Asunción: Das Handwerk des Bäckers ist eines der ältesten der Menschheit. Seit fernen Zeiten spielt das Brot eine wesentliche Rolle und ist bis heute ein unverzichtbares Produkt auf jedem Familientisch. Hinter jedem Bäcker, der den Teig knetet und den Ofen vorbereitet, steckt eine ganz persönliche Geschichte.
Journalisten sprachen mit Esteban Raúl Rodriguez, einem kubanischen Staatsbürger, der seine Heimat verlassen musste, um sich mit seiner Familie in Paraguay niederzulassen. Dort führt er eine lange Familientradition fort: Die Bäckerei mit dem Namen “La Bendición“ (Der Segen). Er ist mit Yeney Alpuin Gutiérrez verheiratet; ihre zwei Kinder beherrschen das Handwerk ebenfalls bereits.
„Eigentlich beginnt die Geschichte mit meinem Urgroßvater in Villa Clara, einer Provinz in Kuba. Dort wurde die Bäckerei vor vielen Jahren gegründet. Ich bin heute die dritte Generation“, erzählt Rodriguez. Er ist 44 Jahre alt und seit 25 Jahren Bäcker. Obwohl er auch als Barkeeper und Koch ausgebildet wurde, verschrieb er sich ganz der Konditorei und Bäckerei. „Ich bin nichts Besonderes, aber ich denke, ich mache meine Arbeit gut“, sagt er bescheiden.
Zum Namen seiner Bäckerei erklärt er: „Gott hat mich gerettet. Mein Leben war zuvor ein Desaster, sowohl emotional als auch politisch. Gott hat mir geholfen, dieses alte Leben hinter mir zu lassen. Eines Tages, während ich betete, gab er mir den Namen: ’La Bendición‘.“ Ein besonderes Detail: In seinem Betrieb wird bei der Arbeit gesungen und sogar getanzt. „Gott sei Dank ist das so. Ich will niemanden mit schlechter Laune hier haben, sonst soll er lieber nach Hause gehen“, scherzt Rodriguez.
Auf die Frage, was er beim Backen fühlt, antwortet er leidenschaftlich: „Es ist ein beeindruckendes Gefühl. Wenn du den Teig mit deinen Händen knetest, ihn gehen lässt und merkst, wie viel Leben in dieser Masse steckt. Wenn du siehst, wie er im Ofen wächst und schließlich fertig verpackt ist, fühle ich mich erfüllt. Es ist ein Prozess des Lebens, etwas, das die Menschen mit gutem Geschmack genießen werden.“
Paraguay ist unser Gelobtes Land
Vor sieben Jahren kam die Familie nach Paraguay. Anfangs wollte Rodriguez nicht mehr in einer Bäckerei arbeiten, da der Beruf sehr hart und ermüdend ist. Doch nach drei Monaten in anderen Jobs entschied er sich um – auch dank einer Person, die in ihn investierte. Über seine neue Heimat sagt er voller Überzeugung: „Paraguay ist unser Gelobtes Land. Viele wollen in andere Länder auswandern, aber wir nicht. Paraguay ist meine Nation. Ich möchte mein Geburtsland nicht einmal mehr besuchen.“
Wochenblatt / Cronica















