90 Jahre Kolonie Sudetia

Paso Yobai: Ein großes Fest steht an, denn die Kolonie Sudetia im Departement Guairá feiert ihr 90-jähriges Bestehen. Sie wurde von sudetendeutschen Auswanderern aus der damaligen Tschechoslowakei (CSSR) 1933 gegründet.

Am 1. Oktober 1933 war es soweit. Die Kolonie Sudetia wurde von Einwanderern aus den sogenannten Böhmischen Ländern, Böhmen, Mähren und Sudetenschlesiern gegründet.

Der Anfang war hart, vor allem weil die Kolonisten keine Landwirte waren. In der fernen Heimat übten sie verschiedene andere Berufe, wie Handwerker, Händler oder weitere, aus. Deshalb fiel das Brunnenschlagen, der Häuserbau oder das Vorbereiten von Ackerflächen vielen schwer und sie gingen nach Buenos Aires, um dort ihr Glück als Arbeitnehmer oder Unternehmer zu suchen.

Vor 90 Jahren wie auch noch heute prägt der Yerba-Anbau die Region der Kolonie, gefolgt vom Zuckerrohr. Früher wurden noch viele Bienen gezüchtet, um den begehrten Honig zu gewinnen. Das ist heute aber nur noch im geringeren Ausmaß der Fall, ebenso wie der Weinanbau fast gänzlich verschwunden ist.

Mittlerweile ist die Region vor allem durch das Goldfieber bekannt geworden, das kaum mehr zu stoppen ist. Den einen bringt es Wohlstand, ja sogar Reichtum, bei den anderen ruft es Neid hervor. Flüsse, Bäche sogar Brunnen werden bei der Goldgewinnung verseucht, aber der Boom ist nicht zu stoppen. In der Anfangszeit hatten ausländische Unternehmen die Goldförderung in der Hand. Jedoch änderte sich das im Laufe der Jahre, nachdem das Ausmaß dieses Reichtums ersichtlich wurde.

Eine weitere Errungenschaft, die sicherlich die Zukunft der Kolonie prägen wird, ist die neu gebaute Asphaltstraße. Und mehr noch, wenn weiter befestigte Wege, wie geplant entstehen, wird die Reise nach Encarnación oder Santa Rita über die Straße der Integration, initiiert durch Edwin Peter, ein Katzensprung sein. Damit verbunden viele wirtschaftliche Vorteile, für den Bezirk, die Region und die Kolonie Sudetia. Der Bau der Straße wurde mittlerweile zum “nationalen Interesse“ durch den örtlichen Bürgermeister aus Paso Yobai, Oscar Chavez und dem Gouverneur aus Guairá, César Sosa, deklariert.

Von den Einwanderern der Kolonie Sudetia, die am 1. Oktober 1933 gegründet wurde, lebt keiner mehr. Der letzte Zeitzeuge, Hans Stein, war bei der 85-Jahrfeier der Kolonie noch anwesend, ist mittlerweile aber verstorben.

Wie anfangs erwähnt, findet nun am kommenden Sonntag, dem 1. Oktober, genau zum Gründungstag der Kolonie, die 90-Jahrfeier statt.

Um 10:00 Uhr beginnt der Festakt in der Kirche der Kolonie mit einem Festgottesdienst, anschließend wird auf dem Deutschen Sportplatz, der fast gegenüber liegt, weiter gefeiert. Zum Mittagessen gibt es Asado, am Nachmittag verschiedene Aufführungen von Tanz- und Musikgruppen sowie Kaffee und Kuchen.

Wochenblatt

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