Asunción: Der nächste hausgemachte Skandal erschüttert die politische Bühne Paraguays: Mehrere Mitarbeiterinnen packen über ein systematisches Erpressungs- und Abkassiersystem im Nationalkongress aus. Im Zentrum des Sturms steht die Senatorin Zenaida Delgado. Sie soll von ihren eigenen Angestellten saftige „Eintrittsgelder“ und monatliche Schutzgelder für deren Arbeitsplätze verlangt haben.
Der Druck auf Senatorin Zenaida Delgado wächst rasant. Nachdem bereits Vorwürfe laut wurden, sie würde sich an den Bonuszahlungen ihrer Untergebenen bereichern, bringen nun erschütternde Enthüllungen von Mitarbeiterinnen das ganze Ausmaß ans Licht. Die betroffenen Frauen schildern ein skrupelloses System: Wer im Parlament einen sicheren Posten wollte, musste tief in die Tasche greifen.
15 Millionen Guaraníes für eine Unterschrift
Eines der Opfer, Lorena Gauto, berichtete im Detail, wie sie im Oktober 2023 als Vertragskraft ins Parlament kam und kurz darauf mit der harten Realität konfrontiert wurde. „Als es um meine feste Ernennung ging, hieß es plötzlich, ich müsse einen bestimmten Betrag abdrücken“, so Gauto. Da ihr die geforderten 50 Millionen Guaraníes zu hoch waren,quetschte sie über den Rentenfonds immerhin noch einen Kredit von 15 Millionen Guaraníes heraus – direkt bar in die Hand der Senatorin.
Noch drastischer schildert es Leonarda Vera, eine Verwandte aus dem direkten Umfeld der Senatorin. Sie will insgesamt 50 Millionen Guaraníes (finanziert über Kredite bei der Nationalen Entwicklungsbank BNF und dem Rentenfonds) abgetreten haben. Die Übergabe des Bargelds sei dabei ganz pragmatisch im Auto der Senatorin nach einer Sitzung erfolgt. Das perfide Prinzip: Je höher das Gehalt, desto höher der monatliche „Wegezoll“.
Wenn private Probleme zum Job-Verlust werden
Besonders ekelhaft an dem System: Sobald es in der Familie oder im privaten Umfeld kriselte – im Fall von Vera etwa das Ende der Beziehung zu ihrem Bruder –, flog man kurzerhand raus. „Sie hat ihre familiären Probleme eins zu eins im Job ausgetragen“, so die Betroffenen. Plötzlich forderten die Erpresser sogar Summen von bis zu 100 Millionen Guaraníes von den angestellten Frauen. Wer nicht zahlte oder muckte, wurde eiskalt vor die Tür gesetzt.
Angesichts der erdrückenden Beweise – darunter handfeste WhatsApp-Chats, Audios und Kontoauszüge, die von Journalisten und Radiosendern veröffentlicht wurden – schaltet sich nun auch die Kongressspitze ein. Parlamentspräsident Basilio „Bachi“ Núñez kündigte umgehend an, den Fall direkt an die Staatsanwaltschaft zu übergeben und institutionelle Hilfe für die lückenlose Aufklärung zu leisten.
Während die Senatorin alle Vorwürfe natürlich reflexartig als Lügen abtut und mit rechtlichen Schritten droht, zeigt der Fall einmal mehr die hässliche Fratze der paraguayischen Politik: Da werden Staatsämter wie private Pfründe gehandelt und der einfache Angestellte wird von den Herrschaften im Kongress schamlos ausgenommen wie eine Weihnachtsgans.
Wochenblatt / Abc Color















