Indiana Jones in Paraguay: Warum dieser Amerikaner das Leben im Busch dem Luxus vorzieht

Asunción: Nathan Seastrand (30) ist kein gewöhnlicher Auswanderer. Der US-Amerikaner, der mit seiner paraguayischen Frau und seinem Sohn in Asunción lebt, hat sein Herz an das “Paraguay profundo“ – das tiefe, authentische Paraguay – verloren. Unter dem Namen “Yankiguayo“ teilt er seine Abenteuer im Chaco und setzt sich für den Erhalt indigener Kulturen ein.

Bevor Seastrand nach Paraguay kam, arbeitete er in der größten Kupfermine der Welt in Utah. „Ich war Bergmann, fuhr 55-Tonnen-Trucks 3.000 Meter tief unter der Erde“, erzählt er. Doch schon als Kind träumte er von echten Abenteuern wie Tintin oder Indiana Jones. „Ich mag keine Touristenorte. Ich gehe am liebsten dorthin, wo niemand hinwill: mitten in den Busch, mitten ins Nirgendwo“, fügte er an.

Nach Paraguay kam er erstmals 2014 als mormonischer Missionar. Er verliebte sich in das Land und gründete später mit seinem Bruder das Deep Jungle Studio. Ihr Ziel: Dokumentarfilme über die alten, tief verwurzelten Kulturen Paraguays zu drehen, die im Verborgenen noch immer existieren.

Gastfreundschaft und Hilfsbereitschaft

Was Seastrand an Paraguay am meisten beeindruckt, ist die Großzügigkeit der Menschen. „Die Leute retten dich immer, wenn du in einer schwierigen Lage bist. Wenn du mit dem Auto im Schlamm stecken bleibst, ist sofort jemand da, hilft dir, lädt dich auf eine Empanada oder ein Bierchen ein. Diese Herzensgüte findet man anderswo kaum“, sagte er.

Der Überlebenskampf der Ayoreo

Ein Schwerpunkt seiner Arbeit ist das Volk der Ayoreo im Chaco. Seastrand beschreibt ihre aktuelle Lage als einen “lebendigen Albtraum“. Er hat Menschen kennengelernt, die noch im Busch geboren wurden und heute mit Smartphones in modernen Häusern leben – ein kultureller 180-Grad-Wandel innerhalb einer Generation.

„Es ist eine Apokalypse, die Zerstörung einer ganzen Kultur“, warnt er. Doch trotz der Schwere der Situation sieht er Hoffnung in der unbändigen Entschlossenheit der Ayoreo, ihre Sprache und Identität zu bewahren.

Hoffnung für die Natur

Auch wenn die Abholzung im Chaco oft kritisiert wird, hat Seastrand positive Erfahrungen mit vielen Großgrundbesitzern gemacht: „Viele Farmer sind absolute Naturfans und unterhalten private Reservate auf ihrem Land“, betonte er. Sein Ziel ist es, das Bewusstsein dafür zu schärfen, dass verlorene Natur für immer verloren ist – aber er glaubt fest daran, dass Paraguay seine Schätze noch bewahren kann.

Wochenblatt / Ultima Hora

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