Asunción: Das paraguayische Stromsystem erlebte im April 2026 ein beispielloses Wachstum. Fernab der extremen Hitzewellen, die traditionell die Nachfrage im Sommer in die Höhe treiben, verzeichnete der vierte Monat des Jahres einen Anstieg des Energieverbrauchs um 35,4 % im Vergleich zum Vorjahr – eine Zahl, die die offiziellen Schätzungen des staatlichen Stromversorgers ANDE vervierfacht.
Nach statistischen Daten der ANDE verbrauchte Paraguay im April insgesamt 2.643,2 Gigawattstunden (GWh), was in krassem Gegensatz zu den 1.952,8 GWh steht, die im selben Monat des Vorjahres registriert wurden. Dieser Vorfall ist besonders bemerkenswert, da er in einer Jahreszeit auftritt, in der die Nutzung von Kühlsystemen – historisch gesehen der Haupttreiber der nationalen Nachfrage – kein entscheidender Faktor ist.
Um das Ausmaß dieses Sprungs zu verdeutlichen: Zwischen Januar und April 2026 akkumulierte der Vorjahresvergleich ein Wachstum von 21 %. Im Januar, mitten in der Hitzewelle, brach das Land mit 5.752 Megawatt (MW) seinen historischen Rekord bei der Momentanlast. Dennoch lag das Wachstum der verbrauchten Energie in jenem Monat bei 13,3 % – weniger als die Hälfte des prozentualen Sprungs vom April.
Der Anstieg von 35,4 % sprengte alle Prognosen der ANDE, die von einem natürlichen Wachstum von etwa 8 % ausgegangen war.
Um diesen Verbrauchssprung zu bewältigen, musste Paraguay seine energetische Souveränität ausüben. Allein im April lieferte das binationale Wasserkraftwerk Itaipú mehr als 2.400 GWh an das nationale Verbundnetz (SIN) und deckte damit 91 % des gesamten Strombedarfs des Landes.
Auslöser
Ingenieur Tito Ronald Ocariz, technischer Leiter der ANDE, erklärte gegenüber dem Staatsradio, dass dieses untypische Verhalten der Nachfragekurve auf einen strukturellen Wandel im nationalen Verbrauch zurückzuführen ist. Dieser wird primär durch eine stetige Zunahme der Aktivitäten im sekundären Sektor (Industrie) vorangetrieben. Zudem nannte er den Bauboom, insbesondere in dicht besiedelten Stadtgebieten. Gleichzeitig räumte er die Auswirkungen durch die Ansiedlung neuer Firmen mit hohem Energiebedarf ein, die zusammen bereits eine geforderte Leistung von 1.000 MW erreicht haben.
Zu dieser letzten Gruppe führte Ocariz aus, dass sie ein besonderes Lastmodell darstellen. Da es sich um große Energieblöcke handelt, hat die ANDE Vereinbarungen, die es ihr erlauben, diese Unternehmen um eine Reduzierung oder Anpassung ihres Verbrauchs zu bitten, falls das nationale Stromnetz betriebliche Entlastung benötigt.
Trotz der enormen Zahlen sendet die technische Leitung des Staatsunternehmens eine Beruhigungsbotschaft hinsichtlich der Lieferkapazität. „Wir haben die 50 %-Marke beim Leistungsverbrauch überschritten, verfügen aber noch über Spielraum, um das Wachstum der Nachfrage zu begleiten“, versicherte Ocariz.
Die wahre kurzfristige Herausforderung liegt jedoch in der Übertragung und Verteilung, insbesondere im Ballungsraum der Hauptstadt. Als erste Maßnahme kündigte die ANDE die bevorstehende Ausschreibung eines neuen operativen Leasings für den Bau eines Umspannwerks in Santa Teresa an.

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