Das Heim in Asunción: Ein Stück mennonitische Geschichte mit Zukunft

Asunción: Mehr als nur eine Unterkunft: Was heute als ruhiges, grünes Hotel mitten im Trubel von Asunción bekannt ist, bildet seit über 80 Jahren ein Herzstück der mennonitischen Gemeinschaft in Paraguay. „Das Heim“ ist eine Oase der Gastfreundschaft, ein historischer Versöhnungsort und ein Symbol für gelebten Zusammenhalt.

Die Anfänge (1943): Zuflucht und Schaltzentrale

Die Geschichte beginnt mitten im Zweiten Weltkrieg: 1943 weitete das Mennonite Central Committee (MCC) seine Arbeit in Paraguay aus und mietete in der Hauptstadt das erste Haus. Die Idee dahinter war denkbar simpel, aber wirkungsvoll: Es sollte kein renditeorientiertes Hotel sein, sondern eine Anlaufstelle.

Rechtsanwalt Robert W. Geigley, einer der Mitbegründer, brachte es 1943 auf den Punkt:

„Dieses Haus ist kein Hotel, um daraus ein Geschäft zu machen. Aber wenn Mennoniten auf der Reise sind, dürfen sie hier Kost und Quartier finden.“

Wer aus den abgelegenen Chaco-Kolonien nach Asunción kam – sei es für Arztbesuche, Behördengänge oder Einkäufe –, fand im Heim günstige Verpflegung, ein Bett und tatkräftige Hilfe. Sogar junge Frauen, die in der Stadt als Hausangestellte arbeiteten, erhielten hier Schutz und Beratung.

Ein Ort der Versöhnung und Gemeinschaft

In seinen Anfangsjahren leistete das Heim Pionierarbeit im Bereich der Zwischenmenschlichkeit. Unter der Leitung von Willard und Verena Smith (1943–1945) entwickelte sich das Haus zu einer echten „Brücke des Friedens“:

Eisbrecher im Chaco-Konflikt: Zwischen den Mennoniten-Siedlungen Fernheim und Friesland herrschten damals tiefgründige Spannungen. Im MCC-Heim saßen die Konfliktparteien plötzlich am selben Esstisch – der Grundstein für erste Annäherungen und klärende Gespräche.

Kultureller Schmelztiegel: Ob liberale, traditionelle oder konservative Mennoniten, ob Gäste aus Kanada, Deutschland, Mexiko oder Südamerika – das Heim brachte unterschiedlichste Lebenswelten unter einem Dach zusammen.

Von Brunnenwasser zur modernen Zentrale

Der Andrang war riesig, was das Heim zu mehreren Umzügen zwang. In den Anfangszeiten in der Straße Nuestra Señora de la Asunción ging es noch rustikal zu:

Kein fließendes Wasser (Wasser musste aus dem Hofbrunnen geschöpft werden)

Einfache Schöpfküche

Pflichtmäßige Mittags-Siesta für das gesamte Haus

Der Durchbruch 1949: Das MCC kaufte das erste eigene Grundstück. In den Folgejahren wuchs der Komplex um einen großen Versammlungssaal und wurde zur regionalen MCC-Zentrale für Paraguay, Uruguay, Argentinien und Brasilien. Über vier Jahrzehnte lang war das Haus der pulsierende Mittelpunkt des mennonitischen Lebens in der Hauptstadt – mit sonntäglichem Gemeinschaftsessen, Kulturveranstaltungen, Jugendgruppen und Volleyball im Innenhof.

Der Schritt in die Unabhängigkeit (1980)

Mit dem wirtschaftlichen Erstarken der Kolonien übernahm die „Asociación de las Colonias Mennonitas del Paraguay“das Heim im Oktober 1980 für 405.000 US-Dollar.

Das Besondere daran:

Selbstläufer: Der Kaufpreis wurde bis 1995 vollständig aus den laufenden Einnahmen des Heims abbezahlt.

Sozialer Kreislauf: Die Gelder flossen nicht ins Ausland, sondern finanzierten soziale und missionarische Projekte in Paraguay – wie das Hospital Mennonita Km 81, Indigenen-Projekte im Chaco und die Christlichen Dienste.

Als das geistliche Leben mit dem Bau eigener Schulen und Kirchen (wie dem Colegio Alemán Concordia) ab den 1980er-Jahren neue Zentren fand, wandelte sich das Heim primär in ein professionelles Gästehaus.

„Das Heim“ heute: Grüne Oase mit familiärem Charme

Heute empfängt „Das Heim“ Reisende aus aller Welt als schlichtes, aber überaus einladendes Hotel. Der ursprüngliche Geist des Dienstes am Nächsten ist dabei lebendig geblieben.

Die Atmosphäre: Bepflanzte Innenhöfe, hohe Palmen, überdachte Sitzbereiche und Schaukeln schaffen eine ruhige Rückzugsmöglichkeit mitten in der Großstadt.

Die Ausstattung: Zweckmäßige bis moderne Zimmer mit eigenem Bad, Fernseher und Gemütlichkeit – weit weg vom anonymen Klischee großer Hotelketten.

Der Auftrag: Neben Urlaubern und Geschäftsreisenden bietet das Heim nach wie vor jährlich Hunderten Patienten, die für medizinische Behandlungen nach Asunción reisen, eine verlässliche und fürsorgliche Unterkunft.

Fazit: Was 1943 als bescheidener Stützpunkt begann, ist auch heute noch genau das, was der Name verspricht: Ein Zuhause auf Zeit und eine Brücke zwischen Tradition, Gegenwart und der Welt.

Wochenblatt / Mennoniten weltweit

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