Asunción: Der Kriminologe Juan Martens reflektierte über die zunehmende Unsicherheit im Land, die durch immer gewaltsamere und tödlichere Vorfälle geprägt ist. In seiner Analyse sprach er über das Versagen von Staat und Gesellschaft und schloss sich der anthropologischen Sicht von Agustín Barúa an, die auf die Ausgrenzung der Randgebiete hinweist.
Zwei gewaltsame Raubüberfälle prägten die letzte Woche und lösten landesweite Erschütterung aus. Zuerst ein Vorfall in Fernando de la Mora, der in einem tödlichen Schusswechsel zwischen einem 70-jährigen Hausbesitzer und einem 20-jährigen Kriminellen endete. Kurz darauf verlor in Ciudad del Este eine 32-jährige Frau ihr Leben bei einem Schusswechsel zwischen einem Ladenbesitzer und einem flüchtigen Räuber.
Für Martens ist dieses unberechenbare Vorgehen von Straftätern das Ergebnis einer gescheiterten Sozialisierung. „Es ist das Versagen der Familie, der Gesellschaft und des Staates. Das Schulsystem konnte diesen Kindern keine demokratischen Werte vermitteln oder hielt sie gar nicht erst im System. Sie sind mit Werten der Gewalt sozialisiert worden“, so Martens.
Zudem herrsche eine “gesellschaftliche Wut“, in der Moral kaum noch eine Rolle spiele: „Wenn die Polizei stiehlt oder tötet, tue ich es auch.“ Martens stützt dabei die These der “sozialen Verelendung“ (basurización social) von Barúa Caffarena. Menschen an den Peripherien würden so stark ausgegrenzt, dass Kriminalität oft als der einzige Weg erscheint. „Es sind Menschen, die scheinbar keine Rolle spielen und um deren Inklusion sich der Staat nicht kümmert. Das ist die Wurzel, an der wir ansetzen müssen“, betonte Martens abschließend.
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