Wie viel Freiheit braucht es beim Auswandern?

Maciel, Paraguay: Bei einem kürzlich geführten Interview mit den Initiatoren des Projekts „El Paraíso Verde“, Dr. Erwin und Sylvia Annau, versuchten wir mehr über deren Beweggründe und Pläne herauszufinden, für wen die Teilnahme an diesem Projekt geeignet ist und für wen eher nicht.

Nachfolgend ein persönlich geführtes Interview vor Ort:

Herr Dr. Annau, Frau Annau: weswegen sollte man sich für ihr Auswanderungsprojekt entscheiden oder liegt die Entscheidung für eine Teilnahme auf beiden Seiten?

Zunächst einmal: Herzlich willkommen. Wir freuen uns, dass Sie gekommen sind. Wir erachten es als seriös, wenn man sich selbst vor Ort ein Urteil bildet. Viele Leute bilden sich ihr Urteil über etwas, was sie nie gesehen haben. Wenn man hierher kommt und sich El Paraíso Verde selbst anschaut, glauben wir, dass man viel leichter alle Aspekte verstehen kann.

Zu ihrer Frage, weswegen man sich für unser Auswanderungsprojekt El Paraíso Verde entscheiden sollte:

Wir ziehen es vor, nicht unsere Meinung zu sagen, sondern die Meinungen und Ansichten der Leute wiederzugeben, die sich für unser Projekt bereits entschieden haben.

Wir möchten auch nicht für andere Projekte sprechen. Es gibt in Paraguay viele Projekte. Jedes hat seine Vorteile. Jedes Projekt soll das erreichen was der Initiator sich vorgenommen hat und wir wünschen jedem alles Gute.

Warum sollte man sich für El Paraíso Verde entscheiden? Nach den Aussagen von mehr als 500 Menschen,  die hier hergekommen sind, ist das Wichtigste am El Paraíso Verde die Gemeinschaft. Leben mit gleichgesinnten Deutschen, Österreichern und Schweizern. El Paraíso Verde ist zwar als internationale Community konzipiert, aber es werden wahrscheinlich zu 95% Deutschsprachige hier wohnen, da unsere Werbematerialien in Deutsch sind. Zu uns kommen Menschen die hinsichtlich der Situation in der Welt und in Deutschland aufgewacht sind. Menschen, die sich Sorgen machen um ihr Leben, um ihre Kinder und um die Entwicklungen in Europa. Sie finden sich bei uns zu einer Gemeinschaft zusammen.

Das Schöne an El Paraíso Verde ist, dass es für eine Größe geplant wurde, mit der man Kultur, Sprache und Wissen der Deutschen erhalten kann.

Nach unserer Beobachtung von kleineren deutschen Gemeinden in Paraguay geht die Sprache nach ein oder zwei Generationen verloren und wir beobachten auch, dass die Kultur nach ein paar Jahrzehnten verloren geht.

Wenn man irgendwo auf der Welt die deutsche Kultur, die in Deutschland leider sukzessive verloren geht, erhalten möchte, braucht man eine gewisse Größenordnung.

El Paraíso Verde ist für 4.000 – 6.000 Menschen geplant und hat damit eine Größenordnung, bei der ein Vernetzungseffekt entsteht, durch welchen die Potenzierung von Wissen und Erfahrungen der Menschen die sich hier austauschen, möglich ist.

Diese weltweit einmalige Chance, für die wir dem Staat Paraguay sehr dankbar sind, hat uns fasziniert und motiviert, dieses riesige Projekt auf uns zu nehmen.

Wir hatten es uns nicht so schwierig vorgestellt, aber es gab keine Alternative.

Eine unserer Klientinnen hat etwas Richtiges gesagt: „Ich kann hier auf 16 km2 (8 Mal die Größe von Monaco, oder 1,6 Mal die Größe von Charlottenburg) tagelang reiten, Ausflüge machen, in den Urwald gehen, ich kann im Madonna-Wald meditieren, ich kann in ein paar Jahren tausend Leute treffen, ich kann hier mein eigenes Netzwerk von engen Freunden und von vielen Bekannten bilden und auch nachts zum See joggen und weiß, dass ich auch als Frau hier sicher bin und meine Kinder hier in Sicherheit leben können.“

Bei kleinen Gemeinschaften ist dies viel schwieriger. Nicht jeder kann mit jedem. Bei uns kann man – wenn einmal mehrere hundert Menschen hier wohnen werden, seinen Freundeskreis auswählen und den anderen Bewohnern begegnet man mit Freundlichkeit und Respekt.

Deswegen ist die große Gemeinschaft einer der wichtigsten Entscheidungsgründe für  Leute, die zu uns kommen.

Ein weiterer, wichtiger Grund ist:

Bei uns gibt es keine Ideologie. Das einzige was bei uns verboten ist, sind Sekten. Wir selbst sind Sekten-Geschädigte. Die Ideologie ist: keine Ideologie. Und das gefällt den Leuten sehr. Sie haben ihre Ruhe bei uns.

Die Entscheidung, ob jemand im El Paraíso Verde leben wird, liegt auf beiden Seiten. Auch wir haben am Ende der gemeinsamen Woche die Entscheidungsfreiheit, jemanden zu akzeptieren oder nicht.

In dieser Woche bekommen Reiseteilnehmer die nötigen Informationen um die Hintergründe unseres Projektes zu verstehen. Wir sind bis Mitte 2020 nicht für Tourismus und Kurzbesuche eingerichtet.

Inwiefern sind umwelttechnische Fragen wichtig für das zukünftige Leben im grünen Paradies?

Sehr viele Menschen wollen hierher kommen, weil es hier weniger Handy-Strahlen gibt und es in der Nacht ganz ruhig ist. Und man sieht einen fantastischen Sternenhimmel.

Menschen,  die zu uns kommen, sind sehr umweltbewusst. Unser Ziel ist,  erneuerbare Energien zu verwenden und die Prinzipien der Permakultur umzusetzen.

Wir zeigen Alternativen zu den weltweit gängigen Lebensweisen.

Beispiel Lehmbau: Wir werden im nächsten Jahr mit dem Bau von Lehmhäusern beginnen.

Wie stolz sind Sie als Initiatoren auf den Erfolg des Projektes oder ist dies eine Gruppenleistung?

Das ist eigentlich nicht die Frage.  Wir hatten schon vor vielen Jahren diese Idee. Viele Menschen bestätigen uns, dass sie selbst auch schon diese Ideen hatten. Wir treffen daher viele Sehnsüchte und Bedürfnisse mit unserem Projekt, nur wir setzen diese Ideen in die Tat um.

Das ist nicht eine Frage von Stolz. Das ist alles „Ego“.

Es geht darum, dass wir dieses Projekt gemacht haben, weil es niemand anderer gemacht hat. Irgendjemand musste ja die Verantwortung übernehmen. Es war schwer genug. Unser Job ist nicht leicht.  Wir tragen eine große Verantwortung auf unseren Schultern.

Der Erfolg dieses Projekts ist eine Gruppenleistung. Wir haben ein gutes Betriebsklima, Menschen die einander mit Respekt begegnen,  mit Liebe, und mit einem offenen Herzen.

Wem würden Sie denn raten bei ihrem Projekt mitzumachen und wem nicht?

Das Wichtigste an unserer Gemeinschaft im El Paraíso Verde ist das offene Herz. Das unterscheidet unsere Gemeinschaft vielleicht von anderen. Wir möchten,  dass Menschen kommen, die das Herz am rechten Fleck haben und die anderen sein lassen wie sie sind ohne sie missionieren zu wollen. Wir wollen Menschen anziehen, die „mit dem Herzen denken.“

Wir befinden uns weltweit in einer Zeit der Veränderung und es wird immer deutlicher und klarer, dass wir Menschen anfangen dürfen-nicht müssen- mit dem Herzen zu denken, und den Kopf,  die Gedanken, und den Intellekt hintan zu stellen. Man kann den Intellekt zu Hilfe nehmen, aber man sollte ihn nicht an die erste Stelle setzen.

Falls jemand das Finanzielle an die erste Stelle stellt, wird er bei uns nicht glücklich. Falls jemand billig viele Hektar kaufen möchte, muss er dies woanders tun.

Wir errichten im El Paraíso Verde eine umfassende und daher auch kostenintensive Infrastruktur und deswegen lässt sich El Paraíso Verde auch nicht mit anderen Projekten vergleichen. Daher sollte sich jeder OBJEKTIV und vor allem direkt an der Quelle und nicht durch Hörensagen informieren und dann auf sein Herz hören.

142.000 Deutsche wandern jedes Jahr aus. Wir können 100, 200 oder 300 Leute im Jahr aufnehmen, vielleicht einmal 1.000 im Jahr aber was ist mit den anderen 141.000 die jedes Jahr Deutschland verlassen?

Falls irgendjemand glaubt, dass unser Projekt zu irgendeinem anderen Projekt in Konkurrenz steht, hat er die einfache Mathematik der Auswanderung nicht gemacht.

Seit wann sind Sie in im Land permanent angesiedelt?

Wir sind im Juli bzw. August 2017 übersiedelt.

Was verbindet Sie besonders mit dem Land?

Österreich und Paraguay sind beide sehr schöne Länder. Der Kontrast der roten Erde zum satten Grün ist wunderschön. Ganz stark fühlen wir uns mit den Menschen in Paraguay verbunden. Die Menschen haben ganz einfach das Herz am rechten Fleck. Man spürt das. Es heißt nicht umsonst, dass die Paraguayer das glücklichste Volk der Welt sind.  Deshalb fühlen wir uns hier sehr heimisch.

Wie sehen Sie das Paraíso Verde auf lange Sicht?

Für uns sind fünf Jahre schon eine lange Sicht. Die nächsten fünf Jahre stehen im Zeichen der Umsetzung unserer Vision. In fünf Jahren wird es hier komplett anders aussehen. Es wird eine internationale und mehrsprachige Gemeinschaft entstehen. Wir beabsichtigen die Errichtung einer Schule, eventuell einmal eine Universität.

Seit wann hatten sie den Traum solch ein Projekt umzusetzen?

Seit mindestens 20 Jahren. Menschen, die zu uns kommen, nennen uns 5 Gründe:

Der wichtigste Grund ist die Bürokratie, das Gefühl, in Europa immer mehr in ein Schema gepresst zu werden. Erst der zweitwichtigste Grund für die Auswanderung ist die unkontrollierte Migration nach Europa.

Danach kommt die drückende Steuerlast. Grund Nummer vier sind die nach Ansicht von vielen Menschen vorhandenen Wettermanipulationen. Grund Nummer fünf ist die Zwangsimpfung von Kleinkindern.

Paraguay ist ein Land mit „mucha libertad“, mit viel Freiheit. Wir haben im El Paraíso Verde sauberes Wasser, saubere Luft mit einem tiefblauen Himmel, und eine bis zu einem Meter dicke Humusschicht. Damit können Menschen hier gesund leben und die Freiheit dieses Landes in einer Gemeinschaft von Gleichgesinnten genießen.

Herr Dr. Annau, Frau Annau, vielen Dank für das Gespräch.

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