Asunción: Die Nachricht, dass die Straße von Hormus offen bleibt und die geopolitische Risikoprämie vom Ölmarkt verschwindet, sorgt weltweit für Aufseufzen. Doch wer in Paraguay darauf hofft, dass die Preise an den Tankstellen von Petropar, Shell oder Copetrol im gleichen Tempo in den Keller rauschen, wird enttäuscht.
In der Ökonomie nennt man dieses Phänomen das “Rockets and Feathers“-Prinzip (Raketen und Federn): Die Preise steigen wie Raketen, sinken aber langsam wie Federn.
Das Lager-Dilemma: “Teuer gekauft ist teuer verkauft“
Paraguay ist ein Binnenland ohne eigene Ölquellen. Das bedeutet: Jeder Tropfen Benzin und Diesel muss über den Wasserweg (Paraná-Paraguay-Wasserstraße) importiert werden. Die Kraftstoffkonzerne argumentieren stets mit dem Bestandsprinzip:
-Bei steigenden Preisen: Die Erhöhung wird oft sofort weitergegeben, um die Wiederbeschaffungskosten für die nächste Ladung zu decken.
-Bei sinkenden Preisen: Hier heißt es plötzlich, man müsse erst die teuer eingekauften Vorräte in den Tanks abverkaufen, bevor die günstigeren Weltmarktpreise an den Kunden weitergereicht werden können.
Die Logistik-Falle
Selbst wenn der Ölpreis in London oder New York heute um 10 % einbricht, dauert es Wochen, bis diese Schiffe die Häfen in Paraguay erreichen. Da Paraguay stark vom Pegelstand der Flüsse abhängig ist, können logistische Verzögerungen Preisnachlässe zusätzlich ausbremsen. Wenn der Pegel niedrig ist, steigen die Frachtkosten, was den sinkenden Rohölpreis an der Zapfsäule schlicht auffrisst.
Petropar als politisches Zepter
Die staatliche Ölgesellschaft Petropar wird oft genutzt, um die Preise künstlich stabil zu halten. Erst vor wenigen Tagen (10. April 2026) erhöhte Petropar die Preise um satte 750 Guaranies pro Liter, nachdem man sie im Januar noch gesenkt hatte. Das Problem: Senkungen werden oft monatelang “evaluiert“, während Erhöhungen aufgrund “untragbarer Verluste“ innerhalb weniger Stunden am Wochenende durchgedrückt werden.
Der psychologische Faktor
Die privaten Tankstellenbetreiber in Paraguay beobachten sich gegenseitig genau. Es gibt wenig Anreiz, als Erster massiv mit dem Preis runterzugehen, solange die Konkurrenz noch oben bleibt. Erst wenn der Marktdruck durch Petropar oder sinkende Absatzzahlen zu groß wird, beginnt die Abwärtsbewegung – aber eben nur in Trippelschritten von 100 oder 200 Guaranies, während die Aufschläge oft 500 bis 800 Gs. betragen.
Fazit für den Kraftfahrer
Rechnen Sie in Paraguay mit einer Verzögerung von mindestens zwei bis vier Wochen, bevor sich die Entspannung an der Straße von Hormus tatsächlich in Ihren Ausgaben bemerkbar macht. Während der Ölpreis weltweit fällt, bleibt die paraguayische Zapfsäule ein Ort der “asymmetrischen Preisanpassung“ – ein vornehmer Begriff für ein System, in dem der kleine Autofahrer die Zeche für die Trägheit des Marktes zahlt.
Wochenblatt / Beitragsbild Archiv















