Asunción: Der US-Medienkonzern Meta (Muttergesellschaft von Facebook, Instagram und WhatsApp) leitet einen grundlegenden Wandel bei der Überprüfung von Inhalten ein. Wie das Unternehmen ankündigte, wird in 16 lateinamerikanischen Ländern – darunter auch Paraguay – das System der sogenannten “Community-Notizen“ (Community Notes) erprobt.
Ziel ist es, professionelle Faktenchecks durch Journalisten und Partnermedien schrittweise durch ein nutzerbasiertes Kollektivsystem zu ersetzen.
Schwarmintelligenz statt professioneller Prüfung
Das Modell orientiert sich an einem von der Plattform X (ehemals Twitter) etablierten Verfahren. Nutzer können künftig potenziell irreführende Beiträge markieren und mit zusätzlichen Kontextinformationen versehen. Eine Notiz wird einem Beitrag erst dann öffentlich angefügt, wenn eine ausreichend große Zahl von Teilnehmern – die nach Metas Algorithmus unterschiedliche weltanschauliche Positionen vertreten – die Ergänzung als hilfreich bewertet.
In den Vereinigten Staaten wurde die klassische Überprüfung im Zuge der politischen Umbrüche bereits im Januar 2025 eingestellt. Für den Testlauf in Paraguay gelten strikte Zugangsbedingungen: Mitwirken können Personen ab 18 Jahren mit einem mindestens sechs Monate alten Benutzerkonto, das keine gravierenden Regelverstöße aufweist.
Experten warnen vor Manipulationsrisiken
Die Umstellung stößt bei Medienexperten und dem internationalen Faktencheck-Netzwerk (EFCSN) auf deutliche Kritik. Sie warnen vor Gefahren für die Integrität gesellschaftlicher Debatten:
-Sorge vor Bot-Netzwerken: Die Delegation der Überprüfung an die Masse berge das Risiko, dass organisierte Akteure mithilfe künstlicher Intelligenz das Bewertungssystem unterwandern.
-Gefahr von Desinformationskampagnen: In politisch polarisierten Umfeldern könnten koordinierte Gruppen versuchen, Notizen zu ihren Gunsten zu manipulieren.
-Schwächung von Qualitätsjournalismus: Der Verzicht auf die Bezahlung unabhängiger Medienhäuser für systematische Überprüfungen treffe die regionale Medienlandschaft empfindlich.
Während des Probelaufs in Paraguay bleiben die bisherigen Prüfmechanismen im Hintergrund vorerst parallel bestehen, bevor über eine vollständige Systemumstellung entschieden wird.
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