Brasilia: Kaum waren die Stimmen der Stichwahl zwischen Lula da Silva und Flávio Bolsonaro ausgezählt und die bittere Niederlage besiegelt, zog der ultrarechte Senator die Reißleine – oder besser gesagt: er ergriff die Flucht.
Nur zwei Tage nach dem verlorenen Wahlkampf setzte er sich in Richtung Vereinigte Staaten ab, ganz nach dem Motto: Ein guter Vergewisserer ist immer auf der Flucht. Doch wer glaubt, er wolle im Ausland lediglich das tropische Wetter gegen US-amerikanischen Komfort tauschen, der irrt gewaltig. Der plötzliche Szenenwechsel wirkt weniger wie ein wohlverdienter Urlaub nach dem Wahlkrimi, sondern vielmehr wie eine panische Rettungsaktion vor der heimischen Justiz.
Denn hinter ihm brennt die Hütte: Eine ganze Reihe heikler Ermittlungen holt den Bolsonaro-Clan ein. Die Abreise ins Ausland liest sich weniger wie eine politische Auszeit und mehr wie der klassische Versuch, den eisigen Griff der brasilianischen Gesetze abzuschütteln, bevor die Handschellen klicken. Statt sich wie ein gefasster Verlierer den Fragen der Ermittler zu stellen, zieht man es im Hause Bolsonaro offenbar vor, dem eigenen Schatten über die Landesgrenzen hinaus davonzulaufen. Ein Abgang mit quietschenden Reifen – oder besser: im Flugzeug Richtung Norden –, der tief blicken lässt.
Neben dem brasilianischen Pass, der ihm von der Justiz abgenommen wurde, besitzt er zudem einen italienischen Reisepass. Laut Donald Trump wurden für ihn und seine Familie schon Aufenthaltspapiere für die USA vorbereitet. Zudem soll der argentinische Präsident Javier Milei einer der Koordinatoren seiner Flucht gewesen sein.
Wochenblatt / Abc Color














