Asunción: Es ist ein Déjà-vu, das bittere Spuren hinterlässt: Am morgigen Dienstag und Mittwoch bleiben die Schultüren in vielen Teilen Paraguays mal wieder verschlossen. Während Gewerkschaftsführer wie Rafael Resquín über versäumte Zinsberechnungen aus dem Jahr 2013 und die mathematische Zukunft der Pensionskassen dozieren, findet die wichtigste Rechnung der Nation nicht statt: die Summe der verlorenen Unterrichtsstunden.
Die Schule als Dauerbaustelle der Nation
Dass die Reform der Pensionskasse für Staatsbedienstete ein komplexes und hochemotionales Thema ist, steht außer Frage. Dass Lehrer für ihre soziale Absicherung kämpfen, ist ihr gutes Recht. Doch die Art und Weise, wie dieser Kampf geführt wird, offenbart eine erschreckende Prioritätensetzung. In einem Land, in dem die Bildungsqualität ohnehin seit Jahren am Boden liegt, wird das Klassenzimmer erneut zur Verhandlungsmasse degradiert.
Jeder Tag, an dem gestreikt wird, ist ein Tag, an dem die Bildungsschere weiter auseinandergeht. Während Kinder in Privatschulen ungestört weiterlernen, verlieren die Schüler im öffentlichen Sektor den Anschluss. Es ist eine Ironie der Geschichte: Man kämpft für eine “soziale Perspektive“ bei den Renten, ignoriert dabei aber die soziale Katastrophe, die durch den Unterrichtsausfall bei der nächsten Generation entsteht.
Zahlen gegen Zukunft
Resquín wirft der Exekutive vor, sich nur auf “reine Zahlen“ zu verlassen. Doch seine eigenen Argumente bestehen ebenfalls fast nur aus fiktiven Milliardenbeträgen, die man hätte haben können, wenn vor über zehn Jahren andere Entscheidungen getroffen worden wären. Diese Vergangenheitsbewältigung mag finanzpolitisch relevant sein, sie rechtfertigt es jedoch nicht, die Gegenwart der Kinder zu opfern.
Die Bildung in Paraguay braucht keine leeren Stühle, sondern Kontinuität. Das Vertrauen der Eltern in das öffentliche Schulsystem wird durch diese ständigen Mobilisierungen systematisch untergraben. Wenn die “Evaluierung der Reform“ noch läuft – wie im Artikel erwähnt –, warum wird dann bereits jetzt gestreikt? Ein Streik sollte das letzte Mittel sein, nicht ein taktisches Instrument in einer laufenden Debatte.
Fazit: Wer zahlt die Zeche?
Die Lehrerverbände riskieren, den Rückhalt in der Gesellschaft zu verlieren. Solidarität ist keine Einbahnstraße. Wer für seine Rechte auf die Straße geht, muss auch seine Pflichten gegenüber der Zukunft des Landes ernst nehmen. Momentan sieht es jedoch so aus, als ob die Erwachsenen über Geld streiten, während die Kinder die Zeche in Form von Bildungslücken zahlen.
Wenn die Schule mal wieder ausfällt, ist das kein Zeichen von Stärke, sondern ein Armutszeugnis für ein System, das seine Kinder am Ende der Nahrungskette platziert hat.
Wochenblatt / X / Beitragsbild Archiv















