Moderne Sklaverei per App? Vernichtendes Urteil für Uber und Bolt in Paraguay

Asunción: Der Bericht Fairwork 2025 analysiert die Anbieter Bolt, Uber, Muv, PedidosYa, Monchis und Helpers. Keine der Plattformen garantiert einen Mindestlohn, und die mangelnde Sicherheit ist das Hauptproblem für die Beschäftigten.

Die digitale Plattformökonomie in Paraguay wächst robust. Apps wie Bolt beschäftigen im Land rund 20.000 Menschen, während PedidosYa als einer der größten Steuerzahler hervorsticht. Doch wirtschaftliche Entwicklung bedeutet nicht automatisch bessere Arbeitsqualität. Dies zeigt der Bericht Fairwork Paraguay 2025, der die Bedingungen von sechs marktführenden Plattformen bewertet.

Die Ergebnisse sind ernüchternd: Monchis und Muv erreichten lediglich zwei von zehn möglichen Punkten. PedidosYa und Helpers erhielten einen Punkt, während die internationalen Giganten Bolt und Uber mit null Punkten abschnitten. Diese Zahlen verdeutlichen das Fehlen jeglicher Standards für Fairness.

Arbeitsalltag am Limit

Keine der Plattformen garantiert nach Abzug der Betriebskosten den gesetzlichen Mindestlohn. Die Fahrer tragen die Kosten für Treibstoff, Wartung und Internetzugang selbst; oft müssen sie sogar für die Nutzung von Toiletten an Tankstellen bezahlen. Um ihre Grundbedürfnisse zu decken, arbeiten viele 12 bis 18 Stunden täglich.

Besonders Frauen sind betroffen, da sie oft zusätzliche Kosten für Kinderbetreuung während ihrer Schichten tragen müssen. Zudem führt die schlechte Straßeninfrastruktur zu einem schnellen Verschleiß der Privatfahrzeuge.

Sicherheit und Gewalt

Ein gravierendes Problem ist die Kriminalität. Der Bericht dokumentiert häufige Raubüberfälle und Morde im Sektor. Frauen leiden zudem unter sexueller Belästigung und Gewalt. Zwar gibt es Kooperationen zwischen einigen Apps und der Nationalpolizei zur biometrischen Datenprüfung, doch die Beschäftigten fühlen sich von den Plattformen im Stich gelassen.

Die Fahrerin Lourdes berichtet etwa, dass Bolt sich im Falle einer Aggression weigerte, die Daten des Passagiers herauszugeben. Infolgedessen haben Gruppen wie Kuña Pope begonnen, Selbstjustiz zu üben, um Angreifer selbst zu identifizieren und zu fassen.

Verträge und Repräsentation

Nur Muv, PedidosYa und Monchis sind rechtlich in Paraguay registriert, was zumindest die Anwendung nationalen Rechts garantiert. Das größte Defizit liegt jedoch in der Mitbestimmung: Keine Plattform erkennt Gewerkschaften wie FEPACOP oder SINACTRAM offiziell an. Es gibt keine Mechanismen für kollektive Verhandlungen.

Eine Ausnahme bildete bisher Helpers, die einzige Plattform, die Sozialversicherung (IPS), Urlaub und Lohnfortzahlung bietet. Doch es gibt Anzeichen für eine Umstrukturierung, die diesen Schutz durch ein reines Vermittlungsmodell gefährden könnte.

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