Feria Palmear: Ein buntes Großereignis in Asunción

Asunción: Es gibt Tage, an denen sich eine Stadt nicht mehr erklären lässt, sondern einfach alles passiert. Am gestrigen Samstag, den 18., war die Calle Palma genau das: ein urbaner Laufsteg ohne Regeln, auf dem Kultur, Stil und Identität ohne vorherige Choreografie, aber in perfekter Synchronität defilierten. Die Feria Palmear war zurück, um erneut den Takt für die Wochenenden im Herzen von Asunción vorzugeben. Zahlreich besucht, pulsierend, absolut lebendig.

Denn Palmear ist längst nicht mehr nur eine Messe. Es ist jener Moment, in dem Asunción beschließt, sich selbst mit anderen Augen zu betrachten: freier, neugieriger, offener für das Spiel. Und in diesem Blick zählt alles: das improvisierte, aber durchdachte Outfit – in diesem Fall (teilweise) traditionelle japanische Kimonos –, das Tereré in der Hand, das Handy bereit, um das Vergängliche einzufangen.

Die diesjährige Ausgabe, die Japan gewidmet war, hob das Konzept, das wir aus früheren Ausgaben kennen, auf eine neue Ebene. Es ging nicht nur um eine Thematik: Es war eine Atmosphäre. Ein unsichtbarer Faden, der Klänge, Bewegungen und Geschmäcker verband. Die Trommeln von Japan Bunka Taiko gaben den Rhythmus vor, mit einer Kraft, die man eher im Brustkorb spürt als in den Ohren. Dann verwandelte die fast rituelle Sanftheit des Bon Odori, angeleitet von der Vereinigung japanischer Damen, die Straße in einen Raum geteilter Erinnerungen. Und als die Gruppe Kosei Paraguay mit dem Yosakoi-Tanz aufbrach, schien die Zeit zu verschmelzen: Tradition und Moderne tanzten zusammen, ohne Konflikte.

Doch das Interessanteste an Palmear findet abseits der Bühne statt – oder besser gesagt, auf allen gleichzeitig entstehenden Bühnen ohne Vorwarnung. Bei der Gruppe von Freundinnen, die den Gehweg zum Backstage-Bereich macht, bei dem Paar, das stehen bleibt, um etwas Neues zu probieren, bei dem Kind, das fasziniert zuschaut, ohne alles zu verstehen, aber alles zu fühlen. Die Gastronomie war natürlich ein wesentlicher Teil der Erzählung: japanische Angebote, unerwartete Fusionen und das Vergnügen, im Gehen zu essen – ohne Etiketten, ohne Förmlichkeiten. Essen ist auch Kultur, und hier wurde es genau so gelebt.

Als der Abend hereinbrach, veränderte sich das Licht und damit auch die Energie. Das Nationale Folklore-Ballett brachte den Flaschentanz – makellos, fast wie eine Erinnerung daran, dass auch unsere Kultur ihre eigene Sprache der Eleganz besitzt. Die städtische Blasmusik- und Folklore-Ballettgruppe sowie Purahéi Soul lieferten einen hybriden Sound, der eine Generation definiert, die sich nicht zwischen Vergangenheit und Gegenwart entscheiden will. Alles existiert nebeneinander, alles tritt in einen Dialog.

Und als die Nacht vollends Einzug gehalten hatte, pulsierte die Calle Palma weiter. Ohne Eile, ohne Pause. Tausende Menschen gingen, besetzten den Raum, gaben ihm neue Bedeutung. Nicht als Zuschauer, sondern als Protagonisten. Denn das ist Palmear: eine Einladung, die Stadt auf eine andere Art und Weise zu bewohnen.

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Bis zum Redaktionsschluss löste sich die Szenerie nicht auf. Sie war immer noch da, als ob niemand ganz gehen wollte. Und vielleicht ist das der Schlüssel: Palmear endet nicht, wenn die Shows vorbei sind, sondern erst dann, wenn die Stadt wieder zu ihrem gewohnten Rhythmus zurückkehrt… mit etwas, das sich verändert hat.

Wochenblatt / Bild: Wochenblatt

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