Paartherapie bei schwulen Männern: Warum ihre Konflikte nicht denen heterosexueller Paare gleichen

Asunción: ​Abgesehen von den Klischees über Eifersucht und Sex kommen schwule Paare mit ganz spezifischen Problemen in die Beratung: verinnerlichte Homophobie, fehlende Vorbilder und eine ständige Auseinandersetzung damit, was es bedeutet, in einer Beziehung „Mann“ zu sein.

Von außen betrachtet mögen die Konflikte eines homosexuellen Paares denen eines heterosexuellen Paares gleichen – Kommunikation, Aufgabenteilung, Umgang mit Eifersucht. Darunter liegen jedoch Spannungen, die in der Beratung heterosexueller Paare kaum zum Vorschein kommen.

Die Last des „Minderheitenstresses”

Homosexuelle Paare streiten nicht in einem Vakuum, sondern in einem sozialen Kontext, der nach wie vor ungleich ist. Zu den üblichen Belastungen des Zusammenlebens kommt noch hinzu, was in der Psychologie als „Minderheitenstress” bezeichnet wird: das Leben in dem Bewusstsein, dass die eigene sexuelle Orientierung ein Grund für Ablehnung war oder sein kann.

Dieser Stress wirkt sich auf vielfältige Weise auf die Beziehung aus: Einer der Partner hat sich am Arbeitsplatz geoutet, der andere nicht; die eine Familie akzeptiert den Partner, die andere ignoriert ihn; auf der Straße halten sie sich nicht an den Händen oder diskutieren darüber, ob sie es tun sollen.

Was wie ein intimer Konflikt erscheint („Du willst nie zu Familienessen kommen”), hat oft einen sozialen Hintergrund („Ich ertrage es nicht, mich vor deinen Eltern wieder zu verstecken”).

In der Therapie muss daher auf zwei Ebenen gleichzeitig gearbeitet werden: der Dynamik der Partnerschaft und den Auswirkungen von Homophobie – extern und verinnerlicht – darauf, wie sie miteinander umgehen, sich begehren oder sich gegenseitig beschützen.

Männlichkeit, ein unwillkommener Gast

Während in vielen heterosexuellen Paaren über Geschlechterungleichheit diskutiert wird, verschwindet das Problem in schwulen Paaren nicht, sondern verwandelt sich.

Beide wurden unter dem gleichen Gebot der Männlichkeit erzogen – stark sein, keine Verletzlichkeit zeigen, Erfolg priorisieren – und das beeinflusst, wie sie ihre Beziehung leben.

In der Beratung zeigen sich wiederkehrende Muster: Schwierigkeiten, Angst oder Traurigkeit auszudrücken, Angst, emotional vom anderen abhängig zu sein, oder die Tendenz, Konflikte eher mit Distanz und Ironie als mit Verletzlichkeit zu lösen.
Manchmal wird die Aushandlung von häuslichen und Betreuungsrollen gerade deshalb kompliziert, weil keiner den historisch „dem Weiblichen” zugewiesenen Platz einnehmen will.

Der Mythos der „gleichberechtigten” Partnerschaft kann subtilere Ungleichheiten verbergen: Wer trifft Entscheidungen, wer gibt häufiger nach, wer kümmert sich und wer lässt sich umsorgen? Die Therapie lädt dazu ein, diese Choreografie sichtbar zu machen und zu hinterfragen, was es bedeutet, innerhalb der Beziehung ein Mann zu sein.

Eifersucht, Begehren und offene Vereinbarungen

Eines der Themen, das schwule Paare am meisten von heterosexuellen Paaren unterscheidet, ist die Aushandlung sexueller Exklusivität. Nicht weil alle schwulen Paare offen sind – viele sind es nicht –, sondern weil Offenheit mehr diskutiert wird und mit weniger Tabus gelebt wird als in anderen Modellen.

Das verhindert Konflikte nicht, im Gegenteil, es macht sie komplexer. Regeln, die in der Monogamie als selbstverständlich gelten, müssen schriftlich festgehalten oder zumindest verbalisiert werden: Was gilt als Untreue? Wie geht man mit Eifersucht um? Was passiert, wenn einer die Beziehung öffnen will und der andere nicht?

Die Therapie arbeitet weniger mit Moral als vielmehr mit Kohärenz: Die Art der Vereinbarung – monogam, offen, flexibel – muss vor allem für beide Partner einvernehmlich und tragbar sein.

Ohne vorgegebenes Drehbuch: das Fehlen (und der Überfluss) an Vorbildern

Während heterosexuelle Paare mit Erzählungen – Filmen, Liedern, Kindergeschichten – aufwachsen, die ihnen sagen, wie ihre Beziehung „sein sollte”, mussten schwule Paare ihre eigenen Versionen von Intimität improvisieren.

Dieser Mangel an Vorbildern hat zwei Seiten. Einerseits bietet er die Freiheit, weniger starre Formen des Zusammenseins zu erfinden. Andererseits erzeugt er Unsicherheit: Es gibt kein klares Modell für den „Erfolg” oder „Misserfolg” einer Partnerschaft, und das macht es schwierig zu wissen, wann ein Konflikt beherrschbar ist und wann eine Grenze überschritten wird.
In der Beratung tauchen häufig Fragen auf, die über das konkrete Problem hinausgehen: „Ist es normal, so zu fühlen?”, „Streiten alle schwulen Paare über dasselbe?”, „Ist es realistisch, langfristig Monogamie zu erwarten?”.

Anstatt fertige Antworten zu geben, versucht die Therapie, ein eigenes Drehbuch zu entwickeln, das weder eine Kopie des heterosexuellen Modells noch des schwulen Stereotyps ist.

Therapie zur Heilung, aber auch zur Legitimierung

Für manche Männer ist der Gang zur Paartherapie auch ein politischer Akt: Sie erkennen an, dass ihre Beziehung Zeit, Ressourcen und Pflege verdient, genau wie jede andere Beziehung auch.

In Kontexten, in denen immer noch Diskurse bestehen, die die Legitimität gleichgeschlechtlicher Paare in Frage stellen, geht es bei der Therapie nicht nur darum, „Probleme zu lösen“, sondern auch darum, zu bestätigen, dass diese Probleme wichtig sind.
Fachleute für sexuelle Vielfalt weisen darauf hin, dass, wenn die Therapie diese Besonderheiten berücksichtigt – Minderheitenstress, Männlichkeitsgebot, Aushandlung von Beziehungsmodellen –, die Ergebnisse mit denen heterosexueller Paare vergleichbar sind: Die Zufriedenheit steigt, die Kommunikation verbessert sich und Missverständnisse werden reduziert.

Letztendlich ähneln die Konflikte von schwulen Paaren im Wesentlichen denen jedes anderen Paares – wer sich gesehen, umsorgt und geliebt fühlt –, aber sie sind durch Geschichten von Diskriminierung, familiärem Schweigen und Geschlechterrollen geprägt.
Die Therapie ist keineswegs ein Luxus, sondern wird zu einem Raum, in dem nicht nur die Beziehung, sondern auch die Art und Weise, wie Männer ihre Liebe leben, neu geschrieben werden kann.

Wochenblatt / Abc Color

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