Asunción: Eine Gruppe von 20 Familien setzt weiterhin auf ein Leben auf einer historischen Sandbank inmitten des Rio Paraguay, etwa 80 Kilometer von Asunción entfernt, im Grenzgebiet der Departements Cordillera, San Pedro und Presidente Hayes. Trotz der Isolation und des fehlenden Zugangs zu vielen Dienstleistungen versichern sie, dass sie diesen Ort gegen keinen anderen eintauschen würden.
Die Inseln Marina, Peñón, Pilar Kue, Palmasola und Guasu wurden im Laufe der Zeit durch die Kunst des Flusses geformt. Da sie ideal zum Fischen sind, zogen sie schon vor über einem Jahrhundert Bewohner an – Menschen, die hier eine Lebensweise fanden, die sie nicht mehr aufgeben wollen.
Der Widerstand von Don Crispín
An der ersten Hütte empfängt uns Crispín Narváez. Er lebt dort ohne Trinkwasser und mit Strom, den er mühsam über einen Benzin-Generator erzeugt. Inmitten üppiger Vegetation und dem ewigen Fließen des Wassers erzählt der Fischer, Landwirt und Kleinviehhalter mit seinen 79 Jahren und 10 Monaten seine Geschichte. Trotz der großen Flut von 1989, die ihn vertrieb und zwang, fast alles neu aufzubauen, sagt er: „Ich würde diesen Ort niemals tauschen.“
Don Crispín wurde auf dieser Insel geboren. Er erzählt, dass Kapitän Lázaro Aranda, ein Marineoffizier, einer der ersten Siedler war und dem Ort den Namen “Banco Marina“ gab. Früher lebten hier 50 Familien, heute sind es nur noch 20. Die Gründe für die Abwanderung sind vielfältig: Überschwemmungen, schwindende Fischbestände und die Isolation.
Überlebenskunst auf der Insel
„Mit meinem Boot brauche ich drei Stunden bis Villa Hayes, um Vorräte zu holen. Das Wasser bringen wir in 20-Liter-Kanistern mit“, erklärt er. Das Grundwasser auf der Insel ist extrem salzig. Deshalb sammeln die Bewohner Regenwasser oder bereiten Flusswasser auf. Bei starkem Regen sammeln sie bis zu 300 Liter.
Don Crispín hat 11 Kinder, 25 Enkel und drei Urenkel. Die meisten leben in der Stadt, doch seine Tochter Lourdes ist zurückgekehrt. „Ich bin vor vier Monaten gekommen. Das Landleben tut mir gut, es ist totale Entspannung und man atmet reine Luft“, sagt sie, während sie ihrem Vater gesundheitlich unter die Arme greift.
Vergangene Zeiten und der Fluss im Wandel
Früher gab es “Laden-Schiffe“, die die Inselbewohner versorgten, doch mit dem Ausbau der Straßen verschwanden diese schwimmenden Supermärkte. Heute dominieren große Schubschiffe den Fluss, die Eisenerz aus Brasilien transportieren.
Don Crispín kritisiert die Politik: „Niemand erinnert sich an die Leute vom Land. Der letzte Besuch von Behörden war zur Wahlzeit, danach kommen sie nicht mehr.“ Doch er lässt sich nicht unterkriegen. Wenn er von einem 30-Kilo-Surubi erzählt, den er einst fing und der die Familie eine Woche lang ernährte, strahlt sein Gesicht.
Anreise
Eine Expedition auf die Insel Marina startete am Hafen Puerto Panta Kue in der Station Puerto Olivares. Um diesen Punkt zu erreichen, muss man Kontakt mit Diana aufnehmen, die für die Reservierungen auf der Estancia Olivares zuständig ist. Dieser Viehzuchtbetrieb bietet Naturtourismus an und ist unter der Nummer (0985) 591-221 erreichbar.
Wegbeschreibung aus Asunción:
Fahren Sie auf der Route PY03 bis zum Kilometer 50.
Biegen Sie dort bei einem Doppeltor auf der linken Seite (auf der Höhe der Estancia Santa Sara) ein.
Folgen Sie dem Weg für etwa 800 Meter und nehmen Sie dann die Abzweigung nach rechts.
Nach weiteren 10 Kilometern erreichen Sie das Hauptgebäude der Estancia; kurz dahinter befindet sich bereits der Hafen.
Wichtiger Hinweis
Besuche sind nur mit Voranmeldung möglich. Zudem ist die Zufahrt an Regentagen streng untersagt, um die unbefestigten Wege zu schonen, die sich ansonsten in gutem Zustand befinden.
Aktivitäten und Naturerlebnis
Schon auf dem Weg zum Hafen lassen sich wunderschöne Exemplare des Ypaka’a (Rallenkranich) und des Kuarahy Mimbi (Kiebitzart) beobachten, die sich zwischen den Sumpfgebieten und Weiden bewegen, auf denen das Vieh grast.
Vor Ort ist folgendes möglich:
Camping: Das Gelände ist sehr familienorientiert.
Ruhe: Da es sich um ein Naturschutzgebiet handelt, ist das Abspielen von Musik untersagt.
Aktivitäten: Vogelbeobachtung, Kajakfahren, Bootstouren und Wanderungen auf Naturpfaden.
Regeln für Besucher
Die Betreiber legen großen Wert auf Nachhaltigkeit:
Müll: Es gilt eine Null-Toleranz-Politik gegenüber Abfällen. Alles muss sauber hinterlassen werden.
Fischerei: Viele Gäste kommen zum Angeln. Hierbei wird streng darauf geachtet, dass nur Fische entnommen werden, die die gesetzlichen Mindestmaße erfüllen. Alles muss absolut regelkonform ablaufen.
Wochenblatt / La Nación















