Struktureller Schock? Die Folgen der EU-Soja-Einstufung für Südamerika

Asunción: Die Union der Erzeugerverbände (UGP) hat ihre Besorgnis über eine neue EU-Verordnung geäußert. Diese sieht vor, die Anrechnung von Biokraftstoffen aus Soja bis zum Jahr 2030 schrittweise zu reduzieren, was erhebliche Auswirkungen auf die paraguayischen Exporte nach Europa haben könnte.

Hintergrund ist der Entwurf einer delegierten Verordnung, die Soja weiterhin als Rohstoff mit “hohem Risiko“ in Bezug auf indirekte Landnutzungsänderungen (ILUC – Indirect Land Use Change) einstuft. Damit wird ein schrittweiser Ausstieg aus der Anrechnung von Soja-Biokraftstoffen auf die erneuerbaren Energieziele der Europäischen Union (EU) bis 2030 festgeschrieben.

Der Verband wies darauf hin, dass die EU historisch gesehen ein relevanter Markt für Sojaprodukte aus Argentinien und Paraguay war. Die Unmöglichkeit, Biokraftstoffe auf die europäischen Klimaziele anzurechnen, würde einen strukturellen Schock für den regionalen Sojakomplex bedeuten, gefestigte Handelsströme stören und die für die Produktionsplanung notwendige Vorhersehbarkeit untergraben.

Soziale Folgen für Kleinbauern

Neben methodischen Mängeln und wirtschaftlichen Einbußen betont die UGP auch die sozialen Auswirkungen. Besonders betroffen seien die Einkommen von Kleinbauern, die fest in die Wertschöpfungskette für Biokraftstoffe integriert sind, was die ländliche Entwicklung bremsen könnte.

„Die Energiewende benötigt stabile regulatorische Signale, die langfristige Investitionen fördern“, so der Verband. Solche Änderungen, welche die Marktfähigkeit bereits etablierter Produkte grundlegend verändern, würden Unsicherheit schüren und strategische Investitionsentscheidungen behindern.

Forderung nach technischem Dialog

Sowohl Argentinien als auch Paraguay verfügen über eigene Umweltrahmenbedingungen, Satellitenüberwachungssysteme und Forstgesetze, die stetig weiterentwickelt werden. Daher sei es unerlässlich, einen technischen Dialog zwischen den Regionen zu eröffnen, um die methodischen Annahmen der EU zu überprüfen und aktuelle nationale Daten zu berücksichtigen.

Die Hauptkritik der UGP richtet sich gegen die Methodik zur Bestimmung des Risikoniveaus von Soja. Die EU-Berechnung basiere auf globalen Durchschnittswerten, ohne zwischen Ländern mit Flächenwachstum, Stabilität oder Flächenrückgang zu unterscheiden.

„Argentinien und Paraguay haben ihre Produktivität signifikant gesteigert, ohne die Anbaufläche proportional zu vergrößern. Diese Effizienzsteigerung wurde im EU-Modell nicht angemessen berücksichtigt“, so das abschließende Statement der UGP.

Wochenblatt / La Nación / Beitragsbild Archiv

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