Totale Spaltung bei Honor Colorado: Cartes streicht Alliana vom Stimmzettel, doch der Vizepräsident will sich seinen Platz erkämpfen

Asunción: Bis Sonntagmittag stand Vizepräsident Pedro Alliana, der gerade aus Israel zurückgekehrt war, noch über WhatsApp im Kontakt mit Horacio Cartes. Nur 48 Stunden später informierte Präsident Santiago Peña seine Nummer zwei darüber, dass er auf Entscheidung des ehemaligen Staatschefs hin nicht mehr dem Präsidentschaftsgespann der Bewegung Honor Colorado angehören werde. Alliana fiel in Ungnade.

Dieses politische Erdbeben innerhalb der Regierungspartei hatte sich bereits seit dem ersten Zusammenstoß angedeutet, der sich Wochen vor den Kommunalwahlen ereignet hatte. Jene erste Spaltung, die nach einer hitzigen Diskussion zwischen Cartes und Alliana offen zutage trat, ließ den Gedanken an einen „Peñismus“ wieder aufleben, der von den Gouverneuren und einer Gruppe von Abgeordneten gestützt wird.

Streng genommen warnte die Parteibasis der Colorados bereits vor ungewöhnlichen Bewegungen innerhalb der politischen Führung. Dort wurde bereits eine alternative Formel erwogen, die entweder den Wohnungsbauminister Juan Carlos Baruja vorsah oder eine eventuelle Einigung mit dem Dissidenten Arnoldo Wiens.

„Ich fühle mich immer noch als Teil der Bewegung, mir wurde nichts Offizielles mitgeteilt. Santi hat mit mir über das Gespräch und die Entscheidung von Cartes gesprochen, und ich bin jetzt auf dem Weg, um zu erfahren, was passiert ist“, räumte Alliana ein, der kalt von der Nachricht überrascht worden war. Der Vizepräsident sprach mit mehreren Radiosendern, bevor er sich zu einem Dringlichkeitstreffen mit Cartes in die Avenida España N° 801 begab.

Der nun verdrängte Präsidentschaftskandidat des Cartismus bestätigte, dass der als sein Nachfolger gewählte Name Baruja sei – auf direkte Entscheidung von Cartes, der ihn schon immer auf dem Stimmzettel sehen wollte, wenn auch bis heute als Partner des Politikers aus Pilar.

Mitte September wurde bereits berichtet, dass das Verhältnis zwischen dem Anführer der Republikaner und der Regierung zerrüttet sei. Der Unmut des Vizepräsidenten entfachte sich nicht nur an einer mehr als halbstündigen Standpauke, bei der Cartes den Präsidenten und seine Nummer zwei angeblich als „Verräter“ und „Diebe“ bezeichnet hatte, sondern auch an dessen Beharren darauf, Baruja für das Gespann durchzusetzen.

„Ich bin eine öffentliche Verpflichtung mit dieser Kandidatur eingegangen und habe keinerlei Absicht, sie zu brechen. Ich werde mich immer für die Einheit innerhalb der Familie der Bewegung einsetzen.“

Am gestrigen Dienstag gab Alliana zu, über die Art und Weise, wie Cartes vorgegangen sei, verletzt zu sein, da seine Kandidatur auf einer Versammlung der Bewegung öffentlich bekannt gegeben worden war. Dennoch versicherte der Politiker aus Ñeembucú, dass er nicht zurücktreten und, falls nötig, außerhalb von Honor Colorado antreten werde.

„Ich bin eine öffentliche Verpflichtung mit dieser Kandidatur eingegangen und habe keinerlei Absicht, sie zu brechen. Ich werde mich immer für die Einheit innerhalb der Familie der Bewegung einsetzen“, betonte der Vizepräsident, der nach 14 Jahren an der Seite von Cartes aus dem Gespann von Honor Colorado fliegt.

Aus dem engsten Führungszirkel werden Gespräche mit den Strömungen der Dissidenz nicht ausgeschlossen, um eine Formel zu erkunden, die eine Vereinigung der Partido Colorado mit Blick auf 2028 ermöglicht. Luis Pettengill, Präsidentschaftskandidat von Fuerza Republicana, geht weiterhin seinen eigenen Weg und pflegt enge Beziehungen zu einigen Gouverneuren.

Zudem wurde der Versuch einer Annäherung zwischen dem Umfeld von Cartes und Arnoldo Wiens bekannt. Das Umfeld von Mario Abdo Benítez lehnt jedoch jeglichen Dialog mit seinem Vorgänger bislang weiterhin ab. Der Anführer von Honor Colorado könnte ein rein cartistisches Gespann mit Baruja an der Spitze und Senator Gustavo Leite als seinem Partner ankündigen. Leite könnte sein Vize sein.

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