Der Trend geht zurück: Vom Einfamilienhaus ins Apartment

Asunción: Immer mehr Menschen entscheiden sich dafür, alleine zu leben, wie die jüngste nationale Volks- und Wohnungszählung aus dem Jahr 2022 zeigt. Die Beweggründe für diesen Trend sind unterschiedlich und reichen von persönlichen Aspekten über wirtschaftliche Faktoren bis hin zu sozialen Fragen.

Daten aus der jüngsten Volkszählung des Nationalen Statistikinstituts von Paraguay (INE) zeigen, dass der Trend zum Alleinleben auf Bevölkerungsebene immer stärker wird. Der Anteil der Singlehaushalte liegt inzwischen bei 15,5 Prozent, vor zehn Jahren waren es lediglich 11,8 Prozent, erklärt der Direktor des INE, Iván Ojeda.

„Dies ist ein globaler Trend. Paraguay schließt sich dem Rest der Welt an, erlebt aber auch eine andere Dynamik aufgrund der Migration von Menschen vom Land in die Stadt, was sich auf die Gewohnheiten und Bräuche der Menschen auswirkt. Heute leben 69 % der Bevölkerung des Landes in städtischen Gebieten und 39 % auf dem Land“, erklärte er.

Ojeda sagte, dass es im Land derzeit 1.749.000 bewohnte Privathäuser gebe und dies nicht nur zu einem Wachstum des Immobilienmarktes führe, sondern auch dazu, dass die Menschen, insbesondere die jungen, nach Unabhängigkeit strebten. Dabei wird nicht erwähnt, welche Art von Projekten Priorität hat. Es wird jedoch darauf hingewiesen, dass heute mehr Gebäude mit Einzimmerwohnungen zu beobachten sind, womit dem aktuellen Trend entsprochen wird.

Bei den reinen Kernhaushalten, die aus den Eltern und ihren Kindern bestehen, liegt die Zahl bei 44,5 %, während sie vor zehn Jahren noch bei 50 % lag. Unvollständige Haushalte, in denen ein Elternteil fehlt, machen 11,2 % aus; vor 10 Jahren lag dieser Anteil bei 9,4 %.

Veränderungen

Im Hinblick auf die Entwicklung auf dem Immobilienmarkt wies Enrique Arrúa, Direktor der paraguayischen Kammer für Erstwohnungen (Caprivi), darauf hin, dass der Trend zu Einpersonenhaushalten auch die Wohnungssuche der Menschen verändert habe. Früher konnte man in mäßig urbanisierten Gebieten Grundstücke kaufen, heute bekommt man Angebote für fertige Häuser zum Preis von 2 oder 3 Milliarden Guaranies.

„Das Problem bleibt jedoch der Zugang zu Krediten. 95 % der eingereichten Anträge sind nicht kreditwürdig. Andererseits müssen wir in Paraguay aufgrund der großen Nachfrage mit mindestens 300.000 Erstwohnungen rechnen und dürfen nicht mehr als 4.000 Wohnungen pro Jahr bauen und verkaufen“, sagte er.

Was die Gebiete betrifft, in denen die meisten Immobilienprojekte entwickelt werden oder in denen die Menschen am liebsten leben möchten, wies Arrúa darauf hin, dass die Metropolregion weiterhin die beliebteste Gegend sei, wobei Luque, Capiatá, Limpio, Ñemby und San Antonio die wichtigsten Optionen seien. Betrachtet man die Bevölkerung in Einpersonenhaushalten, sind es nach Altersgruppen betrachtet, die älteren Erwachsenen, die den Trend anführen.

Insgesamt leben 25.331 Menschen zwischen 60 und 64 Jahren allein; gefolgt von 24.724 Menschen zwischen 65 und 69 Jahren; und 23.760 zwischen 55 und 59 Jahren. Auf dem vierten Platz liegen die Menschen zwischen 25 und 29 Jahren mit insgesamt 22.626; gefolgt von 22.375 Personen zwischen 50 und 54 Jahren; und 21.555 Personen zwischen 30 und 34 Jahren.

Anthropologischer Faktor

Für den Psychiater und Sozialanthropologen Agustín Barúa Caffarena ist der Trend zu Einpersonenhaushalten auch mit einer Form des Individualismus verbunden. Das heißt, dass es nicht mehr so viele familienorientierte Projekte gibt, sondern es immer mehr einzelne und partikulare Vorhaben gibt. Er fügte eine weitere Analyse als mögliches Motiv hinzu, etwa soziales Misstrauen.

„In gewisser Weise entfernen wir uns voneinander, was Vertrauen, Zuversicht und wahrscheinlich auch das Zusammenleben angeht. Das wirkt sich auch auf unsere Vorstellung vom Kollektiv und unser Denken in der Gemeinschaft aus; das heißt, das Kollektive und das Ökologische oder das Politische, unter anderem“, sagte er.

Nach Ansicht des Spezialisten entstehen immer mehr Verbindungen zwischen Menschen aus einer Logik der Feindseligkeit heraus, in der der andere als Bedrohung wahrgenommen wird, was zu Distanzierung und in der Folge zur Entscheidung für individuelle Lebensweisen wie etwa dem Alleinleben führt. Er wies darauf hin, dass dieser Umstand in städtischen Kontexten wie Asunción noch ausgeprägter sei, wo die Logik der Isolation zu einem gemeinsamen Faktor werde.

Wochenblatt / Forbes Paraguay / Beitragsbild Archiv

CC
CC
Werbung