Asunción: Paraguay bleibt ein Land der Immobilienbesitzer. Während in vielen Industrienationen die Mietquoten drastisch steigen, zeigt die aktuelle Auswertung der Wirtschaftskommission ECLAC (CEPAL), dass fast 80 % der Paraguayer in den eigenen vier Wänden leben. Doch hinter dieser beeindruckenden Zahl braut sich ein Wandel auf dem Wohnungsmarkt zusammen.
Die historische Entwicklung zwischen 2001 und 2024 offenbart eine bemerkenswerte Beständigkeit: Wohneigentum ist und bleibt die vorherrschende Wohnform im Land. Lag die Quote im Jahr 2001 noch bei 76,4 %, kletterte sie bis zum Jahr 2024 auf rund 79,5 %. Damit besitzt fast jeder achte von zehn Haushalten sein eigenes Heim – ein Wert, der im lateinamerikanischen Vergleich eine hohe soziale Verwurzelung signalisiert.
Doch die Stabilität trügt. Parallel zum Bevölkerungswachstum und der zunehmenden Urbanisierung zeigt sich ein deutlicher Aufwärtstrend bei den Mietverhältnissen. Waren es Anfang der 2000er-Jahre noch weniger als 10 %, so überschritt die Mietquote im Jahr 2024 die Marke von 12,2 %. Besonders junge Familien und Geringverdiener finden in den Städten immer seltener den Weg zum Eigenheim und weichen auf den Mietmarkt aus.
Formalisierung verdrängt “sonstige Wohnverhältnisse“
Interessant ist der Rückgang bei den sogenannten “sonstigen Wohnformen“ – also Wohnverhältnisse ohne formalen Titel oder inoffizielle Vereinbarungen. Diese Gruppe schrumpfte von einst 14 % (2001) auf nur noch etwa 8 % im Jahr 2024. Was auf den ersten Blick wie eine erfolgreiche Formalisierung aussieht, ist bei genauerer Betrachtung oft eine Verdrängung: Wer keinen informellen Platz mehr findet und sich kein Eigentum leisten kann, landet zwangsläufig auf dem Mietmarkt.
Die soziale Schere im Wohnungssektor
Die Daten der ECLAC, aufgeschlüsselt nach Einkommensgruppen, legen eine tiefe strukturelle Ungleichheit offen. Während das Wohneigentum fest in den Händen der einkommensstärksten 20 % der Bevölkerung (das oberste Quintil) verankert ist, konzentriert sich die Mietbelastung und die Wohnungsnot auf die ärmeren Schichten. Der Anstieg der Mieten droht die Kluft zwischen jenen, die Vermögen aufbauen können, und jenen, die monatlich einen Großteil ihres Einkommens ohne bleibenden Gegenwert ausgeben müssen, weiter zu vergrößern.
Fazit für die Politik: Handlungsbedarf bei Finanzierung und Stadtplanung
Für die paraguayische Politik sind diese Zahlen ein klarer Auftrag. Um die hohe Eigentumsquote zu halten und die soziale Stabilität nicht zu gefährden, bedarf es:
-Gezielter Förderprogramme für Haushalte mit geringem Einkommen.
-Barrierefreier Finanzierungsmodelle, die an die Realität des paraguayischen Arbeitsmarktes angepasst sind.
-Städtischer Entwicklungspläne, die die regionale Heterogenität berücksichtigen.
In einem Land, das so stark über den Land- und Grundbesitz definiert wird, bleibt die Wohnsituation der zentrale Gradmesser für den Erfolg im Kampf gegen die strukturelle Ungleichheit.
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