Klebrig, süß und immer fröhlich

Bei einem Unfall verlor der Paraguayer Pedro Jiménez (41) seinen linken Arm. Heute kreiert er erfolgreich seine eigenen Eiscrème-Sorten.

Coronel Oviedo: Er war gerade 18, als Pedro Jiménez bei einem Arbeitsunfall in einer Schreinerei seinen linken Arm verlor. Eine laufende Maschine hatte sein Hemd mitgerissen und ihn gleich mit. Was folgte, war eine Odyssee durch Kliniken und Rehamaßnahmen, die der junge Mann über sich ergehen lassen musste. Zeitweise sah es nicht gut für ihn aus. Die Wunde wollte nicht richtig heilen und es kam zu Komplikationen. Zum Glück fand er Ärzte, die ihm professionell halfen, was in einem Entwicklungsland wie Paraguay nicht selbstverständlich ist. Inzwischen hat Pedro alles gut überstanden. Der Stumpf ist gut verheilt und er blickt optimistisch in die Zukunft.

Von Niedergeschlagenheit keine Spur, was wohl auch mit seinem Glauben zu tun habe, sagt der Familienvater. Der Glaube an Gott gebe ihm Kraft, eine Kraft, die sich Außenstehende wohl kaum vorstellen können, wenn sie den Eismann nicht persönlich erlebt haben. Er ist fast immer fröhlich, trägt seinen linken Armstumpf fast triumphierend vor sich her, damit ihn jeder sehen kann.

Trotz seines Unfalls wollte sich Pedro nicht unterkriegen lassen, sein eigener Herr bleiben, Geld verdienen und eine Familie gründen. Dabei kam ihm die Vorliebe der Stadtbewohner für Süßes zupass. Pedro besorgte sich ein paar gebrauchte Eismaschinen, studierte Rezepte und mietete einen kleinen Transporter, um seine Kunden beliefern zu können. Da es im südlichen Paraguay fast immer warm ist, selbst im Winter die Temperaturen kaum unter 20 Grad fallen, kann er sein Eis eigentlich immer verkaufen. Sein großes Glück war seine Frau Maria, sagt Pedro, mit der er mittlerweile zwei Kinder hat und die ihm in allen Lebenslagen zur Seite steht. „Ich danke Gott, dass er mich nicht im Stich gelassen hat“, sagt Pedro, während er mit dem rechten Arm stolz eine seiner neuesten Eigenkreationen, Melone-Vanille, aus der Truhe zieht.

Maria sitzt neben ihm auf der Veranda und ist mit der Buchhaltung beschäftigt. Ständig klingelt das Handy. Am Nachmittag haben sie noch eine Tour vor sich. Einige Läden und Kioske haben um Nachschub  gebeten. Es hat sich in Coronel Oviedo herumgesprochen, dass Pedro ein wahrer Meister in der Eisherstellung ist und sich immer neue Sorten und Formen ausdenkt. Der Phantasie und den Geschmacksrichtungen sind dabei kaum Grenzen gesetzt.

Seit seiner Kindheit lebt Pedro, gelernter Lagerist, in Coronel Oviedo. „Die Stadt ist ein Verkehrsknotenpunkt“, sagt Pedro. Zwischen der Hauptstadt Asunción und Ciudad del este, dem quirligen Handelszentrum im Grenzdreieck zu Argentinien und Brasilien. Nur selten ziehe es ihn dorthin, die Hektik der Großstadt war noch nie sein Ding, sagt Pedro. Er liebt die Beschaulichkeit der Provinz und natürlich die Nähe zu seiner Familie und den Freunden, die schon gespannt auf seine nächsten Eiscrèmekreationen warten.

Text und Fotos: Benedikt Vallendar

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