Asunción: Paraguay steht vor der großen Chance, sein Fleisch auf dem Weltmarkt weiter zu positionieren, da in Brasilien ein Produktionsrückgang erwartet wird. Da der Nachbarstaat 80 % seiner Produktion selbst verbraucht, muss dieser Eigenbedarf nun priorisiert werden.
Das regionale Umfeld liefert derzeit positive Signale für paraguayisches Fleisch. Brasilien, der Gigant Südamerikas, prognostiziert für 2026 eine Anpassung der Produktion und Exporte. Grund dafür ist ein neuer Zyklus in der Viehwirtschaft: Die verstärkte Zurückhaltung von Mutterkühen zur Zucht und eine geringere Verfügbarkeit von Schlachtvieh nach Jahren hoher Bestandsliquidation prägen das Bild.
Claudia Bogado, Geschäftsführerin des paraguayischen Verbandes der Fleischproduzenten und -exporteure (Appec), hob hervor: „Die Welt ist in Feierstimmung und verlangt nach mehr paraguayischem Fleisch.“ Sie erklärte, dass der globale Konsum von rotem Protein steigt, was die Nachfrage in die Höhe treibt. Dies verbessere die Verhandlungspositionen – nicht nur für Exporteure, sondern auch für die Produzenten, die ständig um die Rentabilität des Sektors kämpfen.
Chance durch Brasiliens Eigenbedarf
In Brasilien werden 80 % des produzierten Fleisches im Inland konsumiert. Angesichts der sinkenden Produktion wird erwartet, dass Brasilien die Inlandsnachfrage priorisiert. Dadurch werden Marktanteile im Exportgeschäft frei. „Sie werden daran arbeiten müssen, den Eigenverbrauch zu decken, und wir werden sicherlich die Lücken füllen, die sie im Export hinterlassen. Das sollten wir heute als positiv betrachten“, so Bogado.
Exporte im Aufwind, aber Sorgen um den Viehbestand
Der Sektor blickt auf ein sehr erfolgreiches Jahr 2025 zurück, in dem die Fleischexporte mit einem Rekordwert von über 2 Milliarden US-Dollar abschlossen. Dennoch zeigt sich Bogado besorgt über den sinkenden Rinderbestand. Dies liege nicht nur an der Dürre, sondern auch an mangelnder Planungssicherheit.
„Die Menschen wollen derzeit nicht investieren, um den Bestand wieder aufzubauen. Es wird nicht in Mutterkühe reinvestiert, damit sich die Population langsam erholen kann“, fügte sie hinzu. Ohne gezielte Anreize für die Produktion dürfte dieser Abwärtstrend auch im nächsten Jahr anhalten.
Es sei jedoch positiv, dass der öffentliche Sektor Interesse an dieser Problematik zeige. Bogado betonte die Wichtigkeit von Finanzierungsquellen, da die Fleischkette in eine Wachstumsphase eintritt. Die aktuellen Preise befinden sich laut ihrer Aussage in einem Gleichgewicht, man hoffe jedoch auf künftige Steigerungen.
Laut dem letzten Agrarzensus von 2022 verfügt Paraguay über etwa 201.301 landwirtschaftliche Betriebe in der Rinderzucht mit insgesamt rund 13,2 Millionen Tieren.
Wochenblatt / Asunción Times / Beitragsbild Archiv















