“Hier sind wir Menschen“: Ein Einblick in Paraguays friedlichsten Zufluchtsort

Mariano Roque Alonso: “Es gibt hier keine Barrieren. Man muss wissen: Im Cottolengo zu sein bedeutet, ein Stück Himmel zu gewinnen. Diese Natur zu sehen, diesen Ort – man hat das Gefühl, an einem viel besseren Ort zu sein“.

Diese Beschreibung voller Liebe, Frieden und Hoffnung stammt von Rosalino Chávez (Beitragsbild). Er lebt in der Stiftung “Pequeña Obra de la Divina Providencia“ (bekannt als El Pequeño Cottolengo) in Mariano Roque Alonso, die unter der Leitung von Pater Claudio Muñoz steht. Die Einrichtung wurde 1924 vom Heiligen Luis Orione gegründet und widmet sich der Aufgabe, Menschen mit Behinderungen – insbesondere jenen mit geringen finanziellen Mitteln – familiäre Wärme und eine ganzheitliche Betreuung zu bieten.

Der 33-jährige Rosalino kam vor 14 Jahren in das Heim, nachdem er beide Eltern verloren hatte. Er hat das Asperger-Syndrom und ist der wichtigste Moderator bei allen Veranstaltungen der Stiftung. „Ich bin die Stimme des Cottolengo“, sagt er stolz. Mit Leidenschaft präsentiert er Feste und Krippenspiele. Er ist sich bewusst, wie privilegiert er ist: „Hier haben wir Würde, ein schönes Zuhause und warmes Essen, während andere Menschen mit Behinderungen auf der Straße ums Überleben kämpfen, als hätte man ihnen das Leben gestohlen.“

Ein Zuhause mit Geschichte und Zukunft

Das sechs Hektar große Gelände beherbergt derzeit 67 Bewohner (29 Frauen und 38 Männer). Es gibt drei Wohneinheiten: “San José“ und “Jesus Misericordioso“ für die Männer sowie “Madre de Dios“ für die Frauen. Auf dem hinteren Teil des Geländes befindet sich sogar ein kleiner Friedhof für ehemalige Bewohner und Mitarbeiter.

Pater Claudio Muñoz berichtet, dass die Stiftung 1988, im Jahr des Papstbesuchs von Johannes Paul II. in Paraguay, ihre ersten offiziellen Schritte machte. „Wir nehmen vor allem die Ärmsten auf: Waisen oder diejenigen, deren Eltern zu alt sind, um sie zu versorgen. Wir sind eine große Familie.“ Da die Kapazitätsgrenze erreicht ist, kann das Heim derzeit keine weiteren Bewohner aufnehmen. Zum Gelände gehört auch eine inklusive Schule, in der die Bewohner sowie Jugendliche aus der Nachbarschaft in Werkstätten für Recycling, Schreinerei und Kunsthandwerk lernen.

Großer Bedarf an Medikamenten und Windeln

Die finanzielle Lage bleibt eine Herausforderung. Dahiana Villalba aus der Verwaltung erklärt: „Unser Budget liegt bei etwa 200 Millionen Guaranies. Die Hälfte kommt vom Staat, den Rest erwirtschaften wir selbst durch Kampagnen und Feste wie die ’Feria Guasu’ im März oder das ’Karai Octubre’-Essen.“

Die größten Kostenfaktoren sind Medikamente und Hygieneartikel. „Allein für Windeln haben wir einen Bedarf von 550 Stück pro Woche“, so Villalba. Die Stiftung ist daher ständig auf Spenden von Unternehmen und privaten Paten angewiesen, um die Versorgung der Bewohner sicherzustellen.

Wochenblatt / Cronica

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