Energie-Countdown: In weniger als drei Jahren gehen in Paraguay die Lichter aus

Asunción: Im Januar stieg der Energieverbrauch in Paraguay um 13,3 % im Vergleich zum Vorjahresmonat. Dieser Trend dürfte das gesamte Jahr über anhalten – und könnte sich noch massiv verschärfen, wenn große Rechenzentren für Künstliche Intelligenz (KI) und andere energieintensive Industrien ans Netz gehen.

Wie der kaufmännische Leiter des staatlichen Stromversorgers ANDE, Hugo Rolón, bestätigte, wird dieser Anstieg erneut vom Wachstum der Krypto-Mining-Farmen und dem privaten Haushaltsverbrauch dominiert. Im Januar wurden insgesamt 3.223.304 MWh verbraucht. Davon stammten 2.619.365 MWh aus dem Wasserkraftwerk Itaipú, 508.366 MWh von Yacyretá und 95.563 MWh aus dem eigenen Kraftwerk Acaray. Die Photovoltaikanlage Puerto Esperanza im paraguayischen Chaco steuerte etwas mehr als 10 MWh bei.

Obwohl Rolón versichert, dass die ANDE diesem Wachstum standhalten kann, kam es während der jüngsten Stürme und Hitzewellen weiterhin zu Stromausfällen im Leitungsnetz.

Dieser massive Sprung im Verbrauch begann bereits im Jahr 2024, als die Nutzung der Itaipú-Energie von durchschnittlich 17 % auf 30,8 % anstieg. Damals wurde die Übertragungskapazität hauptsächlich von Krypto-Minern und dem vermehrten Einsatz von Klimaanlagen in Haushalten und Büros beansprucht, um den immer intensiveren Hitzewellen zu begegnen.

Das Ende des Überschusses

Mit den aktuellen Zahlen wird das Land bis Ende dieses Jahres bereits 40 % der von Itaipú produzierten Energie selbst nutzen. Sollte sich dieser Durchschnitt halten, wäre der Energieüberschuss in nur zwei Jahren – konkret Ende 2028 – aufgebraucht. Dies gilt wohlgemerkt nur für das natürliche Wachstum des aktuellen Bestands.

Dabei wartet bei der ANDE bereits eine lange Schlange: Vor allem US-Unternehmen beantragen Energie für energieintensive Projekte wie KI-Rechenzentren. Präsident Santiago Peña hat zwei Dekrete unterzeichnet, die die Strompreise für diese Sparten sogar senken. Kritiker halten diese Preise für schädlich für die ANDE, da sie lediglich die Übertragungskosten decken würden, ohne Gewinn aus dem Energieverkauf zu generieren.

Die Dimensionen sind gewaltig: Ein einziges Unternehmen, 8X Cloud Inc., fordert 250 MW an – das ist mehr als die gesamte Kapazität des Acaray-Staudamms.

Auch die Nutzung der Yacyretá-Energie ist gestiegen. Allerdings hat sich das Land im Rahmen des jüngsten Abkommens (“Peña-Milei“) dazu verpflichtet, nur bis zu 20 % dieser Energie selbst zu nutzen. Diese jährlich getroffene Vereinbarung bleibt bis auf Weiteres bestehen, während der Bau von Aña Cua (zusätzliche Turbinen in Yacyretá) wieder aufgenommen wird – bleibt die Frage: Für was und für wen?

Wochenblatt / El Prisma / Beitragsbild Archiv

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