Rechnen schwach, Fordern sehr gut: Während Deutschland bis 67 schuftet, wollen Paraguays Lehrer die Vollpension nach 35 Jahren

Asunción: Während sich Arbeitnehmer in Deutschland fragen, ob sie mit 67 direkt vom Schreibtisch in den Sarg fallen, proben die Lehrergewerkschaften in Paraguay den Aufstand gegen die Logik. Der neue Reformvorschlag der Organisation OTEP-A liest sich nicht wie ein Rentenplan, sondern wie ein Wunschzettel für ein Schlaraffenland, das von der Realität längst überholt wurde.

Der Abschied vom gesunden Menschenverstand

Die Forderung ist an Dreistigkeit kaum zu überbieten: Weg mit dem Rentenalter, her mit der reinen Dienstzeit-Regelung. Wer mit 25 Jahren ins Berufsleben startet, will nach dem Willen der Gewerkschaft mit 50 Jahren die Füße hochlegen – und dabei 80 % seines letzten Gehalts kassieren. Wer es wagt, bis 60 zu arbeiten, soll mit 100 % belohnt werden.

In einer Welt, in der die Menschen immer älter werden, ist das kein Rentenmodell, sondern ein kollektiver Raubzug an der nächsten Generation. Während der deutsche Durchschnittsrentner nach 45 Jahren harter Arbeit mit mickrigen 48 % seines Netto-Einkommens abgespeist wird, fordern paraguayische Funktionäre den “goldenen Handschlag“ für alle – finanziert von einem Staat, der ohnehin chronisch klamm ist.

Mathematik für Anfänger: Das “Loch“ wird zum Krater

Gewerkschaftsboss Gabriel Espínola (Beitragsbild) verkauft diesen Plan ernsthaft als Maßnahme gegen das Staatsdefizit. Man fragt sich, welche Art von Mathematik in den Schulen der OTEP-A unterrichtet wird. Wenn Lehrer potenziell 30 oder 40 Jahre lang Pensionen auf vollem Gehaltsniveau beziehen, nachdem sie gerade einmal 25 bis 35 Jahre eingezahlt haben, bricht jedes System innerhalb kürzester Zeit zusammen.

Ein Beitragssatz von 16 % für Arbeitnehmer klingt zwar auf dem Papier hoch, ist aber ein Tropfen auf den heißen Stein, wenn man die astronomischen Rentenzusagen gegenüberstellt. Das “Loch“, das hier gestopft werden soll, wird in Wahrheit zu einem Canyon aufgerissen, den am Ende wieder der Steuerzahler mit seinen Lasten füllen muss.

Privilegien, die fassungslos machen

Als wäre die Frührente mit 50 nicht genug, gönnt man sich weitere Sahnehäubchen: Die Rente basiert nur auf den letzten fünf Dienstjahren – eine Einladung zur Manipulation der Bezüge kurz vor knapp. Zum Vergleich: In Deutschland wird jeder Cent aus dem gesamten Arbeitsleben mühsam zusammengerechnet.

Wer diesen Vorschlag unterschreibt, besiegelt den Bankrott des Fiskalfonds. Es ist eine Politik der verbrannten Erde: Nach uns die Sintflut, Hauptsache die heutige Funktionärsriege ist versorgt. Für die Jugend Paraguays, die dieses Luftschloss finanzieren soll, bleibt am Ende nur eines übrig: die Rechnung.

Wochenblatt / Beitragsbild Archiv

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