Asunción/London: Das Bild des “sicheren Europas“ bekommt zu Beginn des Jahres 2026 deutliche Risse. In einer überraschenden Aktualisierung hat das britische Außenministerium (FCDO) nicht nur die Schweiz, sondern auch beliebte Reiseziele wie Deutschland, Italien, Kroatien und Portugal mit dringenden Warnhinweisen versehen.
Für die paraguayische Reisebranche und Touristen, die den Atlantik überqueren, verschiebt sich damit die Wahrnehmung von Sicherheit und Risiko grundlegend.
Europa im Fadenkreuz: Die neuen Risikozonen
Bisher galt eine Reise nach Berlin, Rom oder Zürich für viele Paraguayer als Urlaub in einer “Sicherheitsblase“. Doch die britischen Behörden zeichnen nun ein anderes Bild. Die Warnung umfasst eine ganze Reihe europäischer Kernländer:
-Deutschland und Italien: Hier wird vor allem vor einer weltweit erhöhten Terrorgefahr gewarnt, die sich gegen westliche Interessen richtet.
-Kroatien und Portugal: Neben Sicherheitsbedenken rücken hier verstärkt organisierte Kleinkriminalität und neue bürokratische Hürden in den Fokus.
-Die Schweiz: Als jüngster Neuzugang auf der Liste überrascht die Eidgenossenschaft durch einen massiven Anstieg von Diebstählen in touristischen Zentren.
Der Vergleich: Ist Paraguay im Verhältnis sicherer geworden?
Für jemanden, der in Asunción lebt, klingen Warnungen vor “Taschendieben in Zürich“ oder “erhöhter Wachsamkeit in deutschen Zügen“ fast vertraut. Der entscheidende Unterschied liegt jedoch in der Dynamik: Während Paraguay seit Jahren massiv in die Sichtbarkeit der Polizei (wie die Grupo Lince) investiert, um das Sicherheitsgefühl zu stärken, scheint in den europäischen Metropolen die Kontrolle schleichend abzunehmen.
Die britische Regierung weist explizit darauf hin, dass in Städten wie Genf, Rom oder Berlin die Gefahr, Opfer von Kleinkriminalität zu werden, signifikant gestiegen ist. Für paraguayische Reisende bedeutet dies ein Paradoxon: Die Vorsichtsmaßnahmen, die man zu Hause in Vierteln wie Sajonia oder in der Nähe des Mercado 4 anwendet – wie das Handy nicht offen liegen zu lassen oder den Rucksack vorne zu tragen –, sind nun auch am Frankfurter Hauptbahnhof oder am Kolosseum in Rom überlebenswichtig.
Die “Risk Map“ 2026: Ein neues globales Gleichgewicht
Die aktuelle Weltkarte des Risikos zeigt, dass die Grenzen zwischen “sicheren“ Erstweltländern und “riskanten“ Schwellenländern verschwimmen. Faktoren wie politische Instabilität und eine Überlastung der Infrastruktur werden in Europa zunehmend zum Thema.
In Paraguay bleibt das Risiko zwar aufgrund der organisierten Kriminalität in Grenzregionen wie Pedro Juan Caballero bestehen, doch die “alltägliche“ Sicherheit für Touristen in den städtischen Zentren Paraguays wird im Vergleich zu den nun herabgestuften europäischen Ländern oft unterschätzt. Die Schweiz und Deutschland kämpfen heute mit Problemen, die man dort vor zehn Jahren noch für undenkbar gehalten hätte.
Verhaltenstipps für die nächste Europa-Reise
Wer von Paraguay aus eine Reise nach Europa plant, sollte die Warnungen ernst nehmen, ohne in Panik zu verfallen:
-Wachsamkeit wie zu Hause: Behandeln Sie europäische Bahnhöfe mit der gleichen Skepsis wie einen belebten Busbahnhof in Südamerika.
-Dokumenten-Check: Aufgrund verschärfter Einreisebestimmungen in Deutschland und der Schweiz sollten Paraguayer sicherstellen, dass alle digitalen Voranmeldungen (wie ETIAS) korrekt ausgefüllt sind.
-Wertsachen: Nutzen Sie Brustbeutel oder versteckte Taschen – die Zeiten, in denen man in Portugal oder Italien sorglos die Geldbörse in der Gesäßtasche tragen konnte, sind laut FCDO vorbei.
Fazit
Die Herabstufung der Schweiz, Deutschlands und Italiens ist ein diplomatisches Beben. Für Paraguay ist es eine Erinnerung daran, dass Sicherheit ein flüchtiges Gut ist. Während das „alte Europa“ mit neuen Bedrohungen ringt, könnte Paraguay durch Beständigkeit und gezielte Sicherheitsreformen in der Gunst internationaler Reisender sogar steigen.
Wochenblatt / Risk Map















