Von der Jugendwelle zur Silver Economy: Herausforderungen des weltweiten demografischen Wandels

Asunción: Paraguay steht vor einem grundlegenden demografischen Wandel. Nach aktuellen Daten des Nationalen Statistikinstituts (INE) sinkt die Geburtenrate im Land kontinuierlich, während die Bevölkerung schrittweise altert.

Die Gesamtfruchtbarkeitsrate ist mittlerweile auf 1,9 Kinder pro Frau gefallen und liegt damit unter dem für den Generationswechsel erforderlichen Niveau. Dennoch befinden sich derzeit noch 66 Prozent der Einwohner im erwerbsfähigen Alter.

Ursachen der demografischen Wende

Der Direktor des INE, Iván Ojeda, erläuterte im Gespräch mit dem Sender 1080 AM die zentralen Faktoren dieser Entwicklung:

-Rückgang der Fruchtbarkeit: Lag der Durchschnitt in den 1950er-Jahren noch bei sieben Kindern pro Frau, konzentriert sich die höchste Geburtenrate heute auf Frauen im Alter zwischen 25 und 29 Jahren. Höhere Bildungsstandards, verbesserte Familienplanung und ein späterer Eintritt in die Mutterschaft prägen diesen Trend.

-Negative Migrationsbilanz: In den vergangenen 25 Jahren verzeichnete Paraguay einen Nettoabfluss von rund 700.000 Menschen. Allein in Spanien stieg die Zahl der paraguayischen Einwohner von 2.000 im Jahr 2000 auf heute 127.000 – 75 Prozent davon sind Frauen im gebärfähigen Alter. Seit 2014 schwächt sich die Auswanderung ab, während der Zuzug aus Argentinien, Brasilien und Venezuela zunimmt.

-Steigende Lebenserwartung: Lag die durchschnittliche Lebenserwartung in den 1960er-Jahren noch unter 60 Jahren, erreicht sie heute 75 Jahre (Frauen: 79 Jahre, Männer: 73 Jahre).

Chancen der “demografischen Dividende“ und Silver Economy

Bei einer Gesamtbevölkerung von rund 6,46 Millionen Einwohnern bilden die 15- bis 64-Jährigen mit 66 Prozent weiterhin die Mehrheit. Ojeda betont, dass dieses Zeitfenster der “demografischen Dividende“ durch gezielte Investitionen in Bildung, Gesundheit und Produktivität genutzt werden müsse. Zudem gewinne die sogenannte Silver Economy an Bedeutung, um den Bedürfnissen und Potenzialen einer aktiven Generation über 65 Jahren gerecht zu werden.

Ausblick auf die Sozialsysteme

Der demografische Wandel zwingt die paraguayische Politik zum Handeln. Um den Übergang von einer jungen Gesellschaft zu einer alternden Bevölkerung abzufedern, müssen in den kommenden Jahren die Renten- und Gesundheitssysteme grundlegend reformiert werden. Gelingt es nicht, die aktuelle Erwerbsgeneration in produktive, formelle Arbeitsverhältnisse zu bringen, drohen dem Land im Alterungsprozess erhebliche sozialstaatliche Deckungslücken.

Wochenblatt / ABC Color / Beitragsbild Archiv

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