Colonia Independencia: Aufgrund der sich häufenden Vorfälle bezüglich der Sicherheit möchte ich verschiedene Hinweise geben, wie man sich erfolgreich schützen kann. Wobei die in diesem Artikel aufgezeigten Möglichkeiten auf jeden Fall vertieft werden sollten, um ihre Wirkung zu erreichen. Wobei Sicherheit nicht damit beginnt zu glauben den Rambo machen zu müssen.
Aus der Erfahrung und Analyse begangener Straftaten zeigt sich, dass durch gezielte Präventionsmaßnahmen sich 80 % aller möglichen Übergriffe im Vorfeld verhindern lassen.
Das wichtigste Element ist die persönliche Einstellung und Denkweise. Es geht darum, die mögliche Bedrohungslage zu erkennen. Hilfreich sind dabei die Kenntnisse des feindlichen Angriffszyklus sowie das Dreieck der Kriminalität. Die Entscheidung, die Verantwortung für die eigene Sicherheit und die der Familie zu übernehmen. Sicherheit lässt sich nicht delegieren. Und es geht um konkrete Wahrnehmung, und nicht um ignorieren, verdrängen und leugnen. Wahrnehmen, das, was ist. Das alles führt zu einer Psychologie der Stärke.
Das zweite Element ist die Risikobewertung. Wie sicher ist ihr Wohnort? Welche möglichen Gefahren bestehen? Welche Bedrohungen insgesamt und welche Möglichkeiten bestehen das Risiko zu minimieren? Durch die Reduzierung der eigenen Verwundbarkeit und Verbesserung der Ressourcen lässt sich ein Risiko deutlich minimieren.
Das dritte Element ist die Aufmerksamkeit. Bewusst wahrnehmen, was um sie herum passiert. So wie sie im Großstadtverkehr nicht mit geschlossenen Augen fahren, so sollten sie ihrem gewöhnlichen Alltag eine gesunde Aufmerksamkeit schenken. Was ist normal, was ist anders als sonst? Situative Aufmerksamkeit hilft, Bedrohungen rechtzeitig zu erkennen und schreckt mögliche Angreifer ab. Wobei der ständige Blick aufs Smartphone bzw. Paranoia wahre Aufmerksamkeitskiller sind.
Das vierte Element ist die Handlungsfähigkeit. Ein Entscheidungsprozess für eine gute Handlungsfähigkeit ist der BBEH-Kreislauf. Dieser Kreislauf stellt einen Prozess der Beobachtung, Bewertung, Entscheidung und Handlung dar. Er bildet die Brücke zwischen Aufmerksamkeit und Aktion. In Situationen akuter Bedrohung und unter Stress können schnell und souverän Entscheidungen getroffen und in die Tat umgesetzt werden. So lassen sich die eigenen Chancen erhöhen, möglichst unversehrt aus einer Gefahrensituation hervorzugehen.
Das fünfte Element ist die Unauffälligkeit. Unauffälligkeit bedeutet, das eigene Aussehen und Auftreten so weit wie möglich an den jeweiligen lokalen Kontext anzupassen, um möglichst wenig aufzufallen. Ziel ist, in der Masse unterzugehen, anstatt aus ihr herauszustechen. Unauffälligkeit ist keine Tarnkappe, Sie können sich nicht unsichtbar machen. Durch Ihr Auftreten, Ihre Sprachkenntnisse und interkulturelle Kompetenz können Sie jedoch viel an Boden wettmachen.
Kein Einbruch oder Überfall beginnt plötzlich. Einbrecher suchen immer ihren Vorteil – Beobachten und ausspionieren, Überzahl, Dunkelheit, Wetter, Verwirrung, Täuschung, Waffeneinsatz. Es wird die leichte Beute gesucht. Dort wo Schwierigkeiten, Widerstand und Wehrhaftigkeit zu erwarten sind, dringt man lieber nicht ein.
Selbstverteidigung umfasst auf jeden Fall die Sicherheit ihrer Wohnung bzw. Hauses. Sie benötigen bei einem Überfall sicheren Raum und Zeit, um Hilfe zu alarmieren. Ich gehe jetzt nicht auf den Spontanüberfall eines Cracksüchtigen ein, sondern die Situation eines meist geplanten Überfalls.
Schwachpunkte sind Haustür und Fenster. Ein gutes Schloss, feste Zargen und Bänder sollten selbstverständlich sein. Bewährt hat sich, die Haustür zusätzlich mit einem Balkenriegel zu sichern. Ein eindringen ist fast nicht möglich und verursacht auf jeden Fall Lärm. Für Fenster, nicht jeder ist Freund von Gittern, empfehlen sich entweder Klappläden / Persianas oder von innen angebrachte einbruchhemmende Folie. Selbst mit schwerem Werkzeug sind solche Fenster nur unter Lärm und Zeitaufwand zu passieren. Ein weiterer Balkenriegel an der Schlafzimmertür bzw. Kinderzimmertür verschafft wertvolle Zeit.
Es geht darum, Zeit zu gewinnen, wach zu werden aus dem Tiefschlaf und handeln zu können. Ob sie dabei Polizei und Nachbarn alarmieren und/oder zur Waffe greifen, wenn ihr oder das Leben der Familie bedroht ist, ist Mentalitätssache.
Selbstverteidigung mit der Waffe
So wie Sie mit dem Kauf und Besitz einer Gitarre kein Konzert geben würden, sollten Sie als nur Waffenbesitzer nicht in den Kampf ziehen wollen. Um Waffen im Verteidigungsfall erfolgreich einsetzen zu können, bedarf es einer diesbezüglichen Ausbildung. Es macht einen deutlichen Unterschied zwischen sportlichem Schießen und dem Schießen zur Selbstverteidigung.
Der Waffeneinsatz und deren Anwendung muss im Vorfeld geklärt sein. Es macht einen Unterschied, ob ich jemanden beim Betreten meines Grundstücks beschieße oder wenn er in mein Haus eindringt. Hier kommt u.U. nachdem alles vorbei ist, die paraguayische Gesetzeslage zum Tragen. Ich rate dringend, sich diesbezüglich über die gültige Gesetzeslage zu informieren (Artikel 19 – Selbstverteidigung: Eine Person handelt nicht rechtswidrig, wenn das in der Rechtsfigur der strafbaren Handlung beschriebene Verhalten notwendig und vernünftig ist, um einen gegenwärtigen und rechtswidrigen Angriff gegen ein eigenes oder fremdes Recht abzuwehren oder zu vereiteln).
Dazu ein Tipp: Wenn im Fall der Selbstverteidigung Personen zu Schaden gekommen sind, machen Sie gegenüber Niemandem (Polizei, Staatsanwalt, Presse, Berater, usw.) eine Aussage. Notfalls beziehen Sie sich darauf, dass Sie im Moment zu verwirrt sind / unter Stress stehen. Verlangen Sie u.U. einen Übersetzer (seriös) und auf jeden Fall einen guten Rechtsanwalt (hier kann evtl. der Übersetzer helfen – hat Kenntnis). Besprechen Sie sich mit Ihrem Anwalt und erst danach sollten Sie sich äußern. Wenn sie in legitimer Selbstverteidigung gehandelt haben, sind sie auf der sicheren Seite. Jedoch gibt es bestimmte unterbezahlte Funktionäre, die sich je nach Gusto, zum Nachteil des Angeklagten, irren können. Immer wieder einmal.
In jeder Familie stellen sich die Bedürfnisse, Wohnsituation und finanzielle Möglichkeiten anders dar. Das heißt, dass man die Notwendigkeiten den vorhandenen Bedingungen so gut wie möglich anpassen sollte. Zu 80 % in etwa richtig ist tausendmal besser als nichts zu tun.
Dass, der ganze Themenkomplex erheblich umfangreicher ist und es sich hier nur um eine vereinfachte Darstellung handelt, ist deutlich. Es geht mir darum, Ihnen Hinweise zu geben und Möglichkeiten aufzuzeigen, denen sie nach persönlicher Intention nachgehen können.
In diesem Sinne Murphys Gesetz nicht vergessen: „Alles, was schiefgehen kann, wird auch schiefgehen.“
Quellen: Die 5 Ringe der Sicherheit von Florian Peil, Straight Talk on Armed Defense von Massad Ayoob
Wochenblatt / Leserzuschrift













