Datenabgleich in Sekundenschnelle: Wie KI und Biometrie den Grenzverkehr effizienter machen sollen

Ciudad del Este: Die brasilianische Steuer- und Zollbehörde (Receita Federal) hat auf der Freundschaftsbrücke mit dem Test eines neuen Kontrollsystems begonnen. Dieses ermöglicht es, Fußgänger über einen Handflächenscan zu identifizieren und die Frequenz zu erfassen, mit der eine Person die Grenze zwischen Paraguay und Brasilien überquert.

Das Projekt mit dem Namen “Pasaje Digital“ (Digitaler Durchgang) ist diese Woche gestartet und befindet sich derzeit in der Testphase.

Die Technologie wurde gemeinsam mit dem Bundesdienst für Datenverarbeitung (Serpro) entwickelt. Dabei handelt es sich um das größte staatliche IT-Unternehmen Brasiliens, das für den Aufbau und die Wartung der zentralen digitalen Infrastruktur der Bundesregierung zuständig ist. Ziel des Projekts ist es, die Zollkontrollen zu modernisieren, ohne Verzögerungen im Fußgängerverkehr zu verursachen.

Das Verfahren ist denkbar einfach: Fußgänger, die über den Korridor für Personen ohne anmeldepflichtige Waren nach Brasilien einreisen, halten ihre Handfläche an ein vor Ort installiertes biometrisches Lesegerät. Das System führt die Identifizierung durch, generiert einen eindeutigen Code und registriert den Übergang in der Datenbank der Receita Federal.

Fokus auf den Kleinschmuggel

Eines der Hauptziele besteht darin, mehrfache Grenzübergänge innerhalb kurzer Zeitspannen zu erkennen. Identifiziert das System ein auffälliges Muster, löst es ein Signal auf dem Terminal der Zollbeamten aus. Diese können den Reisenden daraufhin anhalten, um den Grund für die häufigen Grenzübertritte zu erfragen und zu prüfen, ob mitgeführte Waren die zulässigen Freimengen überschreiten.

Die Maßnahme zielt insbesondere darauf ab, die Kontrolle über den sogenannten “Ameisenschmuggel“ zu verbessern – eine Methode, bei der Personen die Grenze wiederholt überqueren, um kleinere Mengen an Waren einzuschmuggeln. Das Werkzeug liefert den Kontrolleuren eine Historie der Grenzübergänge, sodass Inspektionen gezielter bei Risikofällen angesetzt werden können.

In einer späteren Phase soll das System dem Reisenden auch direkt Fragen stellen können, um festzustellen, ob er Waren mitführt, die die Steuerfreigrenze überschreiten. Je nach Antwort kann die Person ihren Weg fortsetzen oder zur Inspektion an den Zollbereich weitergeleitet werden.

Intelligente Grenzen

Foz do Iguaçu wurde als erste brasilianische Stadt für den Test dieses Instruments ausgewählt. Die initiale Testphase dauert 30 Tage. In dieser Zeit wird die Receita Federal die Funktionsweise und die Praxistauglichkeit angesichts des enormen Personenaufkommens an der Grenze zu Ciudad del Este analysieren.

Das Projekt ist Teil einer umfassenderen Strategie zur Umsetzung des Konzepts “Intelligente Grenzen“ (Fronteras Inteligentes), das auf dem kombinierten Einsatz von Biometrie, Automatisierung, künstlicher Intelligenz, Risikomanagement und Datenabgleich basiert.

Die Behörden beabsichtigen, nach der Auswertung der Erfahrungen mit Fußgängern ähnliche Technologien auch bei Fahrzeugkontrollen und an anderen Grenzpunkten des Landes einzusetzen. Die Initiative gehört zudem zum Plan, Foz do Iguaçu zwischen 2026 und 2028 in ein Innovationslabor für Landzollkontrollen zu verwandeln. Ziel ist es, die Grenzabläufe an die Standards von Flughäfen anzupassen – unter dem Konzept eines “Flughafens ohne Flugzeug“.

Vorerst befindet sich die Technologie in der Erprobungsphase und stellt noch kein definitives oder verpflichtendes System für alle Reisenden dar. Die Receita Federal wird die Ergebnisse bewerten, bevor über die nächsten Schritte entschieden wird.

Die Herausforderung besteht darin, mehr Technologie und Kontrollkapazitäten einzubinden, ohne den Fluss der Tausenden Fußgänger zu beeinträchtigen, die täglich über die Freundschaftsbrücke zwischen Ciudad del Este und Foz do Iguaçu pendeln.

Hohes Verkehrsaufkommen

Die Dimension dieser Aufgabe wird am täglichen Verkehr auf der Brücke deutlich: Nach Angaben der Receita Federal überqueren täglich rund 103.000 Personen und 45.000 Fahrzeuge diesen Grenzübergang. Der Strom macht die Verbindung zu einem strategischen Knotenpunkt für Personenverkehr, Tourismus, Einkäufe und Handelsaktivitäten. Diese enorme Dynamik erklärt auch, warum Systeme gesucht werden, die Kontrollen beschleunigen können, ohne an Effizienz einzubüßen.

Wochenblatt / Ultima Hora

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