Vom Chaco bis zum Weltmarkt: Deutschlands neuer Blick auf Paraguay

Asunción: Die bilateralen Beziehungen zwischen Deutschland und Paraguay befinden sich auf einem Höchststand. Laut dem deutschen Gesandten in Paraguay, Jörg Herrera, gibt es hervorragende Aussichten auf Wachstum in den Bereichen Handel, Investitionen und Tourismus.

In einem Exklusivinterview in der Sendung Tribuna auf Paraguay TV äußerte sich der Diplomat Jörg Herrera äußerst zufrieden über die aktuelle Dynamik zwischen beiden Ländern. Er beschrieb Paraguay als ein attraktives Ziel mit hoher Lebensqualität und herzlichen Menschen. „Wir haben sehr gute Beziehungen zu Paraguay, daher ist alles bereit für eine erfolgreiche Zusammenarbeit“, erklärte er.

Historische Wurzeln und wirtschaftliches Potenzial

Herrera wies darauf hin, dass die Verbindung beider Nationen tiefe historische Wurzeln hat, geprägt durch verschiedene deutsche Migrationswellen in den letzten 200 Jahren. In diesem Zusammenhang hob er die Präsenz der mennonitischen Gemeinschaften hervor, insbesondere im Chaco, wo enge kulturelle und bildungspolitische Bande – einschließlich des Deutschunterrichts – gepflegt werden.

Im wirtschaftlichen Bereich sieht der Gesandte trotz positiver Handelsbeziehungen noch erhebliches Ausbaupotenzial. Deutsche Investitionen seien derzeit noch begrenzt, könnten aber mit der endgültigen Konsolidierung des EU-Mercosur-Abkommens deutlich zunehmen. „Damit würden sich auf beiden Seiten die Türen für einen größeren und intensiveren Handel öffnen“, betonte Herrera. Er sprach sich zudem kritisch gegen Zölle im internationalen Handel aus, da diese die Verbraucherpreise erhöhen und die wirtschaftliche Entwicklung hemmen würden.

Tourismus und strategische Lage

Besonderes Potenzial sieht Herrera im paraguayischen Ökotourismus, der bei europäischen Reisenden immer gefragter sei. Mit einer verbesserten Infrastruktur und Fluganbindung könne sich das Land als attraktives Ziel für deutsche Touristen positionieren, die authentische und nachhaltige Erlebnisse suchen. Zudem lobte er Paraguays Kapazität für internationale Großveranstaltungen und seine strategische Lage als “Herz Südamerikas“ und regionaler Knotenpunkt.

Wandel in der Entwicklungszusammenarbeit

Bezüglich der bilateralen Zusammenarbeit erklärte Herrera, dass sich die traditionelle deutsche Unterstützung aufgrund des wirtschaftlichen Wachstums Paraguays in einer Übergangsphase befinde. Dennoch bleiben Projekte über Institutionen wie die GIZ (Deutsche Gesellschaft für Internationale Zusammenarbeit), die Förderbank KfW sowie Botschafts-Initiativen aktiv.

Ein besonderer Fokus liegt auf sogenannten Mikroprojekten mit einer Förderung von bis zu 20.000 US-Dollar. Diese werden in verschiedenen Regionen umgesetzt, etwa in indigenen Gemeinschaften im Chaco, wo Trinkwassersysteme installiert oder ländliche Bildungseinrichtungen unterstützt werden. „Für uns mag es ein kleines Projekt sein, aber für die Menschen vor Ort macht es einen riesigen Unterschied“, betonte er.

Abschließend unterstrich Herrera, dass das Ziel der diplomatischen Mission sei, Paraguay in Deutschland bekannter zu machen und deutsche Unternehmen zu ermutigen, die Chancen im paraguayischen Produktions- und Exportsektor zu erkunden.

Wochenblatt / IP Paraguay

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