Itacurubí: Inmitten des Vergessens und der modernen Hektik überlebt in Paraguay eine winzige Wächterin der Natur: Die Jate’i (Tetragonisca angustula). Sie gehört zu den wenigen heimischen stachellosen Bienenarten, die in der Region noch zu finden sind. Während einst hunderte Spezies die Wälder bevölkerten, sind viele durch Abholzung und Pestizide verdrängt worden.
Urbano Palacios, Direktor des Zentrums für Heilmittelressourcen in Itacurubí de la Cordillera, hat es sich zur Aufgabe gemacht, dieses Erbe zu bewahren. „Wir schützen in unserem Experimentierzentrum vier Arten, doch die Jate’i ist eine ganz besondere“, erklärte er. Der Grund für ihre Berühmtheit ist ihr “flüssiges Gold“, eine Honigsorte, die in der Volksmedizin als wahres Wunderheilmittel gilt.
Ein Tropfen Natur für die Augen
Die Jate’i ist eine fleißige, aber langsame Produzentin. Ein ganzes Bienenvolk erwirtschaftet gerade einmal einen halben Liter Honig pro Jahr. Dieser Seltenheitswert macht das Produkt zu einem kostbaren Naturschatz. Traditionell wird dieser Honig zur Vorbeugung und Behandlung von Augenleiden wie Grauem Star (Katarakt), Glaukom und anderen Entzündungen eingesetzt.
Das Geheimnis liegt in der Nahrung der Bienen: Sie sammeln Nektar von Pflanzen wie der Santa Lucía oder Basilikum – Gewächse, die in der Naturheilkunde seit jeher für ihre positive Wirkung auf die Sehkraft bekannt sind. So konzentriert die kleine Biene die Heilkraft der Flora in ihrer winzigen Vorratskammer.
Heilung als Ritual
Die Anwendung des Honigs ist laut Palacios kein Vorgang, den man zwischen Tür und Angel erledigt. „Sich den Honig in die Augen zu geben, gleicht fast einer Zeremonie. Man muss sich setzen, entspannen und den Vorgang mit Respekt vor der Natur durchführen“, betont er. In einer Zeit, in der unsere Augen durch die ständige Nutzung von Bildschirmen – besonders seit der Pandemie – extrem beansprucht werden, bietet dieser Honig eine natürliche Nährstoffquelle.
Während wir unsere Körper oft pflegen, vernachlässigen wir die “Ernährung“ unserer Augen. Der Jate’i-Honig wird im Zentrum in Itacurubí in kleinen Tropfflaschen für 120.000 Guaranies angeboten – ein stolzer Preis, der jedoch die mühsame Ernte und die hohe Wirkstoffkonzentration widerspiegelt.
Wochenblatt / Cronica















