Tödliche Gefahr auf den Straßen: Experten warnen vor Nachsicht bei Trunkenheit am Steuer

Asunción: Das Fahren unter Alkoholeinfluss gehört in Paraguay zu den Hauptursachen für tödliche Verkehrsunfälle. Fahrzeuge werden dabei zu lebensgefährlichen Waffen, die ganze Familien zerstören. In den vergangenen Tagen und Monaten verzeichnete das Land eine Welle schwerer Vorfälle, die von betrunkenen Fahrern verursacht wurden.

Jumara Espinola, Vorstandsmitglied der Bürgerinitiative “Ya Estamos Cansados de sus Leyes Injustas“ (Yaescaley), bezeichnete den Anstieg der Todeszahlen durch alkoholisierte Verkehrsteilnehmer in den letzten Jahren als zutiefst bedauerlich.

„Diese Entwicklung begann, als die aktuelle Ministerin für öffentliche Arbeiten ankündigte, dass verdachtsunabhängige Alkotests auf den Straßen nicht mehr gestattet werden. Derzeit dürfen Beamte der Caminera diese Tests nur noch direkt in ihren Dienststellen durchführen. Das führt dazu, dass betrunkene Fahrer diese Stützpunkte einfach umfahren und ungestört weiterfahren, während sie die Allgemeinheit gefährden“, erklärte Espinola.

Sie wies darauf hin, dass die Menschen früher aus Angst vor Kontrollen auf Ersatzfahrer oder alternative Transportmittel auswichen. Sogar Netzwerke entstanden, um Kontrollstellen zu melden. Heute sei diese Hemmschwelle verschwunden, was zu einer Zunahme betrunkener Fahrer auf den Straßen führe.

„Was in den Medien und sozialen Netzwerken berichtet wird, macht nicht einmal 60 Prozent dessen aus, was tatsächlich passiert. Viele Fälle werden gar nicht erst angezeigt oder die Verantwortlichen begehen Fahrerflucht“, so Espinola weiter. Es bleibe zu hoffen, dass die Regierung ihre Haltung überdenke und wieder präventive Kontrollen einführe, um das Recht der Bürger auf körperliche Unversehrtheit und Sicherheit zu schützen.

Gefährliche Legalität: Alkohol als meistkonsumierte Substanz

Dr. Nelson Gaona, Generaldirektor des Nationalen Zentrums für Suchtprävention und -behandlung (Cenptra), betonte, dass Alkohol statistisch gesehen nach wie vor die am häufigsten konsumierte Substanz im Land sei.

„Unsere Statistiken zeigen, dass der Alkoholkonsum den von Crack, Kokain oder Marihuana weit übertrifft“, erklärte der Mediziner. Als legale und gesellschaftlich akzeptierte Droge sei Alkohol im Straßenverkehr unzureichend reguliert.

Wirkung auf das Nervensystem

Dr. Gaona erläuterte, dass Alkohol als dämpfende Droge direkt auf das zentrale Nervensystem wirkt. Dies führt zu verlangsamten Reflexen, verzögerter Informationsverarbeitung und einer beeinträchtigten Bewegungskoordination. Gleichzeitig schwindet das Gleichgewicht, was das Unfallrisiko beim Führen eines Fahrzeugs drastisch erhöht.

„Auch die Wahrnehmung verändert sich negativ: Das periphere Sehen wird eingeschränkt, und es entsteht eine Art Tunnelblick. Zudem überschätzen betrunkene Fahrer häufig ihre Fähigkeiten und unterschätzen die Gefahren der Umgebung völlig“, so Dr. Gaona.

Erschreckende Präzedenzfälle

Unter den jüngsten Vorfällen sticht der Fall vom Sonntag, dem 20. September, heraus: Der 27-jährige José Enrique Rodriguez Sosa steuerte sein Fahrzeug mit einem Atemalkoholwert von 0,796 mg/l. Er rammte eine Tankstellen-Zapfsäule sowie einen Geländewagen, wobei ein zehnjähriges Mädchen verletzt wurde. Schließlich prallte er gegen ein Werbeschild. Der Mann fuhr ohne Führerschein und verstieß damit gegen ein gerichtlich verhängtes Alkoholverbot.

Bereits am Freitag, dem 18. September, erfasste der 35-jährige Delio Alfirio Gamarra Paniagua mit einem Wert von 1,042 mg/l zwei Personen – einen Motorradfahrer sowie eine 19-jährige Fußgängerin auf dem Gehweg. Für Empörung in der Bevölkerung sorgte die anschließende Freilassung des Fahrers durch die Staatsanwaltschaft. Das Opfer äußerte sich schockiert über die Entscheidung von Staatsanwalt Victor Villaverde: „In diesem Land gibt es keine Gerechtigkeit. Erst wenn jemand stirbt, wird gehandelt.“

Ein weiterer Fall datiert vom 8. Mai: In Itacurubí wurde der 50-jährige Alexander Franco González festgenommen, nachdem er mit 0,779 mg/l Alkohol im Blut zwei Unfälle mit Verletzten verursacht hatte.

Wochenblatt / Ultima Hora / Beitragsbild Archiv

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