Asunción: Während Ärzte in den Operationssälen des Landes bei Handylicht um Menschenleben kämpfen müssen und der Hunger in den Straßen von Asunción immer lauter schreit, zieht die Kirche nun die Reißleine. Mit dem radikalen Aufruf “Gebt ihr ihnen zu essen!“ hat die Sozialpastoral die Fastenaktion 2026 gestartet – ein Frontalangriff auf die herrschende Gleichgültigkeit in einem Land, das zwischen technischem Versagen und menschlicher Not zu zerbrechen droht.
Unter dem Eindruck der jüngsten Katastrophen im Stromnetz und der anhaltenden Armut präsentierte die am vergangenen Aschermittwoch offiziell ihre Kampagne für die kommenden Wochen. Es geht nicht mehr nur um das symbolische Fasten oder das traditionelle Gebet: Kardinal Adalberto Martínez Flores fordert einen radikalen Umbruch. In einer Zeit, in der Krankenhäuser im Dunkeln sitzen und Familien vor dem Nichts stehen, sei „Verzicht auf Fleisch“ eine hohle Geste, wenn man gleichzeitig die Augen vor dem Elend verschließt.
Die Initiative will die liturgische Fastenzeit nutzen, um ein Zeichen gegen die “soziale Kälte“ zu setzen. „Wir müssen auf die Gewalt und die Gleichgültigkeit verzichten, die unseren Alltag bestimmen“, so das Oberhaupt der paraguayischen Kirche. Der Appell richtet sich dabei nicht nur an die Gläubigen, sondern explizit auch an die Behörden und wohlhabende Unternehmen, die Verantwortung für die Schwächsten der Gesellschaft zu übernehmen.
Fasten gegen die Gleichgültigkeit
Das Oberhaupt der paraguayischen Kirche schlägt ein Fasten vor, das über den Verzicht auf Nahrung hinausgeht: Es geht darum, der Gleichgültigkeit und der alltäglichen Gewalt abzuschwören. Ziel ist es, Räume der Geschwisterlichkeit zu schaffen, in denen niemand vom Zugang zu Bildung und würdiger Arbeit ausgeschlossen ist. Die Verteidigung der Würde von Kindern, Jugendlichen und älteren Menschen hat dabei oberste Priorität.
Konkrete Hilfe für Bedürftige
Die Spendensammlung läuft bis zum Karfreitag unter Einbeziehung von Schulen, Universitäten und Unternehmen. Die Mittel fließen in Programme wie das “Hogar de Cristo“, das Obdachlosen Schutz, Nahrung und Kleidung bietet und Menschen mit Suchtproblemen unterstützt.
Im vergangenen Jahr konnte die Organisation mehr als 1.500 Familien mit Lebensmittelpaketen und Medikamenten helfen. Ziel der Kampagne 2026 ist es, Betroffene nicht dauerhaft abhängig zu machen, sondern sie in ihrer persönlichen Entwicklung zu stärken.
Wochenblatt / ABC Color















