Vergiss Sauerkraut, Schweinebraten und Klöße

Asunción: Der deutsche Koch Eric, der seit einigen Jahren in der paraguayischen Gastronomieszene mitmischt, hat ein denkwürdiges Versprechen im Netz eingelöst. Nachdem er auf TikTok die Marke von 15.000 Likes geknackt hatte, marschierte er schnurstracks ins Tattoostudio. Da ließ sich das Wort „Chipa“ – das traditionelle paraguayische Gebäck aus Maniokmehl und Käse – verewigen. In Interviews schwärmt der Deutsche in den höchsten Tönen vom Land und versichert glaubhaft, dass für ihn kein Morgen mehr ohne eine frisch gebackene Chipa und einen dampfenden Becher Cocido beginnen darf.

Vergiss Sauerkraut, Schweinebraten und Klöße – der deutsche Spitzengaumen ergibt sich bedingungslos der stärkehaltigen Kalorienbombe Südamerikas! Um den Einheimischen zu beweisen, dass er im Integrationskurs nicht geschlafen hat, reicht dem modernen deutschen Auswanderer heute kein Sprachzertifikat in Guaraní mehr. Nein, es muss schon die Tinte unter der Haut sein, die eine lebenslange Liebe zu einem frittierten Käse-Maniok-Kringel dokumentiert.

Man könnte dieses Spektakel natürlich als rührende Ehrerbietung an die Gastfreundschaft Paraguays verkaufen. Wer allerdings zwischen den Zeilen liest, erkennt das eiskalte Kalkül des digitalen Zeitalters: Welcher deutsche Auswanderer schlägt nicht gerne Kapital aus der patriotischen Seele der Paraguayer, die jeden Ausländer stürmisch feiern, sobald dieser unfallfrei eine Chipa unterm Lapachobaum verspeist?

Der tätowierte Koch zeigt exemplarisch, wie man sich mit minimalem körpereigenem Einsatz und viel Maniokmehl die Herzen (und Follower-Zahlen) eines ganzen Landes sichert. Während daheim in Deutschland die vegane Ernährungsdiktatur herrscht, schwelgt der Auswanderer im Fett und lässt sich dafür auch noch als Volksheld feiern.

Wochenblatt / La Nación / Última Hora

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