29 Jahre gefordert, nur 15 bekommen: Mörder eines Schweizers entkommen der Höchststrafe

Ypaú: Ein Richterkollegium in Paraguarí hat einen Ex-Polizisten wegen der Mitgliedschaft in einer kriminellen Bande verurteilt. Er wurde eines schweren, gewaltsamen Raubüberfalls mit Todesfolge an einem Schweizer Staatsbürger im Bezirk Escobar für schuldig befunden. Ein beteiligter Zivilist wurde zu 9 Jahren Gefängnis verurteilt.

Das zuständige Gericht verhängte gegen den ehemaligen Polizeiobermeister Roberto Isaac Chaparro Martínez (39) eine Freiheitsstrafe von 15 Jahren. Der Mitangeklagte Ricardo Javier Esquivel Pereira (35) wurde zu 9 Jahren Haft verurteilt. Beide waren an dem Raubüberfall beteiligt, bei dem am 1. August 2023 in der Ortschaft Ypaú (Bezirk Escobar) der 51-jährige Schweizer Reto Schraner erschossen wurde.

Das Gericht, bestehend aus den Richtern Antonio Benítez, Fabiola Quintero und Pedro Nazer, kam zu dem Schluss, dass beide Männer Teil einer kriminellen Organisation waren und als Komplizen an der Tat mitwirkten, was ausschlaggebend für das Strafmaß war.

Die Staatsanwaltschaft wurde durch die Anwälte Eladio Cohene, Irene Rolón und Mercedes Vera vertreten. Die Anklage hatte ursprünglich 29 Jahre Haft für beide Angeklagten gefordert und prüft nun, Rechtsmittel gegen das Urteil einzulegen, da sie die verhängten Strafen als unzureichend erachtet.

Zwei weitere mutmaßliche Bandenmitglieder, Cándido Ramón Alliende (59) und Ángel Diosnel Aranda (40), befinden sich nach wie vor auf der Flucht; gegen sie wurden Haftbefehle erlassen. Ein weiterer Komplize, Carmelo Alcides Benítez Reyes (36), wurde bereits vor einiger Zeit bei einem bewaffneten Überfall auf eine Metzgerei in Mbuyapey erschossen.

Staatsanwaltschaft prüft Berufung

Staatsanwalt Eladio Cohene erklärte, dass die Anklagebehörde 29 Jahre Haft gefordert hatte, und äußerte seine Unzufriedenheit mit den Urteilen von 15 bzw. 9 Jahren.

Er wies darauf hin, dass das Gericht zwar die Beteiligung der Angeklagten anerkannte, die Strafen jedoch abminderte, da es Mängel in der anfänglichen Ermittlungsarbeit sah. Das Gericht ordnete zudem an, die Akte an die Generalstaatsanwaltschaft zur Überprüfung weiterzuleiten. Die Staatsanwaltschaft analysiert nun die Einlegung einer Berufung, um das ursprünglich geforderte Strafmaß durchzusetzen.

Das Verbrechen

Den Ermittlungen zufolge erreichten mehrere bewaffnete Männer in einem weißen Chevrolet-Pickup das Anwesen von Schraner. Als dieser wegen des Lärms nach draußen trat, wurde er sofort mit mehreren Schüssen hingerichtet.

Schweizer von Unbekannten ermordet

Die Kriminellen töteten außerdem drei Pitbulls, drangen in das Haus ein und stahlen Schusswaffen, Bargeld sowie weitere Wertgegenstände, bevor sie die Flucht ergriffen.

Wochenblatt / ABC Color

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