Asunción: Mehr als 200 Polizisten haben in diesem Jahr bereits ihre Versetzung in den Ruhestand beantragt – eine beispiellose Zahl, die die Register der Vorjahre weit übertrifft, wie die Polizei bestätigte. Dieses Phänomen tritt mitten in der Diskussion über die Reform der staatlichen Rentenkasse (Caja Fiscal) auf, die auch Militär und Polizei betrifft.
Eine ungewöhnliche Anzahl von Beamten der Nationalpolizei hat in den letzten Wochen den freiwilligen Ruhestand beantragt. Das Phänomen, das sich seit Januar intensiviert hat, löst Besorgnis über die Auswirkungen auf die operativen Strukturen der Institution aus.
Kommissar Édgar Ledesma, Leiter des Personalmanagements der Nationalpolizei, berichtete, dass im bisherigen Verlauf des Jahres 2026 bereits 214 Anträge auf freiwilligen Ruhestand registriert wurden. An nur einem einzigen Tag wurden 67 Anträge eingereicht – eine Zahl, die in starkem Kontrast zu den Vorjahren steht. Zum Vergleich: Im gesamten Jahr 2025 wurden insgesamt nur etwa 70 Anträge gezählt, mit einem Durchschnitt von ein bis zwei pro Monat.
Behörden auf hohen Ansturm nicht vorbereitet
Der Kommissar wies darauf hin, dass die Rechtsabteilung nicht darauf vorbereitet war, ein so hohes Aufkommen an Verfahren in so kurzer Zeit zu bearbeiten. Er versicherte jedoch, dass man daran arbeite, alle Anträge zu beantworten.
Der freiwillige Ruhestand basiert auf der ausdrücklichen Willenserklärung des Polizeipersonals und ist durch geltendes Recht geschützt. Das Gesetz ermöglicht diesen Schritt ab 10 Dienstjahren, wobei der Prozentsatz der Pension je nach Dienstalter variiert. Laut Ledesma verfügen viele der Antragsteller über mehr als 25 Dienstjahre. In diesen Fällen kann das Ruhegehalt gemäß der geltenden Skala etwa 94 % des aktuellen Gehalts erreichen.
Der Weg in den Ruhestand
Der Prozess ist nicht unmittelbar. Er beginnt in der Direktion für Personalmanagement, wo der Beamte eine Notiz und die erforderlichen Unterlagen einreicht. Anschließend wird die Akte über die Vorgesetzten an den Kommandanten der Polizei und danach an das Innenministerium weitergeleitet. Schließlich erstellt die Rechtsabteilung des Präsidiums den Dekretentwurf, der den Ruhestand formalisiert und den Anspruch auf die Rente aktiviert.
Hintergrund: Die Rentenreform
Der Anstieg der Anträge fällt mit der Diskussion über die Reform des Rentensystems und der Caja Fiscal zusammen. Vertreter von Militär- und Polizeiverbänden hatten zuvor bereits ihren Unmut über die geplanten Änderungen geäußert.
Die Exekutive schlägt vor, die Kriterien für die Berechnung der Renten zu vereinheitlichen, basierend auf dem Durchschnitt der Bezüge der letzten fünf Dienstjahre. Ein weiterer Konfliktpunkt ist, dass Beamte künftig ein Alter von 57 Jahren erreichen müssen, um Zugang zur Rente zu erhalten.
Das ist eine brisante Situation: Die erfahrenen Beamten versuchen offensichtlich, noch unter den alten (günstigeren) Bedingungen in Rente zu gehen, bevor die Reform greift. Das könnte kurzfristig zu einem spürbaren Personalmangel bei der Polizei führen.















