Vom Lockdown zum Kult-Laden: Die Erfolgsgeschichte von Paraguays bestem Plattenladen

Asunción: Das fluoreszierende Licht des Einkaufszentrums Villa Morra in der Hauptstadt von Paraguay strahlt seinen gewohnt sterilen Glanz aus, doch wer durch die Glastüren von La Última Disco tritt, spürt sofort eine Veränderung.

Die Luft scheint vor Möglichkeiten zu vibrieren, während Reihen von Vinyl-Schallplatten das warme Scheinwerferlicht einfangen und ihre Cover Geschichten aus vergangenen Jahrzehnten erzählen.

Ein Teenager lässt seine Finger über die Rücken von Metal-Alben gleiten, während sein Vater zum Bereich für Classic Rock tendiert. In einer Ecke drückt eine ältere Dame eine Kassettenhülle an ihre Brust, ihre Augen glänzen. „Das ist der schönste Teil unserer Arbeit“, sagt Guadalupe Quiroga, während sie die Szene hinter dem Tresen beobachtet. „Egal, ob sie etwas kaufen oder nicht, die Menschen gehen glücklich nach Hause wegen dem, was sie hier gefunden haben“, fügte sie an.

Wenn aus der Krise Kreativität entsteht

Als die Pandemie im Jahr 2020 einschlug, mussten Quiroga, ihre Mutter María und deren Partner Gabriel Outeyral mitansehen, wie ihr Event-Unternehmen zum Stillstand kam. Die argentinische Familie hatte sich in fast 15 Jahren ein Leben in Paraguay aufgebaut, stand aber plötzlich ohne Arbeit da. „Es geschah, ohne dass wir es wirklich geplant hatten“, erinnert sie sich und erklärte weiter: „Wir sagten uns: Wir werden einen Plattenladen eröffnen.“

Der Lockdown in Paraguay weckte etwas Unerwartetes. Die Menschen begannen, vergessene Schätze in ihren Häusern wiederzuentdecken und verstaubte Vinyl-Sammlungen hervorzuholen. Die Welt der Sammler kam in Bewegung. Die Familie Quiroga begann mit dem Handel aus ihrer persönlichen Sammlung und nutzte ihr riesiges Netzwerk aus DJs, Musikern und Clubbesitzern in ganz Lateinamerika. Ehemalige Radiosender und alte Bars hatten Kisten voller Vinyl in Lagerräumen stehen – Platten, die die Quirogas nun vermarkten konnten.

Mehr als nur Musik

Was als verzweifelter Handel mit Schallplatten begann, hat sich zu einer Art Kulturinstitution entwickelt. Heute pulsiert La Última Disco vor eklektischer Energie: Originalaufnahmen von Luis Alberto del Paraná stehen neben modernen Metal-Veröffentlichungen; Kassetten teilen sich den Platz mit Band-T-Shirts, Konzertplakaten und glänzenden Plattenspielern.

„Wir wollten einen einladenden Ort schaffen. Wir möchten nicht, dass die Leute nur kommen, um zu kaufen, sondern dass sie wirklich eintreten und verweilen,“ erklärte Quiroga weiter. Kunden verbringen regelmäßig bis zu drei Stunden mit dem Stöbern, ohne etwas zu kaufen, und behandeln den Laden wie eine Bibliothek der musikalischen Erinnerungen.

Die Rückkehr des Rituals

„Vinyl zu hören ist ein Ritual. Man legt eine Platte nicht als Hintergrundmusik auf, wie man es bei Spotify tut. Wenn man sich für Vinyl entscheidet, geht man an seinen Platz, setzt sich hin, nimmt die Platte aus der Hülle und liest die Texte. Man taucht viel tiefer in das ein, was sie einem erzählt“, fügte sie an.

Diese Ehrfurcht vor dem physischen Erlebnis durchdringt jede Ecke des Ladens. Junge Leute, die nie zuvor Vinyl besessen haben, bitten ihre Eltern um Plattenspieler. Ältere Kunden holen sich durch wiederentdeckte Soundtracks ihre Jugend zurück. Heute versendet der Laden seine Schätze landesweit in alle Bereiche Paraguays und unterstützt lokale Metal-Bands, während er gleichzeitig internationale Klänge einführt.

Wochenblatt / Asunción Times

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