Asunción: Seit 2025 hat die kolumbianische Agentur „Digimarketing SAS“ insgesamt 65 Anzeigen in Paraguay über Google verbreitet. Das öffentliche Archiv des führenden US-Unternehmens für digitale Werbung zeigt, dass von allen durch Digimarketing verbreiteten Anzeigen 48 für eine massive Kampagne der medialen oder informativen Einmischung („schmutzige Kampagne“) im paraguayischen Ökosystem bestimmt waren. Dabei richteten sich 68,6 % der Erwähnungen gegen den Sektor der freien Presse.
Der Rest entfiel auf politische Akteure (28 %) und sonstige Akteure (3,4 %). Die anderen 17 für offizielle Kampagnen der Regierung von Santiago Peña bestimmt.
Boom in den sozialen Netzwerken
Andererseits weitete sich die Kampagne mit einem noch größeren Inhaltsvolumen über das Anzeigennetzwerk von Meta (hauptsächlich Facebook und Instagram) aus. Laut dem Transparenzbereich des Unternehmens von Mark Zuckerberg gab die Seite Despierta Paraguay mehr als 150 Millionen Guaranies aus, um Kritiker und politische Oppositionelle zu diskreditieren.
Die detaillierte Analyse der Anzeigen auf allen untersuchten Plattformen ermöglichte die Identifizierung von 1.086 Erwähnungen gegen 81 natürliche und juristische Personen. Dabei richteten sich 47 % der Angriffe gegen Journalisten, Medienhäuser oder damit verbundene Unternehmen. Obwohl Frauen nur 37,5 % der Gruppe der angegriffenen Journalisten und Medienmitarbeiter ausmachen, entfallen 60 % der Angriffe der Pro-Regierungsseite auf sie.
Medien im Visier
Die Angriffe konzentrierten sich primär auf die Medien ABC Color, Última Hora, Telefuturo und Ñanduti, mit nur minimalen Hinweisen auf El Nacional, C9N, SNT und 780 AM. Alle anderen paraguayischen Medien, wie GEN, La Nación, La Tribuna (Ueno) etc. sind Pro-Regierung.
Laut Google erhielt das Medium ABC Color insgesamt 44 Erwähnungen, davon 12 gegen seine Direktorin und Eigentümerin und 2 gegen seinen ehemaligen Direktor Aldo Zucolillo. Im Meta-Ökosystem war die Auswirkung jedoch noch größer. Den Daten der Plattform zufolge war ABC mit Abstand das am stärksten angegriffene Medium (75,4 % der Erwähnungen gegen Medienunternehmen). Die Direktorin Natalia Zucolillo führte mit insgesamt 103 Erwähnungen das Ranking der am häufigsten genannten Personen der gesamten Zählung an. Wenn man so ins Visier gerät macht man als Pressemedium etwas richtig.
Die Referenzen in beiden Netzwerken zielten auf regierungskritische Journalistinnen wie Mabel Rehnfeldt und Fiona Aquino ab. Dabei wurden Bilder, Videos und sogar mittels KI generierte Fake-Audios verwendet, um deren Arbeit zu diskreditieren und sie lächerlich zu machen.
Dahinter folgten die Medien im Besitz des Unternehmers Antonio J. Vierci. Die Zeitung Última Hora verzeichnete 51 Erwähnungen in den „schmutzigen“ Anzeigen auf Meta und fünf auf Google. Der Kanal Telefuturo folgte mit 14 Erwähnungen auf Meta und vier auf Google. Zudem versuchte der Pro-Regierungs-Apparat, prominente Persönlichkeiten des Senders wie Luis Bareiro, Santiago González, Oscar Acosta, Mercedes Barriocanal und andere zu diskreditieren. Die Diffamierungskampagne richtete sich auch gegen Meinungsbildner, die als Analysten außerhalb der traditionellen Medien tätig sind.
Ausstehende Transparenz
In Paraguay verfügt Google (die weltweit größte Suchmaschine und digitale Werbefirma) noch nicht über einen speziellen Transparenzbereich für politische Werbung, was detailliertere Einblicke in Wahlprozesse verhindert. In Ländern wie Argentinien, Brasilien, Mexiko, Taiwan oder den USA existiert dieses Tool bereits.
Es gibt jedoch eine Bibliothek der verbreiteten Anzeigen, in der die von Digimarketing SAS bezahlten Kampagnen aufgeführt sind – allerdings ohne Details zu den Investitionssummen. Meta hingegen stellt mehr Informationen über die Gelder zur Verfügung, die von solchen Seiten zur Manipulation des Informationsraums eingesetzt werden, was einen wichtigen Fortschritt gegenüber der Dunkelziffer im digitalen Bereich darstellt.
Das „regierungsnahe“ Anzeigennetzwerk
Trotzdem weist die Plattform lückenhafte Kontrollen bei den eingereichten Unterlagen zur Identitätsfeststellung auf, was die öffentliche Rückverfolgbarkeit der Herkunft der Gelder erschwert. Diese Situation begünstigt die Ausbreitung böswilliger Plattformen, die zum Nachteil der Integrität von Personen agieren und als „Pseudo-Medien“ den journalistischen Berufsstand in Paraguay angreifen.
Wochenblatt / Abc Color















