Ein Stoppzeichen mit Herz: Warum diese Polizistin sich Autos mutig in den Weg stellt

Capiatá: Seit 16 Jahren steht sie dort, bei strahlendem Sonnenschein oder strömendem Regen. Vor der Schule “Margarita Veia de Bibolini“ in Posta Ybycuá, Capiatá, regelt die Polizeibeamtin Lilian Amarilla nicht nur den Verkehr – sie gibt auf die Kleinen Acht.

Mit einem Lächeln, das längst zu ihrem Markenzeichen geworden ist, erzählt sie gerührt: „Ich kenne sie alle, sogar ihre Familien, und ich beschütze sie wie meine eigenen Kinder.“

Und das ist keine Übertreibung. Ihr Bericht spiegelt ihren Alltag wider: „Es gibt Mütter, die ihre Kinder schon vor 06:00 Uhr morgens bringen, wenn es noch dunkel ist, weil sie zur Arbeit müssen. Die Kleinen bleiben dann bei mir.“

Mittags wiederholt sich die Szene. „Schulschluss ist um 11:00 Uhr, aber manche Eltern können sie erst nach dem Mittag abholen. In der Zwischenzeit bleiben sie bei mir. Es sind hart arbeitende Leute, und ich verstehe das, deshalb bleibe ich bei den Kleinen.“ Als “psychologische Maßnahme“, wie sie sagt, kauft sie immer Vorratspackungen Lutscher, um sie zu beschäftigen, damit sie nicht weinen. „Einige sind noch sehr klein,“ berichtet Amarilla weiter.

Draußen herrscht derweil das Chaos: Hupende Autos, Eile und ungeduldige Fahrer. Doch sie weicht nicht zurück. „Der Verkehr hier ist chaotisch, und ich muss mich oft mit den Autofahrern anlegen. Manche wollen nicht anhalten, erst recht nicht zur Stoßzeit. Aber ich stelle mich ihnen in den Weg, auch wenn ich dabei viel riskiere. Die Motorradfahrer sind am dreistesten; manchmal halte ich sie sogar mit dem Fuß auf. Man kennt mich hier, sie nennen mich die Wunder-Polizistin. Es ist hart, weil alle in Eile sind. In der Morgenschicht sind es mehr als 900 Schüler. Für mich ist es nicht nur Verkehrsregelung, sondern die Gewissheit, dass meinen Kindern absolut nichts passiert. Viele Eltern lassen sie aus dem Auto, und ich nehme sie an der Hand, um die Straße zu überqueren. Andere kommen mit dem Bus, und der Fahrer sagt mir schon: ‚Hier bringe ich dir deine Kinder‘. Dann helfe ich ihnen beim Aussteigen. Sie sind wie meine eigenen Kinder,“ fügte sie an.

Ihr abschließender Wunsch ist einfach, aber dringend: „Ich habe schon oft darum gebeten, dass endlich der Zebrastreifen vor der Schule gestrichen wird. Das ist extrem wichtig, auch wenn viele Leute ihn nicht respektieren wollen.“

Wochenblatt / Cronica

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