt nichts. Fuer den Eigenkonsum geht sowas leidlich. Davon leben kann man nicht geschweige reich werden.
    Das einzige Gemuese was mir da einfaellt dass gaenzlich ohne Pestizide auskommt ist Kartoffeln, Zwiebeln, Radieschen u.a. Erdfruechte da die Frucht ja in der Erde ist.
    Daher haben aber solche auch eine kurze Haltbarkeit.
    Diese Kartoffeln, Zwiebeln, Radieschen u.a. die man im Supermarkt oder Mercado 4 findet sind wahrscheinlich dann nach dem Ernten mit Pestizide besprueht worden um Bakterien und Viren vorzubeugen und damit die Haltbarkeit viel mehr zu verlaengern. Die Produkte die ich ernte und ab und an zum Supermarkt liefere sind aber nie mit was praepariert also verderben leichter was einem von der Kooperative einen schlechten Namen gibt (ob Bio oder voll Pestizide kuemmert hier keinem solange man nicht sofort verreckt – sondern ein Jahrzehnt spaeter, so ist es Ok). So ist der Mennonit halt „gewickelt“ und daher genau hat er die Tendenz fuer Bioprodukte nur den halben Preis bezahlen zu wollen (die Haltbarkeit ist ja kuerzer).

  7. Was soll das heißen: So ist der Mennonit halt „gewickelt“? In dem Artikel oben gehts doch garnicht um Mennoniten oder Nicht- Mennoniten, sondern ob man sich in Paraguay richtig ernährt oder nicht!
    Ich kann mit Bestimmtheit sagen, dass man sich als Mennonit schon bemüht gesund zu essen.
    Und was den Namen „Bioprodukte“ angeht, ist man nicht einmal in Europa sicher, ob da nicht auch Pflantenschutzmittel drin sind. Das ist doch eine große Geldmacherei und Augenzuschmiererei.

  8. Johan Moritz van Nassau-Siegen

    Antworten

    Bei „Bio“ geht dir die haelfte (bis 3/4) der Ernte verloren weil man eben nicht giftet. Bei Gemuese geht oft die ganze Ernte ein wenn man die Wuermer im Boden nicht giftet (so quasi den Boden mit Gift traenkt).
    Daher muesste der Preis fuer „Bio “ doppelt bis dreifach so hoch sein (eher 500% mehr). Es sei denn Staatssubventionen muessen her die dann wiederum durch Steuern vom Konsumenten kommen.
    GMO Saatgut Produkte brauchen halb so viel Gift weil sie ja schon genetisch resistent sind gegen die Hauptkrankheiten oder Schaedlinge aber eben genetisch Modifiziert dass dann eventuell die Gene des Menschen angreift.
    Ohne GMO Baumwollsaatgut pflanzte man in Paraguay z.B. ueberhaupt keine Baumwolle mehr an weil die Giftungskosten alle Rahmen sprengen wurden (die Jeanshose kostet dann nicht 80000 Gs sondern 800000 Gs, usw). Gegiftet wird allemal doch noch sehr, und man kann es sich ja leisten weil die Preise relativ hoch sind.
    Sind leider Realitaeten.
    Sorghum sorten sind quasi alle GMO (Hybride aus dem Ausland). Diesen GMO Sorghum spritzt man 1 einziges mal wenn er Raupen hat wenn er klein ist und dann nicht mehr denn dessen Genetik toetet alles Ungeziefer von selbst (die Pflanze ist so quasi selber giftig fuer das Ungeziefen – und rate mal ob fuer den Menschen auch!).
    Das Problem ist dass die sogenannte Entwicklung die ganzen Systeme am galoppieren machen wo solch Kavallerieangriff-Kavalkade nicht ohne Tatschanka mit Maxim schweres Maschinengewehr aufgehalten werden kann.
    https://www.youtube.com/watch?v=2MdJNe-Iyvc

Kommentar hinzufügen

Diese Website verwendet Akismet, um Spam zu reduzieren. Erfahre mehr darüber, wie deine Kommentardaten verarbeitet werden.