Wenn man von einem „Krieg“ spricht, dann ist es der Krieg gegen die Drogenmafia und die Korruption

Asunción: In der aktuellen politischen Lage des Jahres 2026 gibt es keinen unmittelbaren staatlichen Kriegsgegner für Paraguay. Die Region Südamerika ist derzeit stabil, und Paraguay pflegt gute diplomatische Beziehungen zu seinen Nachbarn Brasilien, Argentinien und Bolivien.

Ein klassischer zwischenstaatlicher Krieg ist extrem unwahrscheinlich. Stattdessen konzentriert sich die Sicherheitslage auf innerstaatliche Konflikte und transnationale Bedrohungen.

1. Der „Feind im Inneren“: Bewaffnete Gruppen

Die realistischste militärische Konfrontation findet innerhalb der Landesgrenzen statt.

EPP (Ejército del Pueblo Paraguayo): Diese marxistisch-leninistische Guerillagruppe ist im Norden (Departamentos Concepción und San Pedro) aktiv. Obwohl sie klein ist, führt das paraguayische Militär (FTC – Fuerza de Tarea Conjunta) dort dauerhafte Operationen gegen sie durch.

Transnationale Banden (PCC & Comando Vermelho): Das brasilianische organisierte Verbrechen (insbesondere das Primeiro Comando da Capital) nutzt paraguayisches Territorium als Logistikzentrum für den Drogenhandel. Dies führt häufig zu gewaltsamen Zusammenstößen, die weniger wie ein Krieg, aber wie militärische Operationen in Grenzstädten wie Pedro Juan Caballero wirken.

2. Politische Reibungspunkte

Es gibt zwar keine Kriegsabsichten, aber strategische Spannungen mit Nachbarstaaten:

Brasilien (Itaipú): Die Verhandlungen über den Strompreis und die Bedingungen des Itaipú-Vertrages (Anexo C) sind eine Quelle politischer Spannungen. Paraguay fordert meist höhere Preise für seinen Energieüberschuss, während Brasilien die Kosten niedrig halten will.

Argentinien (Hidrovía): In den letzten Jahren gab es Streitigkeiten über Mautgebühren auf der Wasserstraße Hidrovía Paraná-Paraguay. Dies ist für Paraguay als Binnenland eine existenzielle Frage des Außenhandels, wird aber rein diplomatisch und wirtschaftlich gelöst.

3. Geopolitische Ausrichtung

Paraguay hebt sich durch zwei Faktoren von vielen Nachbarn ab, was es theoretisch zu einem Ziel für diplomatischen Druck (nicht Krieg) macht:

Taiwan-Frage: Paraguay ist das einzige Land in Südamerika, das Taiwan offiziell anerkennt. Dies führt zu einer ständigen Distanz zu China, das im Gegenzug Investitionen und Märkte einschränkt.

Israel-Politik: Unter der aktuellen Regierung Peña hat Paraguay seine Botschaft nach Jerusalem verlegt und zeigt eine sehr pro-israelische Außenpolitik, was gelegentlich zu Spannungen mit linksgerichteten Regierungen in der Region (wie unter Petro in Kolumbien oder zeitweise Lula in Brasilien) führt.

Fazit

Wenn man von einem „Krieg“ spricht, dann ist es in Paraguay der Krieg gegen die Drogenmafia und die Korruption. Ein Angriff durch ein anderes Land ist 2026 politisch und wirtschaftlich (insbesondere durch die Integration im Mercosur) nahezu ausgeschlossen. Paraguay konzentriert sich aktuell eher auf Großprojekte wie den Bioceanic Corridor, um als logistische Drehscheibe zwischen dem Atlantik und dem Pazifik zu fungieren – ein Ziel, das nur in Frieden mit den Nachbarn erreichbar ist.

Wochenblatt / Politico

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