Ukrainer findet Zuflucht in Paraguay

Dr. Igor Protsenko, ein 49 Jahre alter Philologe aus Donetsk, lebt seit einem halben Jahr in Asunción. In einem Interview mit Úlitma Hora erzählt er seine bewegende Geschichte. Er wurde 1966 in Russland geboren und besitzt heute die ukrainische Staatsangehörigkeit.

Im Mai 2014 schrieb Protsenko an den letzten Zeilen einer Übersetzung „Der Winter von Gunter“ (El invierno de Gunter) des paraguayischen Schriftstellers Juan Manuel Marcos aus dem Spanischen ins Ukrainische. Aufgrund der schwierigen Arbeits- und Lebensumstände in Donetsk entschloss er sich, Marcos zu kontaktieren und nach einer offenen Stelle an der Uni Norte zu fragen, deren Rektor Marcos ist.

Er wurde um seinen Lebenslauf gebeten und erhielt bereits nach wenigen Tagen das Angebot, bei der akademischen Koordination zu unterstützen. Zu diesem Zeitpunkt wusste er nichts über Paraguay. Als er seinem Bruder davon erzählte glaubte er dies zunächst nicht und warnte dann vor einer sehr schwierigen und fremden Sprache (Guarani), die dort gesprochen wird. Protsenko fiel die Wahl zwischen Bomben und Kugelhagel und einer neuen Sprache nicht schwer. Er sprach ohnehin fließend Spanisch.

Er beendete noch eine Serie von Reportagen unter dem Titel „In feindlichem Gebiet“ (En tierra hostil), an der er mit Mitarbeitern des spanischen Fernsehsenders „Antena 3“ arbeitete und machte sich auf den Weg nach Asunción.

Bei einem Drehtermin in Kramatorsk, etwa 60 Kilometer von Donetsk entfernt, wurde das Fernsehteam, trotz einer Genehmigung, beschossen. Danach brachte man sie in einen Folterkeller. Man ließ sie dort einige Minuten warten, die wie Stunden vorkamen. Nachdem man sie zwang sämtliches Filmmaterial zu löschen wurden sie freigelassen, alle kamen unverletzt aber mit großem Schrecken davon.

Bei anderer Gelegenheit musste er seine Mutter mit dem Bus in eine andere Stadt bringen als plötzlich einige Soldaten auftauchten, die wild um sich schossen. Sämtliche Passanten schmissen sich auf den Boden um der Gefahr zu entgehen. Heute kann er darüber sprechen, wird dies aber nie vergessen, sagt er.

Er lebte nahe dem bekannten Fußballstadion „Donbass Arena“, in dem die pro-russischen Truppen eines ihrer Camps aufschlugen. Seit der Unabhängigkeit habe sich das Land mit 46 Millionen Einwohnern zu einer Industrienation vorgearbeitet. Man produziere Flugzeuge, Züge, Autos und Militärfahrzeuge. Daneben sei die Ukraine aufgrund ihrer fruchtbaren Böden als Kornkammer bekannt. Trotz großer Gasvorkommen sei man bei der Energieversorgung bis heute von Russland abhängig. Nach zweijähriger Rezession prognostizieren die Weltbanker sogar ein moderates Wirtschaftswachstum von 1,5% für 2015.

Er selbst habe sich nie besonders für Politik interessiert. Er war Tänzer und Sänger und zuletzt hielt er einen Lehrstuhl für romanische Sprachen an der nationalen Universität von Donetsk inne und leitete gleichzeitig die Abteilung für Spanisch. Seine Frau war Vizedirektorin an einer privaten Universität.

Über Skype spricht er jeden Tag mit seiner Frau, sieben Stunden Zeitunterschied sind dabei oft hinderlich. In zwei Wochen fliegt er in die Ukraine um seine Frau und Kinder zu besuchen. Sein Bruder, der in Hamburg wohnt, sei pro-russisch eingestellt. „Er weiß nicht, wie die Sachen laufen, er hört nur auf die Medien und alle Welt glaubt den Journalisten“, gibt er seine Enttäuschung zu verstehen.

In Paraguay fühle er sich sehr gut, die Leute seien sehr gastfreundlich: „Ich fühle mich nicht wie ein Ausländer“, sagt er lächelnd und vor allem fühlt er sich hier sicher: „Ich war schon in vielen Ländern, aber nirgends gibt es Menschen wie die Paraguayer“.

Er erklärt, dass Paraguay in der Ukraine und in ganz Europa ein „unbekanntes Land“ sei. Er mag die Sprache Guarani. Unvergesslich auch die erste „Suppe“, die er in der legendären „Lido Bar“ im Zentrum von Asunción bestellte: „Sopa Paraguaya“. Er sagt, er habe sich in das Land verliebt und will, falls möglich, für immer hier bleiben.

Quelle: Última Hora

Der Zweck dieses Dienstes ist die Wertsteigerung der Nachrichten und um einen flüssigeren Kontakt zu den Lesern zu etablieren. Kommentare sollten an das Thema des Artikels angepasst werden. Die Kommentatoren sind ausschließlich für den Inhalt verantwortlich, der sachlich und klar sein sollte. Schimpfwörter und persönliche Beleidigungen sowie Rassismus werden nicht geduldet.

3 Kommentare zu “Ukrainer findet Zuflucht in Paraguay

  1. wie das ?? — Paraguay — ist in Europa und in Deutschland kein unbekanntes Land – nicht jeder der einen Dr. hat ist ausreichend gebildet — vielfach sind es nur Schauspieler

    1. @ Hans: Das stimmt in der Ukraine weiß niemand etwas über PY. Mit denen wo ich spreche und PY erwähne wissen 99% noch nicht einmal wo das liegt genau. Das sind unerfüllbar Träume und unerreichbare Strecken für UALer zurzeit.

Kommentar hinzufügen