Filadelfia: Bisher begrenzen das Fehlen klarer Regulierungen, zuverlässiger Informationssysteme, logistischer Infrastruktur und ausreichender institutioneller Kapazitäten “die Möglichkeit, dass der Lithiumabbau als Motor für einen produktiven Wandel fungiert“. Dies behauptet die Forscherin Sara Seux in ihrer Abschlussarbeit zu diesem Thema. Es gibt zwar Vorkommen, aber es gibt Hindernisse.
Lithium ist zu einem der wertvollsten Mineralien für die Technologiebranche geworden. Die Unternehmen, die in Paraguay nach dem Mineral suchen, stammen alle aus Kanada und haben sich rund um das Holding-Unternehmen Chaco Minerals zusammengeschlossen. Dieses Konsortium besteht aus: Minera Atenea S.A., Chaco Lithium S.A., Roca Lithium S.A., Paraguay Lithium S.A. und Guaraní Lithium S.A.
Ein sechstes Unternehmen, Valquiria Exploration S.A. (ebenfalls kanadisch), gehört nicht zum Konsortium, teilt sich aber denselben Rechtsvertreter. Diese Firmen erkunden Lithium auf einer Fläche von rund 2.300.000 Hektar in drei Departements des paraguayischen Chaco.
Seux, eine junge Ingenieurin aus Asunción, schloss kürzlich ihr Studium der Umwelttechnik mit einer Arbeit über Lithium in Paraguay ab. Ihren Untersuchungen zufolge gibt es noch keine offiziellen Informationen über die genaue Lithiumkonzentration im Land. Basierend auf Firmendaten vermutet sie das Lithium jedoch potenziell im Grundwasser der westlichen Region (Chaco), schließt aber auch Vorkommen in Gesteinsschichten nicht aus.
Ein zentraler Kritikpunkt ihrer Arbeit ist, dass der Staat es versäumt hat, offizielle geologische Informationen zu sammeln. Die vorhandenen Daten sind unvollständig und stammen hauptsächlich von Unternehmen, die in den 70er Jahren nach Erdöl suchten. In ihrer Arbeit stellt sie fest, dass einige Firmen behaupten, wirtschaftlich rentable Mengen (über 200 ppm) gefunden zu haben, dies jedoch nicht durch geologische Dokumente belegen.
Mangelnde Kapazitäten und Umweltrisiken
Seux verglich die Verwaltung des Minerals mit den Ländern des sogenannten “Lithium-Dreiecks“ (Argentinien, Chile und Bolivien). Ihr Fazit: „Der rechtliche Rahmen ist relativ vollständig, aber den staatlichen Institutionen fehlt die Kapazität, ihn anzuwenden.“
Besonders kritisch sei der Mangel an hydrogeologischen Informationen (über das Grundwasser), was fundierte Entscheidungen verhindere. Zudem seien die Budgets der zuständigen Behörden (MADES und MOPC) viel zu gering für eine effektive Überwachung.
In Bezug auf die Umwelt warnt die Ingenieurin: „Der Chaco ist ein fragiles Ökosystem.“ Ohne eine solide Datenbasis könne man kaum unterscheiden, ob Veränderungen in der Natur natürlich bedingt sind oder durch Minenprojekte verursacht werden. Da der Staat keine unabhängigen Daten erhebt, ist er auf die Informationen der Unternehmen selbst angewiesen, was eine neutrale Kontrolle erschwert.
Letztlich bleibe der Lithium-Sektor in Paraguay bisher in einem rein administrativen Stadium stecken: Es gibt Genehmigungen und Sondierungen, aber keinen realen Fortschritt in Richtung einer industriellen Entwicklung, die der Wirtschaft des Landes tatsächlich zugutekommen würde.
Wochenblatt / El Prisma















