Tabak, Schnaps und Terror: Die dunkle Seite der paraguayischen Folklore

Asunción: Es gibt Menschen, die behaupten, der Pombéro sei nur ein Mythos – eine alte Geschichte, um Kindern Angst einzujagen. Doch in manchen Häusern, wenn die Nacht hereinbricht und die Stille schwer wird, schwören andere, dass es keine Legende ist. Dass er läuft, dass er beobachtet, dass er in der Dunkelheit atmet. Und dass sein Geruch seine Ankunft ankündigt, noch bevor ein Schatten zu sehen ist.

Die 60-jährige Doña Antonia ist eine dieser Personen. Für sie lebt der “Herr der Nacht“ (Karai Pyharé) nicht in Volksmärchen, sondern in ihrem Garten, zwischen dem Tatakua und ihrem Bananenhain. Mit Angst in den Augen versichert sie, dass er sie seit ihrer Kindheit verfolgt und niemals in Frieden gelassen hat.

„Seit ich ein kleines Kind war, folgt er mir. Jetzt lässt er mich gar nicht mehr in Ruhe. Ich bin schon mehrmals umgezogen, um dieser Präsenz zu entkommen, die mir eine Gänsehaut und kalten Schweiß beschert, aber er kommt immer wieder. Er verfolgt mich, wohin ich auch gehe“, sagt sie mit zittriger Stimme.

„In meinem Haus habe ich einen Tatakua und Bananenpflanzen. Alle sagen mir, dass er sich dort versteckt, aber ich will weder meinen Ofen noch meine Pflanzen zerstören“, erzählte Doña Antonia weiter.

Sie berichtet, dass sie seine Anwesenheit oft gespürt hat: Eine Kälte, die durch den ganzen Körper fährt, eine unerklärliche Gänsehaut, eisiger Schweiß und vor allem ein unerträglicher Geruch – wie nach etwas Verrottetem. „Wenn er nah ist, spürt man es. Man muss ihn nicht sehen; er hat einen unerträglichen Gestank, den ich nicht beschreiben kann“, fügte sie an.

Doch das Erschreckendste sei laut Doña Antonia, dass der Pombéro seine Gestalt wandeln könne: „Mehrmals kam er als schwarze Katze in mein Zimmer, umgeben von Fliegen und mit einem ekelerregenden Geruch. Ich wusste, dass das keine normale Katze war. Ich gab ihm Milch und bat ihn, mir nichts zu tun; er trank alles aus und verschwand.“

Sie lebt mit einem ihrer Söhne zusammen, der sein Zimmer auf demselben Grundstück hat, und behauptet, dass auch er ein Opfer sei. „Er wirft Steine gegen die Tür, das Fenster, aufs Dach. Wir wissen nicht, was wir tun sollen, wir sind verzweifelt“, berichtete die Betroffene weiter.

Die Dame sagt, sie spreche sogar mit ihm und flehe ihn an, sie in Ruhe zu lassen: „Ich habe dir nie etwas versprochen, bitte geh weg“, sagt sie ihm. Jedes Mal, wenn sie das ausspreche, verflüchtige sich die Präsenz, der Gestank verschwinde und die Luft werde wieder leichter.

Sie erinnert sich auch daran, dass einer ihrer Söhne ihn früher auf dem Land von Angesicht zu Angesicht gesehen hat: „Er war schwarz, behaart und hat geraucht.“

Und sie erzählt eine weitere, noch schaurigere Geschichte: „Ein Freund forderte ihn heraus, und dasselbe Wesen sorgte dafür, dass er sich verirrte. Der junge Mann war mit dem Auto auf dem Weg von Yaguarón nach Ñemby, hielt an einer dunklen Stelle an der Schnellstraße Acceso Sur, um auszutreten, und erinnert sich an nichts mehr. Er wachte am nächsten Tag meilenweit entfernt im dichten Gestrüpp auf. Die Feuerwehr fand ihn mitsamt seinem Fahrzeug, ohne dass er wusste, wie er dorthin gekommen war.“

Für viele ist es nur eine Legende. Für Doña Antonia ist es ein Albtraum, der läuft, atmet, Angst verbreitet und niemals geht.

Wochenblatt / Cronica

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