Druck aus Brüssel: Paraguay passt Biomasse-Regeln an EU-Standards an

Asunción: Das Vizeministerium für Bergbau und Energie macht Ernst mit der Nachhaltigkeit. Ein neuer Stufenplan zwingt Unternehmen zur Rückverfolgbarkeit ihres Holzverbrauchs. Wer Getreide nach Europa exportieren will, kommt an den neuen Regeln nicht mehr vorbei.

Nach einer mehr als zehnjährigen Verzögerung startet Paraguay ein ambitioniertes Zertifizierungssystem für Biomasse. Wie Vizeminister Mauricio Bejarano bekannt gab, basiert der Plan auf einer Studie der Weltbank. Das Ergebnis ist eindeutig: Mittelfristig gibt es für die paraguayische Industrie keine realistische Alternative zur Biomasse als Energiequelle. Da die Industrie derzeit rund 57 % der im Land verfügbaren Biomasse verbraucht, ist eine strikte Kontrolle der Herkunft unumgänglich geworden.

Warum der Prozess erst jetzt startet

Obwohl die rechtliche Grundlage bereits 2015 geschaffen wurde, fehlte es schlichtweg an ausreichendem Waldbestand aus Wiederaufforstung. Für eine vollständige Umsetzung benötigt die Branche jährlich etwa 40.000 Hektar Neuanpflanzungen. Da ein Baum sechs bis sieben Jahre bis zur Fällung benötigt, mussten erst die nötigen Kapazitäten wachsen. Mit dem Aufkommen großer Projekte, wie etwa moderner Papierfabriken, ist die Forstwirtschaft nun so weit expandiert, dass der Biomassemarkt als “greifbare Realität“ gilt.

Der Stufenplan für Unternehmen

Die Anforderungen steigen schrittweise an, um dem Privatsektor Zeit zur Anpassung zu geben:

-2026: 30 % zertifizierter Verbrauch (Zielmarke für dieses Jahr)

-Folgejahre: Anstieg auf 50 %, 70 % und schließlich 100 %.

Besonderes Augenmerk liegt in diesem Jahr auf Großkesseln und Getreidetrocknern. Hier sieht das Ministerium das größte Potenzial für Effizienzsteigerungen.

Finanzielle Hilfe für die Umstellung

Da die Zertifizierung oft mit der Anschaffung effizienterer Maschinen einhergeht, hat die Regierung Arbeitsgruppen mit der Entwicklungsfinanzierungsagentur (AFD) und der Nationalen Entwicklungsbank (BNF) ins Leben gerufen. Diese bieten ab sofort zinsgünstige Kreditlinien an, damit Betriebe in nachhaltige Wärmetechnik investieren können.

Druck durch den Weltmarkt und die EU

Die Rückverfolgbarkeit ist kein reiner Selbstzweck. „Globale Märkte fordern zunehmend den Nachweis über die Herkunft der Rohstoffe“, so Bejarano. Für viele Unternehmen ist der Einsatz von Holz ohne gültige Rechnung bereits heute ein buchhalterisches Risiko. Zudem sichert die Zertifizierung die Wettbewerbsfähigkeit paraguayischer Produkte (wie Soja oder Mais) im Ausland – insbesondere im Hinblick auf Handelsabkommen mit der Europäischen Union, die strenge Nachhaltigkeitskriterien anlegt.

Innovative Ansätze: Baumschnitt als Brennstoff

Der Plan umfasst auch Kleinproduzenten. Ein Pilotprojekt ist die Nutzung von städtischem Baumschnitt. Was früher als Abfall galt – etwa Reste von Freischneidearbeiten der ANDE –, wird nun in zwei Pilotanlagen gesammelt und gezielt als Wärmequelle für die Energieerzeugung genutzt.

Wochenblatt / ABC Color / Beitragsbild Archiv

CC
CC
Werbung

Bitte achten Sie darauf, dass Ihre Kommentare themenbezogen sind. Die Verantwortung für den Inhalt liegt allein bei den Verfassern, die sachlich und klar formulieren sollten. Kommentare müssen in korrekter und verständlicher deutscher Sprache verfasst werden. Beleidigungen, Schimpfwörter, rassistische Äußerungen sowie Drohungen oder Einschüchterungen werden nicht toleriert und entfernt. Auch unterschwellige Beleidigungen oder übertrieben rohe und geistlose Beiträge sind unzulässig. Externe Links sind unerwüscht und werden gelöscht. Beachten Sie, dass die Kommentarfunktion keine garantierte oder dauerhafte Dienstleistung ist. Es besteht kein Anspruch auf Veröffentlichung oder Speicherung von Kommentaren. Die Entscheidung über die Löschung oder Sperrung von Beiträgen oder Nutzern die dagegen verstoßen obliegt dem Betreiber.

Kommentar hinzufügen