Jagd auf den Pombero: Was steckt wirklich hinter dem TikTok-Phänomen aus der Bananenplantage?

Caaguazú: Aus der “Hauptstadt der Banane“ in Paraguay erobert eine mystysische Gestalt die Social-Media-Welt: Der Pombero ist durch eine Reihe von TikTok-Transmisionen unter dem Titel “Live Paranormal“ viral gegangen.

Die Streams beginnen kurz vor Mitternacht und sorgen in den frühen Morgenstunden für Gänsehaut im Netz. Atilio, Ángel und Largo sind die Hauptakteure dieser nächtlichen Erkundungstouren durch das Unterholz, die bereits im vergangenen Juli Einzug in die lokalen Fernsehnachrichten hielten und in Internetforen für Gesprächsstoff sorgten.

“Che mo py’a pirimbaite“ (Das jagt mir eine Riesenangst ei), ruft einer von ihnen auf Guaraní beim ersten Schrecken. Auf dem TikTok-Kanal von Largo (@manuchopy) finden sich die fünf meistgesehenen Zusammenschnitte dieser nächtlichen Ausflüge, die zusammen bereits über sechs Millionen Aufrufe verzeichnen. Allein das Video vom 22. Juli überschritt die Marke von 1,5 Millionen Klicks. Obwohl der Content-Creator seit einem Jahr ähnliche Videos aus anderen Wäldern veröffentlicht, entwickelte sich die Bananenplantage, in der die drei Freunde tagsüber arbeiten, zu einer besonderen Kulisse für den legendären “Herrn der Nacht“.

Um dem Phänomen auf den Grund zu gehen, reiste der paraguayische Creator The Samu (der bereits 2024 einen Kurzfilm über den Pombero gedreht hatte) im vergangenen August zusammen mit zwei Freunden in den Distrikt Tembiaporã im Departement Caaguazú – und nicht nach Guairá, wie einige Medien fälschlicherweise berichteten. Vor Ort traf er sich mit Largo, Atilio und Ángel. Das Ergebnis der Recherche ist eine halbstündige Dokumentation auf YouTube.

Persönliche Berichte über mysteriöse oder scheinbar übersinnliche Erlebnisse gehören im ländlichen Raum Paraguays zum Alltag. Die Sage des Pombero beschränkt sich dabei nicht nur auf Paraguay, sondern ist im gesamten guaranisch geprägten Kulturraum verbreitet – von Nordost-Argentinien (Corrientes, Misiones, Chaco und Formosa) über den Süden Brasiliens (wo er als Pombinho oder Pai do Mato bekannt ist) bis nach Uruguay.

In Zeiten von Full-HD-Kameras und künstlicher Intelligenz fragen sich jedoch viele Netznutzer, warum eine solch sagenumwobene Figur bisher nicht glasklar aufgenagelt werden konnte – ähnlich wie bei historischen UFO-Sichtungen. In ihrem neuesten Video machten die Freunde aus Tembiaporã Jagd auf eine seltsame Gestalt, die sich ihnen näherte, und ließen am Ende offen, ob sie weiterhin gemeinsam in die Plantage gehen werden.

Von Klassikern wie “Blair Witch Project“ (1999) bis hin zur paraguayischen Kinoproduktion “No entres“ (2024), in der sich YouTuber in eine verlassene Villa in San Bernardino wagen: Nun ist der Pombero an der Reihe, von der jüngeren Generation neu entdeckt zu werden. Ob Inszenierung oder Realität – Tausende Zuschauer lassen sich mitten in der Nacht auf die Streams ein, blicken virtuell in das dunkle paraguayische Dickicht und teilen das Gruseln in Echtzeit.

@manuchopy El terror de la noche #paraguay #terror #pomberito #contenido #paranormal ♬ sonido original – 👣🕵️LARGO.PY 👷‍♂️🤪💋🐒

Wochenblatt / La Nación / YouTube / TikTok

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