Asunción: Die Leute werden extrem “einfallsreich“, wenn es darum geht, sich vor der Arbeit zu drücken – besonders montags, wenn der Körper schwerer wiegt als das Gewissen.
Zu Schulzeiten hat man vor Freude Luftsprünge gemacht, wenn es regnete, weil man dann zu Hause bleiben konnte. Aber heute gibt es das nicht mehr, wenn Rechnungen bezahlt und Pflichten erfüllt werden müssen. Trotzdem spielt so mancher den “Schlauen“, schwänzt die Arbeit und stellt sich krank.
Und genau hier kommen die berüchtigten gefälschten Atteste ins Spiel. In manchen Fällen tauchen diese verdächtigerweise bis zu einmal pro Woche auf, unterzeichnet immer vom selben befreundeten Arzt. Diese Situation lässt bereits die Alarmglocken schrillen.
Laut dem Arbeitsmarktexperten Enrique López Arce besteht der Verdacht, dass “30 % der Krankmeldungen aus Gefälligkeit und nicht wegen einer echten Krankheit ausgestellt werden. Der Anstieg von Betrug bei ärztlichen Attesten in dieser Generation ist besorgniserregend; 3 von 10 Krankschreibungen stehen in Paraguay unter Beobachtung“, sagte er.
Der Experte fügte hinzu, dass viele Atteste “vom selben Arzt ausgestellt werden, wobei oft eine politische Verwandtschaft oder Freundschaft festgestellt wird. Es besteht zudem der Verdacht des Verkaufs von Attesten.“
Doch wie man so schön sagt: Die Sonne lässt sich nicht mit einem Finger verdecken. Oft sind es die eigenen Kollegen – die klassischen “Petzen“ –, die den Schwindel auffliegen lassen.
„Häufig entdecken die Kollegen selbst den Betrug. Es gibt Fälle, in denen Leute in den sozialen Netzwerken posten, dass sie gerade feiern, und am nächsten Tag eine Krankmeldung einreichen“, erzählte Arce weiter.
Was die Unternehmen betrifft, ziehen einige bereits einen klaren Schlussstrich: Manche Firmen entscheiden sich für Artikel 91 des Arbeitsgesetzbuches – “Kündigung ohne Angabe von Gründen“ –, wenn sie solche Unregelmäßigkeiten entdecken. Es wird alles ausgezahlt und das Problem ist erledigt. Andernfalls müsste ein langwieriges Disziplinarverfahren eingeleitet werden.
Und Vorsicht: Nicht nur der Angestellte bekommt Probleme. „Was den Arzt betrifft, der die Atteste ausstellt, gab es Gespräche mit dem Verband der Privatkrankenhäuser. Diese führen Kontrollen durch, aber dafür muss das Unternehmen Anzeige erstatten, wenn immer derselbe Arzt die Krankschreibungen ausstellt,“ betonte Arce. Die vorliegenden Daten basieren tatsächlich auf Beschwerden von Unternehmen.
Abschließend erklärte Arce, dass dies kein rein lokales Problem sei: „Das Phänomen ist weltweit bekannt, aber in Paraguay wird es mittlerweile übertrieben.“
Wochenblatt / Cronica















