Wo die Rente noch sicher ist: Neuer globaler Index zeigt Schwächen lateinamerikanischer Vorsorgesysteme

Asunción: Wo lebt es sich im Ruhestand finanziell und qualitativ am besten? Der aktuelle Global Retirement Index 2026 der Investmentbank Natixis hat 44 Volkswirtschaften weltweit anhand von 18 Indikatoren analysiert.

Das Ergebnis fällt eindeutig aus: Die europäischen Länder dominieren die Spitzenplätze, während lateinamerikanische Staaten weit abgeschlagen im unteren Drittel rangieren. Norwegen belegt mit einer Bewertung von 83 % den ersten Platz, gefolgt von Irland (81 %). Chile ist der bestplatzierte Vertreter Lateinamerikas – landet jedoch erst auf Rang 37.

Gesundheit, Einkommen und Lebensqualität im Blick

Die Studie bewertet weit mehr als nur die reine Höhe der Altersbezüge. Natixis unterteilt die Analyse in vier Kernbereiche: Finanzen im Ruhestand, Gesundheit, materieller Wohlstand und Lebensqualität.

Nach Norwegen und Irland folgen die Niederlande und die Schweiz (jeweils 79 %), Dänemark (78 %) und Australien (77 %). In Lateinamerika führt Chile das Feld mit 52 % auf Platz 37 an, knapp gefolgt von Mexiko (49 %, Platz 38). Brasilien (42 %, Platz 41) und Kolumbien (35 %, Platz 43) bilden zusammen mit Indien (9 %) das Schlusslicht der Untersuchung.

Blick auf Paraguay: Keine Aufnahmen im Ranking, aber strukturelle Herausforderungen

Paraguay gehört – wie auch viele andere Staaten der Region – nicht zu den 44 im Index untersuchten Volkswirtschaften. Dennoch spiegeln die Ergebnisse der Studie Kernthemen wider, die auch in Paraguay intensiv diskutiert werden.

Während Chile etwa im Finanzbereich des Ruhestands solide Werte erreicht, kämpft der paraguayische Arbeitsmarkt weiterhin mit einer hohen Informellerate: Ein Großteil der Erwerbstätigen zahlt nicht in das Rentensystem der Sozialversicherungsanstalt (IPS) oder private Pensionskassen ein. Zudem sorgt die fortschreitende Alterung der Bevölkerung auch in Paraguay für wachsenden Druck auf die Renten- und Gesundheitssysteme, deren Reformbedarf von Experten seit Jahren hervorgehoben wird.

Inflation und Lebenshaltungskosten belasten die Vorsorge

Global zeigen sich künftige Rentner besorgt. Laut der Befragung befürchten 68 % der Anleger, dass die Inflation den Wert ihrer Ersparnisse auffrisst. Zudem geben 66 % an, aufgrund steigender Alltagsausgaben weniger sparen zu können. 72 % befürchten negative Auswirkungen der hohen Staatsverschuldung auf künftige Rentenleistungen, und 43 % halten einen finanziell abgesicherten Ruhestand für nur schwer erreichbar.

Demografischer Wandel erfasst auch Lateinamerika

Zahlen der Vereinten Nationen belegen den raschen demografischen Wandel: Im Jahr 2026 sind 10,5 % der Bevölkerung Lateinamerikas 65 Jahre oder älter. Die Wirtschaftskommission für Lateinamerika und die Karibik (CEPAL) warnt, dass diese Entwicklung das Verhältnis zwischen Beitragszahlern und Leistungsempfängern nachhaltig verändert und dringenden Handlungsbedarf bei Gesundheitssystemen und Pflegeinfrastrukturen schafft.

Wochenblatt / Ratio / Beitragsbild Archiv

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