Wieder einmal schulfrei: Wenn Streiks wichtiger werden als das Klassenzimmer

Asunción: Morgen, am 17. März, bleiben Paraguays Schulen erneut geschlossen. Was als “nationale Mobilisierung“ der Lehrerverbände angekündigt wird, ist für Eltern und Schüler ein frustrierendes Déjà-vu: Der Unterricht fällt aus, die Bildung stagniert – und dieses Mal bleibt sogar die Schulküche kalt.

Es ist ein Bild, an das man sich in Paraguay fast schon gewöhnt hat: Verwaiste Klassenzimmer und Kinder, die statt in der Schule zu sitzen, den Tag irgendwie zu Hause oder auf der Straße verbringen müssen. Der angekündigte Totalstreik der großen Lehrerverbände (Sinadi, FEP und andere) legt den Bildungsbetrieb in Asunción, Central und Presidente Hayes komplett lahm.

Der Grund ist politisch – ein Streit um die Rentenreform der Caja Fiscal. Doch während in den klimatisierten Büros des Kongresses über Paragrafen gestritten wird, geht der Generation von morgen ein weiterer wertvoller Lerntag verloren. In einem Land, dessen Bildungssystem in internationalen Vergleichen ohnehin oft auf den hinteren Plätzen landet, wiegt jeder verlorene Tag doppelt schwer.

Bildung wird zur Verhandlungsmasse

Es stellt sich die bittere Frage: Welchen Stellenwert hat die Bildung in diesem Land eigentlich noch?

-Unterrichtsausfall als Druckmittel: Wieder einmal wird das Recht der Kinder auf Bildung als Faustpfand in politischen Verhandlungen benutzt.

-Vernachlässigung als Dauerzustand: Streiks, marode Schulgebäude und nun der Stopp des “Null Hunger“-Programms – die Liste der Hindernisse für eine geregelte Schulzeit wird immer länger.

-Soziale Kälte: Dass das Ministerium für soziale Entwicklung (MDS) sogar die Essensausgabe stoppt, um “Geld zu sparen“, setzt der Situation die Krone auf. Für viele Kinder ist der Schultag der einzige Zeitpunkt, an dem Bildung und Ernährung gesichert sind. Morgen fällt beides weg.

Eine Generation im Wartestatus

Man gewinnt den Eindruck, dass alles wichtiger ist als der reguläre Unterricht: Rentenreformen, Haushaltsdebatten und gewerkschaftliche Machtdemonstrationen. Die Leidtragenden sind die Schüler, deren Lernkurve durch die ständigen Unterbrechungen nicht nur stagniert, sondern absinkt.

Ein Schuljahr besteht in Paraguay ohnehin aus wenigen effektiven Tagen. Wenn diese auch noch regelmäßig für Streiks geopfert werden, ist das nicht nur eine “Unterbrechung“ – es ist eine systematische Vernachlässigung der Zukunft des Landes. Wann wird Bildung endlich so wichtig sein, dass für sie gekämpft wird, ohne die Schulen abzuschließen?

Wochenblatt / Beitragsbild Archiv

CC
CC
Werbung

Bitte achten Sie darauf, dass Ihre Kommentare themenbezogen sind. Die Verantwortung für den Inhalt liegt allein bei den Verfassern, die sachlich und klar formulieren sollten. Kommentare müssen in korrekter und verständlicher deutscher Sprache verfasst werden. Beleidigungen, Schimpfwörter, rassistische Äußerungen sowie Drohungen oder Einschüchterungen werden nicht toleriert und entfernt. Auch unterschwellige Beleidigungen oder übertrieben rohe und geistlose Beiträge sind unzulässig. Externe Links sind unerwüscht und werden gelöscht. Beachten Sie, dass die Kommentarfunktion keine garantierte oder dauerhafte Dienstleistung ist. Es besteht kein Anspruch auf Veröffentlichung oder Speicherung von Kommentaren. Die Entscheidung über die Löschung oder Sperrung von Beiträgen oder Nutzern die dagegen verstoßen obliegt dem Betreiber.

Kommentar hinzufügen